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Vilsbiburg

 

 

Treue Begleiter durch das ganze Leben
Heimatmuseum eröffnet neue Dauerausstellung mit volkstümlichen Möbeln

Bauernschrank_00001Schrank
Volkstümliche Möbel wurden oftmals von heimischen Schreinern gefertigt. Eine Ausnahme stellten die an ihren abgeschrägten Ecken erkennbaren Produkte aus Tölz dar, die auf der Isar bis nach Niederbayern verkauft wurden.
Möbel gehören zu den selbstverständlichsten Begleitern unseres Alltags. Der Mensch lebt unablässig mit ihnen, nicht nur zu Hause, sondern auch am Arbeitsplatz oder auf Reisen. Während heute jedoch die Möbelgiganten mit marktschreierischer Werbung für immer neue „Wohnideen“ dafür sorgen, dass man die bisher gebrauchte Einrichtung nach spätestens 20 Jahren in den Sperrmüllcontainer befördert, nutzte man Möbel früher meist ein ganzes Leben und auch noch darüber hinaus. Nicht selten wurden wertvolle Schränke, Betten und Kommoden an die nächsten Generationen weiter vererbt. Volkstümliche Möbel, meist aus dem ländlichen Bereich, zeigt das Heimatmuseum in einer neuen Dauerausstellung, die am Samstag, 18. November   2017 um 10 Uhr eröffnet wird.

Grundsätzlich waren früher wie heute Möbel zunächst reine Gebrauchsobjekte. Sie leisteten ihre Dienste beim Kochen und Essen als Aufbewahrungsort für Lebensmittel und Geschirr sowie als Tisch, Bank und Stuhl. Damit waren diese Möbel die Voraussetzung für die Entwicklung einer Esskultur. In der äußeren Ecke der Stube und diagonal zum Ofen stand der Tisch meist mit einer umlaufenden Bank als fester Bestandteil des Hauses. Das mag schon seit dem Ausgang des Mittelalters so gewesen sein. Zum Ruhen und Schlafen gab es beispielsweise die Liegebank am Ofen, das Bett und die Wiege. Als dritte Hauptgruppe hatten Möbel die Aufgabe, Gegenstände langfristig zu verwahren. Dafür nutzte man Kommoden, Truhen und Schränke. Natürlich gab es darüber hinaus auch Mischformen, wie beispielsweise die Sitztruhe oder Sondertypen; hier sei der Uhrkasten genannt.

Möbel als Prestigeobjekt

Während die Funktion eines Möbels im täglichen Gebrauch hauptsächlich durch seine Konstruktion bedingt war, hatten Dekor und äußerer Umfang vielfach die Aufgabe, die Stellung der Besitzer in der Gesellschaft zu unterstreichen. In Altbaiern wurden bereits im späten 18. Jahrhundert Schränke und Truhen vielfach mit religiösen Motiven bemalt. Häufig wurden dabei Jesus und Maria, ihre Monogramme oder Herzen verwendet. Schmückte ein Madonnenbild den Aufsatz des Bettes, fühlte sich der Schläfer vor den Gefahren der dunklen Nacht beschützt. Diese Aufgabe wurde aber auch bestimmten Heiligen, wie etwa dem Namenspatron zugedacht. Eine besondere Stellung hatte der Aussteuerschrank, den die Braut unter großem Aufsehen auf dem Kammerwagen vom heimatlichen Anwesen in ihre künftige Wohnung überführte. Er war gefüllt mit Leinen, Flachs, Wäsche und Geschirr - praktische Dinge, die sie schon über Jahre hinweg gesammelt hatte und die im künftigen Ehestand unverzichtbar waren.

Rangordnung der Möbel

Vielfach vergessen ist, dass die verschiedenen Räume eines Hauses und damit auch die darin befindlichen Möbel eine gewisse Hierarchie zum Ausdruck brachten. Den höchsten Rang nahm zweifellos das eheliche Schlafzimmer ein. Die Einrichtung hier zeichnete sich durch eine besondere Gestaltung aus. An zweiter Stelle folgte die Stube als Gemeinschaftsraum für die Familie und die Dienstboten, dann die Küche und am Ende der Tabelle rangierten die verschiedenen Schlafkammern der Kinder und Ehehalten. Es kam aber auch vor, dass man Möbel in ihrer Funktion und in ihrem Rang abgestufte. So wurden Kleiderkästen oftmals durch das Anbringen von Luftlöchern zum Milch- oder Brotschrank umfunktioniert oder es fand eine Truhe die Anschlussverwendung als Getreidekiste. Beim Betrachten volkstümlicher Möbel sollte man sich also nicht nur an ihrer Schönheit erfreuen, sondern bedenken, dass sie Teil eines wohlgeordneten Ganzen waren und diese Ordnung ihre eigene historische Entwicklung hatte.

Peter Barteit, Kreisheimatpfleger und Vorsitzender des Heimatvereins Vilsbiburg

 

 

500 Jahre Reformation

500 J.Reformation
Ausschnitt aus einem Gemälde von Ferdinand Pauweis, um 1872. Aus: G-Geschichte, Spezial. Luther. Wie die Reformation Deutschland veränderte. 2016.
Am 31. Oktober 1517 hat der Augustinermönch Martin Luther aus Wittenberg 95 Thesen proklamiert und dem Mainzer Erzbischof gesandt. Es war eine Kriegserklärung an den Päpstlichen Ablasshandel: Mit Geld könne man sich nicht von den Sünden freikaufen, nur Gott allein hätte die Kraft der Vergebung.

Die Reformation entwickelte eine Eigendynamik, die nicht mehr zu stoppen war.

Peter Käser

 

 

 

Berichte zu 500 Jahre Reformation:

PDF-Datei öffnen1. Am Vorabend der Reformation - Die Regensburger Bistumsvisitation vom Jahr 1508.          >
PDF-Datei öffnen2. Erst Mönch, dann Reformator - Martin Luther war ein Mann seiner Zeit.         >
PDF-Datei öffnen3. Die Regensburger Bistumsvisitation des Jahres 1526.         >
PDF-Datei öffnen4. Ein Jahrhundert der Glaubensspaltung        >
PDF-Datei öffnen5. Söhne katholischer Priester werden wiederum Priester       >

 

 

Eine Kindheit in Vilsbiburg

Dieses vielschichtige Thema umfasst einen Zeitraum von 70 Jahren bis zum Jahr 1960. Eine Sonderausstellung 2017/18 im Heimatmuseum und der Band 19 aus der Reihe Vilsbiburger Museumsschriften erläutern die unterschiedlichen Begebenheiten über die der Kreisheimatpfleger und Vorsitzende des Heimatvereins Vilsbiburg, Peter Barteit, in unterhaltsamen Episoden berichtet.

Sonderausstellung im Heimatmuseum zur ersten Hälfte des letzten Jahrhunderts
Faltblatt Sonderausstellung Kindheit in ViB
Mit diesem Plakat wirbt der Heimatverein für die neue Sonderausstellung im Museum
Es war eine unruhige Zeit damals in der kleinen Stadt. In allen Vierteln streiften Banden herum; eine der berüchtigten war jene vom Maria-Hilf-Berg. Allerdings stand die aus der Pfründesiedlung den Gegnern von jenseits der Vils an Gefährlichkeit in nichts nach. Um dies zu beweisen kam es immer wieder zu den Zweiminutenkriegen, die Georg Weixlgartner in der neuesten Museumsschrift so anschaulich beschreibt.

Erstaunlich ist, dass sich dieses Bandenunwesen unter den Augen der gestrengen Stadtpolizei derart entwickeln konnte. Denn in Wirklichkeit war dies kein Fall für den kriminalistischen Spürsinn der Ordnungshüter aus dem alten Rathaus. Die Desperados verbrachten nämlich ihre Vormittage in der Knabenschule an der Kirchstraße und hatten sich nach den Streifzügen durch ihre Reviere spätestens zum Betthupferl in der elterlichen Wohnung einzufinden. Und doch waren die Banditen ein wichtiger Teil der Kindheitsgeschichte im alten Vilsbiburg.

NSV Kinderheim ViB
Im St. Johannesheim in Vilsbiburg waren zeitweise die Auswirkungen der Weltpolitik spürbar
Einen besonderen Raum nimmt hier das St. Johannes-Kinderheim an der damaligen Kirchstraße ein. Die vielen unterschiedlichen Gäste in diesem Haus repräsentieren nicht nur fast vergessene Vorgänge der Heimatgeschichte.

Sie haben sogar europäische Dimensionen, wenn man nur an die damals dort untergebrachten Kinder denkt, die aus so unterschiedlichen Ländern wie Südtirol und der Ukraine kamen.

Marquard-Buben
Als der Arzt noch ein Kind war: Otto Marquard (links) mit seinem Bruder Georg im Jahr 1925auf einem Holländer

 

Wesentlich gemütlicher stellt sich dann der letzte Bereich „Kinder in der Gesellschaft“ dar. Dabei geht es um Feste und Feiern, Haus und Familie, Freundschaften und Andenken.

 

 

 

 

 

1. So oder so die Heimat verloren

Ab dem Jahr 1940 waren Südtiroler Kinder im St.-Johannesheim untergebracht.

Bayer. Ostmark 20.6.1940
Mit diesem Inserat in der Vilsbiburger Ausgabe der Zeitung „Bayerische Ostmark“ wurden die Südtrioler Kinder am 20. Juni 1940 begrüßt.
Es war dies auch eine Art, die Kindheit in Vilsbiburg zu verleben. Vor fast genau 77 Jahren wurden hier 50 Kinder, die man ihrer Südtiroler Heimat beraubt hatte, mit einer gedrechselten Pressemeldung empfangen. Man war offensichtlich stolz darauf, die erste Stadt im Reich zu sein, in der die entwurzelten Kinder untergebracht wurden. Ihre neue Bleibe war das St.- Johannesheim an der damaligen Kirchstraße. Das im Jahr 1885 als „Rettungsanstalt für Kinder“ eröffnete Gebäude erzählt in seiner langen Geschichte von den verschiedensten Begebenheiten bis hin zu internationalen Ereignissen. Darin eingebettet ist auch das Schicksal der Südtiroler in der Folge einer zweifelhaften Vereinbarung, auf die sich die beiden Diktatoren Adolf Hitler und Benito Mussolini im Jahr 1939 geeinigt hatten.

Von der Machtübergabe an die Nationalsozialisten im Jahr 1933 hatte sich die deutschsprachige Bevölkerung in Italien anfangs eine Stärkung ihrer Volksgruppe versprochen. Doch es sollte völlig anders kommen. Sechs Jahre später schlossen nämlich Hitler und Mussolini ein Abkommen zur Umsiedlung der deutschsprachigen Menschen in Südtirol, in den Sieben Gemeinden der Provinz Vicenza und der Ladiner. Wer das Angebot zur Ausreise nach Deutschland annehmen wollte, wurde als „Optant“ bezeichnet. Alle anderen stufte man als „Dableiber“ ein und beraubt sie ihrer wichtigsten Bürgerrechte. Unter anderem mussten sie ihre angestammte Sprache und Kultur verleugnen und verloren auf diese Weise auch ihre Heimat.

Nachdem die Südtiroler Kinder reichlich euphorisch in Vilsbiburg begrüßt wurden, drehte sich das Räderwerk des typisch deutschen Bürokratismus. Für jedes der Kinder wurde eine Personalmappe angelegt, in der man eine Menge von Informationen festhielt, beispielsweise Angaben zum Gesundheitszustand, der Größe und dem Gewicht des Kindes. Weiter gab es Bescheinigungen über den Bezug von Lebensmittelmarken und schließlich Angaben über die rassische Zugehörigkeit. Im Pfarrarchiv hat Museumsleiter Lambert Grasmann noch 23 dieser Personalakten ausgegraben. Sie geben Auskunft darüber, dass auch in den folgenden Jahren immer wieder Kinder aus Südtirol nach Vilsbiburg umgesiedelt wurden.

Auch diese weniger erfreulichen Ereignisse gehören zum gesamten Komplex der Kindheit in Vilsbiburg die einen Zeitraum von ca. 70 Jahren bis zum Jahr 1960 umspannt. Die unterschiedlichen Begebenheiten zu dem vielschichtigen Thema machen die Sonderausstellung im Heimatmuseum und das als Band 19 der Reihe Vilsbiburger Museumsschriften erschienenen Begleitbuch so interessant.

Peter Barteit, Kreisheimatpfleger und Vorsitzender des Heimatvereins Vilsbiburg

 

2. Eine unfreiwillige Kindheit in Vilsbiburg

Das St. Johannes-Heim war einst Brennpunkt unterschiedlicher Kinderschicksale

In der neuen Museumsschrift zur Sonderausstellung „Kindheit in Vilsbiburg“ beschreibt unter diesem Titel der aus der Ukraine stammende Albert Sobolew einen kleinen Lebensabschnitt seines bewegten Lebens, den er unfreiwillig in Vilsbiburg verbrachte. 1935 in Smolensk geboren, gelangte er um 1942 mit seiner als Ostarbeiterin zwangsverpflichteten Mutter Paulina nach Görlitz. Der Vater Mischar war 1941 am Fluss Neman (Memel) im Baltikum gefallen. Aus nicht bekannten Gründen verhaftete 1944 die Gestapo Alberts Mutter, ihren weiteren Verbleib konnte der Sohn erst  im Jahr 2009 klären. Sie war in das Konzentrationslager Ravensbrück eingeliefert worden, wo sie ohne nähere Angaben laut Eintrag im KZ-Gedenkbuch verstorben ist.

NSV-Kinderheim
Das in N.S.V. Jugendheim umgetaufte St. Johannes Kinderheim, Aufnahme 1940/1941
Nach einer Odyssee wurde Albert im Dezember 1944 in die Evangelische Diakonissenanstalt in Görlitz aufgenommen. Doch bereits im Februar 1945 musste das Kinderheim vor den heranrückenden russischen Truppen geräumt und in einer fast eine Woche dauernden Zugreise nach Vilsbiburg evakuiert werden. So stand man vor der schwierigen Aufgabe über 70 Kinder aus dem Heim in Görlitz und dem nahen Kleinbiesnitz und zusätzlich 37 Kinder aus dem Evangelischen. Diakonissenhaus Saalberg in Niederschlesien im Vilsbiburger St. Johannesheim unterzubringen. Das Heim unterstand seit 1940 der NSV (Nationalsozialistische Volkswohlfahrt).

Für den Zögling aus der Ukraine begann nun ein völlig neues Leben. Er besuchte mit den deutschen Kindern und weiteren aus Russland, Polen und der Tschechoslowakei die erste Klasse der hiesigen Volksschule, in der er sich schnell mit der deutschen Sprache vertraut machte. Und wie er bemerkte, hatte er bald seine Muttersprache verloren. In dieser Schule bekam er das erste Mal die Note Eins.

Sobolew Albert, Familie 1939
Familie Sobolew. Vater Mischar, ein  russischer Offizier, Mutter Paulina Sobolewa, Sohn Albert, 1939 (Fotos Archiv Heimatverein)
Völlig neu für ihn war, dass man auf einer Schiefertafel schreiben und das Geschriebene wieder problemlos entfernen konnte. Er lernte mit den Mitschülern Kirchengesang, besuchte „eine kleine Kirche“ (Spitalkirche?), wo er manchmal die Orgeltasten berühren durfte. Auch an die Fleißzetterl für besonderen Eifer und gute Leistungen erinnerte er sich. Woran er sich besonders erinnerte, war ein „eigenartiges“ Kleidungsstück, „eine kurze schwere Hose aus dickem Leder genäht, über die Schultern führten Riemen, die die Hose hielten. An manchen Stellen drückte diese schwere Hose“. Es war natürlich die damals obligatorische und strapazierfähige Lederhose.

Dies ist nur ein kleiner Ausschnitt aus Albert Sobolews Erinnerungen an seine eineinhalbjährige Vilsbiburger Zeit, die er Museumsleiter Lambert Grasmann in kyrillischer Schrift 1999 übermittelt hatte. Am 26. Juni 1946 wurde er an eine Organisation der UNRRA (Nothilfe- und Wiederaufbauverwaltung der Vereinten Nationen) in Ingolstadt überstellt, die die Rückführung in die Heimat organisierte. Die archivalischen Belege zur Geschichte des St. Johannes-Kinderheims ab 1864 und damit auch die zeitgeschichtlichen Dokumente der 1940er Jahre lagern im Vilsbiburger Pfarrarchiv. Die Museumsschrift bietet mit weiteren dreizehn von etwa 1900 bis um 1960 reichenden Geschichten einen wichtigen Beitrag zur Vilsbiburger Zeitgeschichte. So ist auch der weithin unbekannte Aufenthalt von über 30 halb- und Vollwaisen Mädchen aus Nord- und Südtirol sowie Italien beschrieben, die von 1941 bis 1945 unter der Aufsicht von Betreuern der NSV (Nationalsozialistischen Volkswohlfahrt) die Zeit im St. Johannesheim verbrachten. Doch dazu später mehr.

Lambert Grasmann

 

3. Rettungsanstalt für verwahrloste Kinder

St. Johannesheim mit reicher Geschichte

 (Sonderausstellung am Dionysimarkt)

NSV Kinderheim ViB
Das St.-Johannesheim wurde vor 1885 von Baumeister Anton Wagner errichtet. Das durchlaufende Gaubenband im Dachgeschoss hat die Firma Gebrüder Häglsperger im Jahr 1932 ergänzt. (Foto aus den 1940er Jahren: Archiv Heimatmuseum Vilsbiburg)
Schon mehrfach war im Zusammenhang mit der aktuellen Sonderschau im Heimatmuseum „Kindheit in Vilsbiburg“ von dem mächtigen Bauwerk etwas abseits der Frontenhausener Straße die Rede. In dem Gebäude laufen Lebenslinien von europäischer Dimension zusammen. Am Beginn des II. Weltkrieges sind dort Kinder aus Südtirol zu Gast, die von den Diktatoren Hitler und Mussolini aus ihren Familien gerissen werden. Nach dem erhofften „Endsieg“ sollen sie irgendwo in den Weiten des russischen Reichs zusammen mit ihren Familien als so genannte Wehrbauern aufwachsen und eine neue, germanische Kultur gründen. Als diese hochtrabenden Pläne auf der ganzen Linie scheitern, sind Flüchtlingskinder aus dem Osten Deutschlands und der Ukraine dankbar, in dem Gebäude eine vorübergehende Bleibe finden zu können. Bei so viel geballter Historie lohnt es sich, einmal einen Blick auf die Anfänge des St.-Johannesheims zu werfen.

Anfang des Jahres 1854 gelangen die Kommunalpolitiker im Bezirks Vilsbiburg, der dem späteren Landkreis entsprach, zu der Überzeugung, es müsse dringend etwas „zur Pflege verwahrloster Kinder“ getan werden. Also gründet man einen Zweigverein einer in München bestehenden Organisation mit entsprechender Zielsetzung. Nach einem Bericht des Heimatforschers und Pfarrers Bartholomäus Spirkner sieht die Vilsbiburger Organisation zunächst ihre Aufgabe darin, Spenden für das geplante Unternehmen zu sammeln. Zehn Jahre später tritt die Organisation erneut ins Licht der Öffentlichkeit. Der äußerst aktive Pfarrer Dr. Joseph Neumayer veröffentlicht im Amtsblatt die Statuten der „Rettungsanstalt für Kinder“. In den folgenden Jahren beginnt die eigentliche Betreuung in einer provisorischen Anstalt, die in einem Rest des ehemaligen landwirtschaftlichen Anwesens beim „Gratzl“ im Bereich des jetzigen Heims untergebracht ist. In den frühen 1880er Jahren kann dank einer großzügigen Spende der aus Thalham stammenden Bauerstochter Eva Weindl mit einem Neubau begonnen werden. Planung und Ausführung wird dem Vilsbiburger Baumeister Anton Wagner übertragen, der die Maßnahme mit 52.000 Mark in Rechnung stellt.

Der Pfarrer „holt sich den Tod“

Ein eifriger Förderer des St.-Johannesheims ist der Nachfolger Dr. Neumayers, der aus dem Bayerischen Wald stammende Dekan Joseph Straubinger. Er schließt nicht nur die von seinem Vorgänger begonnene Regotisierung der Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt ab, sondern treibt auch die Grundstückverhandlungen und den Neubau des Heims voran. Dieser kann im Sommer 1885 abgeschlossen werden. Pfarrer Straubinger ist es allerdings nicht mehr vergönnt, die feierliche Eröffnung mitzuerleben. Es wird berichtet, der Geistliche habe den Fortgang der Bauarbeiten akribisch kontrolliert und sich bei häufigen Visiten in dem zugigen Rohbau „den Tod geholt“. Er stirbt schon im August 1884.

Ein im Jahr 1935 von Stadtpfarrer Dr. Anton Goetz herausgegebenes Informationsblatt spricht davon, dass die Leitung der Anstalt dem jeweiligen Ortsgeistlichen und die Betreuung der Kinder den Armen Franziskanerinnen aus Mallersdorf obliegt. Es folgen Bestimmungen über die Aufnahme der Zöglinge, ihren erforderlichen Gesundheitszustand, das jährliche Kostgeld, die mitzubringenden persönlichen Dinge und vieles andere mehr. Im Jahr 1940 werden die Schwestern quasi über Nacht ohne Einhaltung einer Kündigungsfrist zum Auszug gezwungen. Um die Unterbringung der betreuten Kinder  haben sie sich selbst zu kümmern. Die damals in Vilsbiburg den Ton angebenden Politiker haben dafür beim besten Willen keine Zeit. Sie müssen sich vielmehr darauf vorbereiten „als erste Stadt im Reich“ die aus Südtirol ankommenden Kinder „auf das herzlichste zu begrüßen“.
 

Peter Barteit, Kreisheimatpfleger und Vorsitzender des Heimatvereins Vilsbiburg

 

4. Und immer wieder diese Hochwasser

Erinnerungen des Kapuzinerpaters Palmatius Mühlbauer an die Kindheit in Vilsbiburg.
Blick auf das im Jahr 1903 abgebrochene Bauensemble rund um das Untere Tor: Stehen bliebt ganz rechts die Fronfeste, die als Gefängnis diente.
ViB Hölzerne Brücke
Oswald Kolle, der Pionier aller Sexualaufklärer war noch nicht geboren und so wurden vor mehr als 100 Jahren andere Gewalten der Natur als Erklärung für das Unaussprechliche bemüht. Die Kinder des Kürschners Andreas Mühlbauer kannten das Aufbäumen des Flusses zur Genüge. Sie brauchten nur neugierig vom Fenster auf die hölzerne Brücke zu schauen an deren drei Jochen sich in vielen Wintern die Eisschollen stauten. Wenn dann das Wetter umschlug und heftiger Regen einsetzte, trat die Vils über all ihre Ufer. So erschien es durchaus nachvollziehbar wenn der Vater mitten in der Nacht die Kinder mit der finstere Warnung weckte: „Kinder, das Hochwasser kommt“. Zu ihrer Sicherheit wurden sie dann zur Reiser Nanni auf die andere Seite des Marktplatzes gebracht.
Die ältere Dame wird vom Autor als „gute fromme Seel“ geschildert, die alle Tage bereits im vier Uhr früh zur Wallfahrtskirche Maria Hilf auf dem Berg hinauf ging. Die brave Frau bestätigte die Flunkerei von Vater Mühlbauer und packte die Kinder in ihr Bett. Als sie dann anderntags nach Hause kamen, lag die Mutter krank im Bett und daneben stand ein Wagerl mit einem kleinen Kind. Doch damit hatten die Ausflüchte noch kein Ende. Der Vater brüstete sich gar mit einer Lebensrettung: Das Kindlein sei im Hochwasser auf der Vils daher geschwommen und er habe es heraus gefischt. Auch die Reiserin, die von ganz Vilsbiburg nur die „Mühlbauer Nanni“ genannt wurde, weil sie ehemals 30 Jahre im Haushalt des Kürschnermeisters tätig war, bestätigte die schaurige Mär. Als die Matthias, wie der spätere Pater mit bürgerlichem Namen hieß, und seine Geschwister bei früheren Hochwassern auf der Vils daher schwammen, sei auch der Metzger Bachmaier mit einem langen Hackel auf dem Floß gestanden um die Kinder zu bergen, aber der Kürschner sei ihm zuvor gekommen. Da waren die Kinder aber erleichtert; „denn den alten Bachmaier mit seinem schmierigen Janker und seinem faden Gesicht, den hätten wir nicht als Vater haben mögen.“

Peter Barteit, Kreisheimatpfleger und Vorsitzender des Heimatvereins Vilsbiburg

 

5. Ein Sperl im Hintern

P.Palmatius Mühlbauer
Der Kaupuzinerpater Palmatius (Mathias) Mühlbauer, fotografiert um das Jahr 1911. (Foto: Archiv Heimatmuseum Vilsbiburg)
So beschreibt der Ordensgeistliche, geboren am 13. Januar 1887 zu einer Zeit, als ein ordentlicher Eisstoß im Bereich des Möglichen lag, seine Erinnerungen. Vermutlich brachte er sie in der Zeit des I. Weltkrieges in höchst vergnüglich kindlich-naiver Manier zu Papier. Auch eine Begebenheit, an die er sich mit Sicherheit selbst nicht mehr erinnern konnte, die man ihm jedoch später in lebhafter Weise schilderte. Die Mutter hatte ihn gerade gewickelt und liebevoll ins Kindswagerl gelegt – doch der Bub brüllte im wahrsten Sinne wie am Spieß. Auch das sonst so wirkungsvolle Schlaflied der Mutter verfehlte seine Wirkung total. Da kam der Vater, offensichtlich ein Mann der Tat, untersuchte den Bub etwas genauer und entdeckte die Stecknadel tief drin „wo auch die kleinen Kinder drauf sitzen“. Andreas Mühlbauer nahm kurzerhand eine Zange und zog den Fremdkörper heraus. Der Sohn vertritt in seinen Aufzeichnungen scherzhaft die Auffassung, der Vater habe ihm „dadurch das Leben gerettet“.

In dieser unterhaltsamen Weise gehen die Berichte in der neuesten Museumsschrift aus der Zeit des späten 19. Jahrhunderts im alten Vilsbiburg weiter: von den ersten Schlägen, die damals durchaus zu einem geregelten Tagesablauf gehörten, über die Engelämter in der Spitalkirche und die Badehütte auf der Vils bis hin zur Prüfung durch die geistliche Schulaufsicht. Darin steckt ausreichend Stoff für eine weitere Betrachtung.

Peter Barteit, Kreisheimatpfleger und Vorsitzender des Heimatvereins Vilsbiburg

 

 

6. Kindheit im Advent

Ein „gequixter“ Gesang beim Engelamt
Mathias Mühlbauer erinnert an die Kindheit Advent – Jeden Morgen in die Kirche
Engelämter
In sauberer deutscher Schrift hielt Pater Palmatius Mühlbauer um 1914/18 seine Erinnerungen an die Kindheit in Vilsbiburg fest. Hier ein Ausschnitt aus „Die Engelämter“
Die Zeit vor dem Weihnachtsfest war im ausgehenden 19. Jahrhundert keineswegs der kommerzialisierte Jahrmarkt, wie wir ihn heute mit seinem Glühweinduft und einer Fülle von Leckereien kennen. Es gab auch keine Aneinanderreihung von Christbaumversteigerungen und Weihnachtsfeiern mit kalorienreichem Festessen. Die Adventszeit war vielmehr bis nach der Christmette am Heiligen Abend eine Fastenzeit, die in der Regel nur eine Mahlzeit pro Tag erlaubte. Darüber hinaus durften in den vier Wochen vor dem Fest keine feierlichen Trauungen stattfinden. Die vier Sonntage vor Weihnachten standen über Jahrhunderte hinweg symbolisch für die viertausend Jahre der Buße, die es dauern würde, bis der Erlöser zur Menschheit zurückkehren würde.

Wie es an jedem Morgen in der Adventszeit in der Familie des Kürschners Mühlbauer zuging, kann man in der Museumsschrift zur Sonderausstellung „Kindheit in Vilsbiburg“ nachlesen. Nachdem nach dem Fastengebot das Frühstück schon einmal ausfiel, stapften Mathias Mühlbauer und seine Geschwister, nur mit einer „Münzenkugel zur Anfeuchtung“ ausgerüstet, bereits kurz vor sechs Uhr morgens durch das nächtliche Vilsbiburg zum Engelamt. Vor dem Jahr 1900 zerrissen weder eine elektrische Straßenbeleuchtung, noch ganze Kompanien von Lichterketten die Dunkelheit der frühen Morgens. Diese Rorate-Messen wurden Dienstag, Donnerstag und Samstag in der Pfarrkirche, Montag, Mittwoch und Freitag hingegen in der Spitalkirche gefeiert.

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Ein Blick zur Orgelempore der Spitalkirche von der Mathias Mühlbauer die morgendlichen Gottesdienste miterlebte. (Foto: Archiv Heimatmuseum Vilsbiburg)
Mühlbauer bekennt offen, dass den Kindern die Gottesdienste im kleinen Gotteshaus am Torturm nicht nur wegen des kürzeren Weges am liebsten waren. Dort durften sie nämlich immer zur Orgel hinauf gehen wo der alte Herr Wöhrl am Spieltisch saß. „Er hat fast schöner gedudelt, wie die Drehorgel vom hinkenden Lenz bei der Balkmühle draußen.“ Ist der geneigte Leser schon an dieser Stelle reichlich verunsichert, ob dies als Kompliment aufzufassen ist, wird der Autor bezüglich des Gesangs noch deutlicher. „Vor der Orgel haben sie gesungen, die Tochter vom Herrn Lehrer hat hoch gequixt und die Frau Maurermeister Wagner hat tief geflötet. Es hat nicht schön getan.“ Der Grund, warum die Kinder dennoch so gerne die Orgelempore erklommen haben, lag in der Person des Totengräber-Michels. Der war nämlich für die Bewegung des Blasebalgs verantwortlich. Dies tat er mit zwei Stricken, die sich rhythmisch auf und  bewegten. „Das war das Schönste“, stellt Pater Palmatius in der Rückschau unverblümt fest.

 

 

Messe zu Ehren Mariens

Es darf also bezweifelt werden, ob der spätere Kapuziner als Vilsbiburger Lausbub den wahren Sinn der Engelämter schon realisiert hatte. „Rorate“ ist der Beginn eines Wechselgesangs in der katholischen Liturgie. In dieser Messe wurde auch das Evangelium von der Verkündigung durch den Erzengel Gabriel an Muttergottes gelesen, daher auch die zusätzliche Bezeichnung Engelamt. Vermutlich wurden die Rorate-Messen bereits im 5. Jahrhundert mit dem Dogma „Maria als Gottesgebärerin“ eingeführt. In Bayern sind sie seit dem 15. Jahrhundert nachweisbar. Das Besondere an dieser Art von Gottesdienst war, dass er, wenn es draußen noch dunkel war, bei Kerzenschein gefeiert wurde. Ob Mathias Mühlbauer diese feierliche Adventsstimmung beeindruckt hat oder doch nur die emsigen Bemühungen des Totengräbers, die Orgel mit Luft zu versorgen, bleibt in der in der neuesten Ausgabe der Vilsbiburger Museumsschriften veröffentlichten interessanten Schilderung ziemlich offen.

Peter Barteit, Kreisheimatpfleger und Vorsitzender des Heimatvereins Vilsbiburg

 

 

Die herzogliche Besitzaufschreibung vom Jahr 1300
als frühes Zeugnis urbanen Lebens in unserer Heimat.

Urbar 2, 1300
Daz ist der Zol ze Pibvrch mit allen seinen Rehtten (II. Urbar, - Jahr 1300)
50 Jahre nach der Übernahme Bayerns durch die Wittelsbacher eruiert der bayerische Herzog Otto II. (der Erlauchte) in einer Zusammenstellung, dem I. Herzogsurbar von 1231/34, die ihm zufließenden Einkünfte aus seinem Landshuter Amt und den 23 Unterämtern.
Ein II. Urbar, eine Aufschreibung mit dem herzoglichen Besitz in Niederbayern, wird nach den Jahren der Markt- und Städtegründungen, im Jahr 1300 fertig gestellt.
Das Salbuch von 1300 (II. Urbar) führt im Gericht Vilsbiburg einen über die Stadt Vilsbiburg weit hinausreichenden Rechtsbezirk auf. Neben dem Zoll von Vilsbiburg werden die Beizölle in Solling und Gerzen genannt, die herzogliche Hofmark Velden, die Rechte von Irl und Harpolden, der Zoll in Neumarkt/Rott mit den Beizöllen in Brodfurth und Hörbering, und auch der Zoll zu Ampfing.

Peter Käser

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Das Herzogsurbar von 1231/34
Das Schergamt von Vilsbiburg und Helmsdorf

daz schergampt ze Bibvrch
daz schergampt ze bibvrch
Das erste Urbar, eine Zusammenstellung über die herzoglichen Liegenschaften unter Herzog Otto II. aus dem Jahr 1231/34, nennt im Amt Landshut neben über 20 Unterämter, auch das herzogliche Unteramt, - das Schergamt in Vilsbiburg und Helmsdorf bei Geisenhausen. Es zeigt, wie weit der Ausbau des Landes unter Herzog Ludwig I. gediehen war. Gegen Ende der Regierungszeit Ludwig (I.) des Kelheimers, ermordet 1231, wurden von der herzoglichen Kanzlei die Mühlen, Anwesen und Höfe beschrieben und die Einkünfte aufgezeichnet, mit denen der herzogliche Kasten aus den Besitzungen zu rechnen hatte. In der ältesten bayerischen Aufzeichnung werden die Ämter (Officien), Scherg- und Kastenämter genannt, in welche das Land zum Zwecke der Güterverwaltung eingeteilt war, und lässt damit erkennen, dass die Idee des Territoriums greifbare Gestalt angenommen hatte.

Peter Käser

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Mitten im Krieg: Der „Kohlrübenwinter“ 1916/17 in Deutschland.
Die Behörden raten – jeden Bissen 83 Mal zu kauen

KohlrübeDer Erste Weltkrieg wurde nicht nur an der Front geführt. Auch zu Hause war die Bevölkerung in vielfältiger Weise von den Auswirkungen betroffen. Als Kohl- und Steckrübenwinter ging der Winter 1916/17 im Deutschen Reich, aufgrund des großen Mangels an Nahrungsmitteln in die Geschichte ein. Die Kartoffelernte des Jahres 1916 lag aufgrund schlechter Witterung und Kartoffelfäulnis nur bei etwa 50% des Friedensertrages. An die Bevölkerung wurden Kohl- und Steckrüben als Ersatz ausgegeben, die kaum Nährwert hatten und deren Verteilung zudem schlecht organisiert war. Von den Städten aus unternahmen die Menschen Hamsterfahrten auf das Land, um sich bei den Bauern mit Nahrungsmittel so gut es ging einzudecken. Besonders dramatisch war der Hunger für die Kinder. Unterernährte Kinder wachsen nicht mehr richtig!

Peter Käser

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Die Wallfahrtskirche Maria Hilf und der Bau der beiden Türme 1880 und 1885

Kirche Maria HilfZu den gut erkennbaren Wahrzeichen der Stadt Vilsbiburg, dem Stadtturm und der Stadtpfarrkirche, gesellt sich neuerdings auch die Wallfahrtskirche Maria Hilf mit den beiden roten Türmen, einem Ziegelmauerwerk ähnelnd.
Im Jahr 1686 errichtet der aus Locarno am Lago Maggiore stammende Kaminkehrer Donatus Barnabas Orelli eine Kapelle auf dem Kalvarienberg nahe Vilsbiburg. Die Wallfahrt auf Maria Hilf hat schon viele Höhen und Tiefen durchlebt.

Eine im baulichen Sinne aufstrebende Zeit, war die des 19. Jahrhunderts. 1880 und 1885 wurden aus aufgebrachten Mitteln die beiden Türme von Wallfahrtsdirektor Ignaz Berger errichtet. Ebenso wurden drei Glocken angeschafft. Die Projektierung lag beim Königlichen Bauamtmann in Landshut und beim Vilsbiburger Bezirksbautechniker. Der Maurermeister war Franz Xaver Eder aus Hölzlschneid bei Vilsbiburg. Die Bauleitung aber lag allein bei Wallfahrtsdirektor Ignaz Berger, dem späteren Kapuzinerpater Leo Maria, der in Vilsbiburg 1899 verstorben ist und in der Kapuzinergruft begraben liegt.

Peter Käser

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Der Vilsbiburger Stadtbrand im Jahr 1366

VilsbiburgDer Landshuter Herzog hat sich die niedergebrannte Stadt persönlich angesehen und hat sie für sechs Jahre von der Steuer befreit. Die Vilsbiburger standen vor dem Ruin. Schon einige Jahre vorher wurden sie von „großen Gebresten“, hohen Stadtsteuern, Erdbeben und der Pest drangsaliert. Die wirtschaftlichen Auswirkungen waren bis in das 20. Jahrhundert zu spüren, da erst am 1. April 1929 der Markt Vilsbiburg wieder zur Stadt erhoben wurde.

Es ist anzunehmen, dass die Häuser in der Stadt im baulichen Zustand schwer beschädigt waren. Der herzogliche Richter und auch der Pfleger (Verwaltung), hatten in der abgebrannten Stadt kein bewohnbares Gebäude mehr. Dem Markt Neumarkt a. d. Rott wurde daher die herzogliche Gerichtsbarkeit mit dem „Großen Freiheitsbrief“ vom 16. Oktober 1366 mit 75 Artikeln und Privilegien, durch Herzog Stephan übertragen. Der herzogliche Richter von Neumarkt richtet auf der Schranne in Vilsbiburg.

Ist auch die Vilsbiburger Pfarrkirche abgebrannt? Ein neuer Kirchenbau an heutiger Stelle wurde kurz nach 1400 begonnen.

Peter Käser

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Der Landschaftsmaler, Akademie-Professor Eduard Schleich d. Ä. (1812-1874)

Schleich, EduardZur Genealogie und Familienabstammung

Über das Leben und die  Abstammung des Landschaftsmalers Akademie-Professor Eduard Schleich d. Ältere ist bisher wenig geschrieben worden, und von niemandem wurde seiner Herkunft und seinem persönlichen Lebenslauf im Einzelnen nachgegangen, wenn auch mancherlei Behauptungen aufgestellt wurden, die archivalisch aber keineswegs belegt sind.

Daher ist es auch begreiflich, dass viele Unrichtigkeiten über sein Leben und Werk entstehen konnten. Dies schreibt der Kunsthistoriker Prof. Dr. Siegfried Wichmann im Eingangstext seiner Doktorarbeit 1951.

Die nachstehend genealogischen Untersuchungen zu Eduard Schleich sind in Anlehnung an die Vilsbiburger Museumsschrift Nr. 14: „… mich adelt die Kunst“. Leben und Werk des Landschaftsmalers Eduard Schleich d. Ä. 1812-1874, Juni 2012, entstanden.

Peter Käser

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Das Vilsbiburger Pfarrhaus – der Ökonomie-Pfarrhof

Pfarrhof VilsbiburgIm Kataster von 1845/46 wird der Pfarrhof beschrieben: Wohnhaus unter einem Dach. Wasch- und Hühnerhaus, Holzlege, Getreidestadel mit Kuhstall, Schaf- und Pferdestall, Hofraum. Der Zehentstadel ist nördlich der Kirche. - Was hat sich doch alles bis heute geändert!
Der schöne Barockbau wurde 1718/20 vom Abt des Klosters Sankt Veit bei Neumarkt an der Rott und vom Vilsbiburger Pfarrvikar erbaut. Über vierhundert Jahre war die Pfarrei Vilsbiburg eine Klosterpfarrei der St. Veiter Benediktiner, bis bei der Säkularisation 1803 das Kloster aufgelöst wurde und weltliche Priester in das Pfarrhaus einzogen.
Über dem Eingangsportal zum Pfarrhaus befindet sich eine Rotmarmor-Inschriftentafel. Der Neumarkter Abt Marian Wieser hat die Tafel nach Fertigstellung des Neubaues 1718 mit seinem Abt-Wappen anbringen lassen. Darüber lässt der Abt drei Kalksteinfiguren in Nischen anbringen, welche auf die Verehrung der Mutter Gottes und einen Bezug zum Kloster St. Veit herstellen.
Lange Zeit war der Pfarrvikar, später dann der Herr Pfarrer ein Ökonom mit einem Bauernhof von 130 Tagwerk Grund und Boden. Die Ökonomiegebäude wurden 1970 abgebrochen, 1980 wurde ein Pfarrheim erbaut. Das Pfarrhaus erfreute sich einem steten Wechsel von den St. Veiter Pfarrvikaren bis zum heutigen Stadtpfarrer.

Peter Käser

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Ein Werk der Barmherzigkeit

Das Grabmal des Westendorfer Benefiziaten Leonhard Wagenhaymer bei der St. Jodokkirche von Landshut

Kirche St. Jodok LandshutAn der äußeren Kirchenmauer von St. Jodok, links neben dem Südportal, ist eine Grabplatte die dem 1481 verstorbenen „Westendorfer Benefiziaten“ Leonhard Wagenhaymer gewidmet ist, der auf dem St. Michael Altar in der Vilsbiburger Spitalkirche Messleser war.
Nur die Verbindung als Kaplan und Benefiziat der Vilsbiburger Westendorfermessen und seinem Auftraggeber Pfarrer Caspar Westendorfer lassen den Schluss zu, dass Wagenhaymer deswegen auch bei der Sankt Jodokkirche seine letzte Ruhestätte als „würdige Gottesgab“ finden konnte.

Neben dem Priester Leonhard Wagenhaymer wird auch der Magister, Licentiat und Rat am Landshuter Hofgericht des Herzogs, Caspar Westendorfer, Pfarrer von St. Jodok in Landshut (ca. 1459 bis 1480) einer nähren Untersuchung zugeführt.
Westendorfer stiftete nach St. Jodok 1470 eine „Kaiser Heinrich- und Kunigundenmesse“, 1474 eine „Aller Heiligen-Messe“. Dann stiftete er 1476 das Heilig Geist-Spital neben dem Stadtturm in Vilsbiburg (heute Heimatmuseum). 1480 hört man zum letzten Mal etwas von Caspar Westendorfer. Sein Grabmal in der St. Jodokkirche ist umstritten, und dennoch hatte sich Westendorfer immer mit seinem Wappen, einem schwarzen Ring im weißen Feld zu Erkennen gegeben.

Peter Käser

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„Es häuften sich die Toten und Verwundeten“
Erschütternde Berichte von Schlachten in Frankreich – Dokumentiert im Heimatmuseum

Wirthenson in Uniform
So ist Joseph Wirthenson (1894 – 1970) in der Sonderausstellung zu sehen. Die Paradeuniform, mit der er sich vor dem Krieg ablichten ließ, war im Schlachtengetümmel an der Somme eher unbrauchbar. (Foto: Archiv Heimatmuseum Vilsbiburg)
Matthäus Baumgartner, einer der drei gefallenen Hoferben aus Hub bei Binabiburg war dabei, ebenso wie Johann Brandmeier, Georg Auer, Franz Löffl und Alois Deutinger. Sie und viele andere hauchten ihr junges Leben vor genau 100 Jahren in der Schlacht an der Somme aus. Michael Pichlmeier, Josef Berghammer, Jakob Wiesmeier und andere kamen hingegen zur gleichen Zeit nicht mehr lebend aus der „Blutmühle“ von Verdun heraus. An sie alle erinnern Gedenktafeln in der Pfarrkirche Vilsbiburg. Auf dem „Felde der Ehre“ blieb auch der Vizefeldwebel und Königliche Gerichtsassistent Karl Pichlmeier um den nicht nur die Angehörigen, sondern auch der Männerturnverein, der Kanzleiverein und die Ortskrankenkasse Vilsbiburg trauerten.

Das so genannte Feld der Ehre, das so viele hoffnungsvolle junge Männer nicht mehr lebend verlassen sollten, bestand meist aus Schlamm, Wasser sowie Sand und die Luft darüber war extrem metallhaltig. Josef Wirthenson erinnert sich: „Die Verwundeten und Toten lagen massenhaft umher. Der Regen wurde ärger. Bis auf die Haut waren wir nass. Die ganze Kleidung triefte von Wasser und Lehm klebte am Körper“. Der glückliche Umstand, dass der Leutnant der Reserve Wirthenson das Gemetzel an der Westfront des I. Weltkrieges überstand, erlaubte es ihm, seine Eindrücke von den schrecklichen Julitagen des Jahres 1916 der Nachwelt weiterzugeben: „Wir lagen mit dem ganzen Körper im Schlamm und wurden mehrmals verschüttet. Die Verluste waren enorm. Die Leute wurden baumhoch geschleudert und einige davon später … im Walde blau am ganzen Körper ohne Verwundung tot aufgefunden … Es waren herzzerreißende Anblicke.“ Ob Josef Wirthenson als Lehrer in der einklassigen Volksschule in Leberskirchen in den Jahren 1928 bis 1934 von diesen grauenhaften Erlebnissen erzählte, ist heute nicht mehr bekannt. Wohl aber, dass er Ende Juni 1926 der Schriftleitung des Reichsarchivs in Potsdam einen umfangreichen Beitrag vor allem über die Kämpfe im Mametzer Wald in Nordwestfrankreich übersandte.

Tote
Menschlicher Abfall: Soldaten laden im Jahr 1916 bei Verdun getötete Kameraden auf einen Anhänger (Foto aus DAMALS, das Magazin für Geschichte, 46. Jgg. 3/2014, S. 18)
So hatte man sich den Verlauf des Krieges im Sommer 1914 jedenfalls nicht vorgestellt. Lena Christ schildert in ihrem Erzählband „Unsere Bayern anno 14“ die frohgemute Stimmung in den Zügen, mit denen die Rekruten aus dem Oberland in Richtung München rollten. Da ertönten lustige Lieder und man freute sich darauf, den „Franzosenrammeln“ einmal kräftig aufs Maul zu hauen. An Weihnachten wollte man selbstverständlich wieder zu Hause sein. Sie dachten wohl an eine gehobene Wirtshausrauferei Mann gegen Mann, aber dann gerieten sie in den ersten industriell geführten Krieg mit tagelangem Trommelfeuer bei dem sie den Gegner meist nicht einmal zu Gesicht bekamen. Da rollte auf Schienen ein von der Firma Krupp hergestelltes Geschütz heran und schickte mit einem Kaliber von 42 Zentimetern todbringende Granaten über das Land. Doch die Gegner auf Seiten der Entente wurden von ihrer aufstrebenden Industrie mehr als gleichwertig ausgestattet und verwandelten mit tagelangem Trommelfeuer das Gefechtsfeld in einer Kraterlandschaft.

 

Dolchstoßlegende und Hungerwinter

Sieht man einmal von der Brussilow-Offensive an der russischen Front des Jahres 1916 ab, waren die Kriegsereignisse an der Somme und bei Verdun die verlustreichsten Schlachten des I. Weltkrieges. Wolfram Pyta, der eine ausführliche Biografie über Paul von Hindenburg verfasst hat, deutet an, die deutschen Generäle an der Westfront hätten dem späteren Reichspräsidenten die Siege im Osten (Stichwort: Tannenberg) nicht gegönnt und waren bestrebt, ähnliche Erfolge im Westen zu feiern

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Der walisische Künstler Christopher Williams (1873 – 1934) überlieferte das Gemetzel im Mametzer Wald, in das auch Joseph Wirthenson im Jahr 1916 verstrickt war, in einem Gemälde der Nachwelt. (Abbildung: Wikimedia)
Wenn Erich von Falkenhayn, der Oberbefehlshaber in Frankreich, behauptete, er habe die Gegner in einem Abnutzungskrieg „ausbluten“ wollen, wurde der verhängnisvolle Verlauf der Kampfhandlungen wohl nachträglich zum Ziel erklärt. Fest steht, dass bei Verdun rund 800.000 Tote, Verwundete und Gefangene auf beiden Seiten zu beklagen waren, an der Somme gar mehr als eine Million. Fest steht: Als im Herbst des Jahres 1916 nach monatelangen Materialschlachten auf beiden Kriegsschauplätzen die Kampfhandlungen eingestellt wurden, hatte keine Seite entscheidende Geländegewinne erreicht oder den Gegner gar besiegen können. Die deutsche Reichswehr war allerdings spürbar geschwächt und konnte sich in der Folge nur noch auf defensive Aufgaben beschränken. Dies wiederum lieferte reichlich Futter für die so genannte Dolchstoßlegende, eine von der deutschen Obersten Heeresleitung in die Welt gesetzte Verschwörungstheorie. Man schob die Schuld an dem unbefriedigenden Kriegsverlauf von den verantwortlichen Militärs auf „vaterlandslose Zivilisten“ ab, von denen das unbesiegbare Heer einen „Dolchstoß von hinten“ erhalten habe.

Die Bevölkerung im Reich und auch im Vilsbiburger Land hatte jedoch ganz andere Sorgen. Ausgelöst durch die Kriegsereignisse, aber auch wegen einer Missernte im Jahr 1916 erlebte man in der Heimat nämlich einen Hungerwinter, der auch als „Steckrübenwinter“ in die Geschichte einging, weil die Kohlrübe als letzte Nahrungsreserve genutzt wurde. Im Frühjahr 1917 sank die Versorgung der Bevölkerung auf einen traurigen Tiefpunkt.

Peter Barteit, Kreisheimatpfleger und Vorsitzender des Heimatvereins Vilsbiburg.

 

 

Tag des offenen Denkmals auf Maria Hilf in Vilsbiburg

Informationen über die Sanierung der Türme von Maria Hilf beim Tag des offenen Denkmals
am Sonntag den 11. September 2016.

Kirche Maria Hilf, Bau- und KunstgeschichteDas Schlagwort „Gemeinsam Denkmale erhalten“ bringt es auf den Punkt, dass die beiden Türme der Bergkirche dank gemeinsamer Anstrengungen, seit dem Frühjahr 2016 restauriert werden können. Entsprechend stellte der Heimatverein Vilsbiburg die Turm-Sanierung in den Mittelpunkt des Denkmaltages. Wallfahrtsdirektor Pater Peter Berger begrüßte die Interessierten in der gut besetzten Bergkirche.

Der Heimatforscher Peter Käser gab einen Einblick in die Baugeschichte des Gotteshauses.
Die Architektin der Restaurierung Claudia Geilersdorfer aus Vilsbiburg, gab in einem reich bebilderten Power Point Vortrag einen Überblick über den Verlauf der Sanierungsarbeiten.

PDF-Datei öffnenDen Vortrag der Architektin können Sie in der PDF-Datei (2,64 MB) nachlesen.

 

 

330 Jahre Maria Hilf in Vilsbiburg.

Die Ursprünge einer Wallfahrt

330 Jahre Maria-Hilf-KircheVon Locarno am Lago Maggiore ist vor 1678 der Kaminfeger Donatus Barnabas Orelli über Mähren nach Bayern ausgewandert - es war die Angst vor den Osmanen, welche dann 1683 vor Wien besiegt waren. Und er wollte, in Erinnerung an die Heimat und der Madonna del Sasso auf dem Sacro Monte, der hilfreichen Mutter Maria in Vilsbiburg ein Denkmal setzen - was ihm auch gelungen ist.

Am 27. Mai 1686 ist die Grundsteinlegung zu einer Feldkapelle auf dem von Birken umgebenen Berg beim „Bauern am Haus“.

Die Stifterfamilie Orelli sieht sich zeitlebens in der Verantwortung. Sie erneuern, bauen um und renovieren. Mit der Verbundenheit zu Maria der immerwährenden Hilfe, haben sich die Orellis in ihrer neuen Heimat Vilsbiburg ein Denkmal gesetzt.

Peter Käser

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Der Unterseebootkrieg

Vor 100 Jahren wurde der Riesendampfer „Lusitania“ versenkt. Deutsche Boote fordern Amerika zum Krieg.

Lusitania 1915Mitten im Krieg! Beschreibungen und Illustrationen der Kriegsabläufe anno 1914 bis 1918 stehen im Vordergrund der Erinnerung. Der Heimatverein Vilsbiburg bietet in seinen Räumen eine Ausstellung zum I. Weltkrieg. Eine 400-seitige Publikation, die Vilsbiburger Museumsschrift Nr. 18 befasst sich mit dem I. Weltkrieg und seinen regionalen Auswirkungen.

Die Lusitania war einer der größten Dampfer der Welt. Im I. Weltkrieg wurde die Lusitania am 7. Mai 1915 von einem U-Boot der Deutschen Kaiserlichen Marine vor der Südküste Irlands versenkt, wobei rund 1.200 Menschen ums Leben kamen. Die Proteste der USA über den Tod von 128 US-Amerikanern führten zur Einstellung des uneingeschränkten U-Boot-Kriegs durch das Deutsche Reich - bis zum Februar 1917. Die USA zögert lange, sich aktiv am Weltkrieg zu beteiligen. Erst nach der Wiederaufnahme des uneingeschränkten U-Boot-Krieges, der Versenkung der Laconia sowie dem Bekannt werden der Zimmermann-Depesche erklären die USA am 6. April 1917 Deutschland den Krieg – fast zwei Jahre nach der Versenkung der Lusitania.

Peter Käser

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Eine Kriegsnagelung im I. Weltkrieg in Seyboldsdorf

Weltkrieg1, Kriegsnagelung„ … um hilfsbereit zu sein, schlug man diese Nägel ein“.

Für die neue Ausstellung des Heimatvereins Vilsbiburg, „Mitten im Krieg: Der I. Weltkrieg 1914/18 und seine regionalen Auswirkungen“ konnte eine Kriegsnagelungs-Tafel von Seyboldsdorf ausgeliehen werden.

Die Not im I. Weltkrieg wurde immer schlimmer. Um Herz und Geldbeutel zu öffnen und das Elend zu lindern, erfand man die Kriegsnagelung. „Diese Wahrzeichen sollen den späteren Geschlechtern nicht bloß von der schweren Kriegszeit, sondern auch von der wohltätigen Gesinnung des Volkes erzählen“. Eine in unserer Heimat sehr selten noch vorhandene Darstellung einer Kriegsnagelung, der „Errichtung von Kriegswahrzeichen zur Erinnerung an die große Zeit des Völkerringens“, wurde in Seyboldsdorf 1916 spontan ins Leben gerufen.

Dieses Zeichen der dörflichen Solidarität über den Tod hinaus, ist in der neuen Ausstellung im Vilsbiburger Museum zu besichtigen.

Peter Käser

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100 Jahre  »Patrona Bavariae«  - Schutzfrau Bayerns

Mitten im I. Weltkrieg erbittet der bayerische König Ludwig III.
von Papst Benedikt XV. das Marienfest »Patrona Bavariae«

Kirche Maria-Hilf, ViBHoch über der Vilsbiburger Stadt erhebt sich die Wallfahrtskirche Maria Hilf. Auf der Stirn-Sichtseite grüßt das farbige Mosaik Mutter Maria, der Schutzfrau Bayerns auf die Besucher herab.

Mitten in den Wirren des I. Weltkrieges bat der Bayerische König Ludwig III. den Heiligen Stuhl, Maria zur Schutzpatronin Bayerns zu erklären und ein bayerisches Marienfest zuzulassen. Für das Jahr 1916 wurde dieses auch schon aus Rom bestätigt, aber dann 1917 auf den Sonntag nach Christi Himmelfahrt gelegt, bis 1970 der Tag der „Schutzfrau Bayerns“ auf das heute gebräuchliche Datum des 1. Mai geändert wurde.

So wird am Sonntag, den 20. Mai 1917 „… das Fest der Mutter Gottes als Patrona Bavariae (Schutzfrau Bayerns) zum ersten Mal festlich begangen“.
Der Katholische Frauenverein, Zweigverein Vilsbiburg feiert das Fest »Patrona Bavariae« 1917, am Tag der Schutzherrin der Frauen, in einer Kriegswallfahrt mit den auswärtigen Zweigvereinen Landshut, Eching und Vilsheim-Gundihausen, in der Vilsbiburger Pfarrkirche und der Wallfahrtskirche Maria Hilf.

Peter Käser

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Der Dreh an der Uhr als Kriegsstrategie im I. Weltkrieg
Vor 100 Jahren wurde in Deutschland erstmals auf die Sommerzeit umgestellt

Weltkrieg1 Sommerzeit 1.5.1916
Vor 100 Jahren drehte das Deutsche Reich und Österreich-Ungarn die Uhren mitten im I. Weltkrieg eine Stunde vor.

Angefangen hat alles mit der Verordnung im „Deutschen Reichsgesetzblatt“, worin die Zeitumstellung in der Nacht vom 30. April auf den 1. Mai 1916 festgelegt wurde. Bedingt durch die Einsparung von „kriegswichtigen“ Materialien wie Kohlen und Petroleum, beschloss die Deutsche Reichsregierung die Uhren eine Stunde vorzustellen.

Sogar mit Postkarten wurden die deutschen Bürger vor 100 Jahren, mitten im I. Weltkrieg (1914/18) darauf hingewiesen, dass am 30. April 1916 die Uhr von 11.00 Uhr auf 12.00 Uhr, (nach heutiger Zeitangabe von 23 Uhr auf Mitternacht) also eine Stunde vor, „auf die neue Sommerzeit“ gestellt werden muss.

Nach dem Krieg schaffte Deutschland 1919 die „ungeliebte Kriegsmaßnahme“ wieder ab.
Nach dem II. Weltkrieg führte die Umstellung zu einem Zeitchaos, wonach dann eine längere Phase einsetzte, wo die Politiker die Finger von einer Zeitumstellung ließen.

Erst 1980 führten beide deutschen Staaten wieder die Sommerzeit ein, als Reaktion auf die Wirtschaftskrise; 1996 wurde die Regelung in der Europäischen Union vereinheitlicht.

Peter Käser

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Siegeszug der Maria Hilf-Verehrung

Nur mit Lourdes und Fatima vergleichbar - Gründe für die Dynamik in der katholischen Welt
Pater Olaf Becht
Einer der populärsten Kapuziner in Vilsbiburg war Pater Olaf Becht, hier in seinem letzten Lebensjahr. (Foto: Archiv Heimatmuseum Vilsbiburg)
Der Passauer Domdekan und Bischofsadministrator Marquard von Schwendi, kann die Einweihung der von ihm mit viel Engagement geförderten Maria Hilf-Kirche auf dem Schulerberg oberhalb der Dreiflüssestadt im Jahr 1627 noch mitfeiern. Bevor er sieben Jahre später stirbt, erlebt er auch noch, wie der Strom der Wallfahrer in geradezu unglaublicher Weise anschwillt. Gleichzeit wächst die Verehrung des auf Lucas Cranach d. Ä. zurückgehenden Gnadenbildes über Passau hinaus in atemberaubender Weise in eine europaweite Dimension hinein.
Die fromme Herzensangelegenheit eines Domherrn aus der Provinz entwickelt sich innerhalb von zwei bis drei Generationen zu einem Anliegen des gesamten katholischen Abendlandes. Eine vergleichbare Dynamik im Bereich des Wallfahrtswesens ist in späteren Jahrhunderten nur im Zusammenhang mit Lourdes und Fatima zu beobachten.

Die Hintergründe der Durchschlagskraft der Maria Hilf-Verehrung verlangen nach einer Erklärung. Sie fällt in eine Phase, in der sich die Marienverehrung ganz allgemein in eine bislang ungekannte Intensität steigert. Begünstigt wird dies durch den Zeitgeist der Gegenreformation. Die Seelsorger dieser Epoche betonen mehr und mehr die von Martin Luthers Reformation überwunden geglaubte altkirchliche Frömmigkeit. Unabhängig davon hat sich bereits im 15. und 16. Jahrhundert die Verehrung von Gnadenbildern gegen den vorher herrschenden Reliqienkult durchgesetzt. Erst damit ist die Voraussetzung für marianische Gnadenstätten geschaffen.

Die Kapuziner als Sachwalter
Wien Entsatz 1683
Mit dem Schlachtruf „Maria hilf“ vertreiben am 12. September 1683 am Kahlenberg bei Wien Truppen aus Polen, Sachsen, Bayern und Österreich die osmanischen Belagerer. (Bild: Wikimedia)
Zu den entschiedensten Verfechtern des neuen Frömmigkeitsstils gehören die damals neuen Orden, allen voran die Jesuiten und die Kapuziner. Insbesondere die letztere Kongregation, die auch lange Zeit in Vilsbiburg wirkt, ist für die anschwellende Maria Hilf-Verehrung von größter Bedeutung. Freiherr von Schwendi holt diesen Orden im Jahr 1614 gegen mancherlei Widerstände nach Passau und überträgt ihm die seelsorgerliche Betreuung der noch jungen Wallfahrt. Von dort aus übernehmen auch die umliegenden Kapuzinerklöster in Bayern und Österreich das Gnadenbild und reichen es weiter zu allen kapuzinischen Niederlassungen. Nicht zuletzt durch die Förderung von Kurfürst Maximilian I. von Bayern und der Kaisergattin Anna von Österreich gelingt es den Kapuzinern im Lauf des 17. Jahrhunderts, eine große Zahl neuer Klöster zu gründen. Synchron mit dem Aufblühen des Ordens verbreitet sich der Maria Hilf-Kult in den süddeutschen und österreichischen Landen.
Weitere Faktoren kommen hinzu, um die rasche Aufnahme des neuen Marienbildes in den katholischen Bevölkerungskreisen zu begünstigen. Das 17. Jahrhundert muss als eine besonders barbarische Zeit bezeichnet werden. Mehr als 20 bewaffnete Auseinandersetzungen plagen insbesondere die unbeteiligte Zivilbevölkerung diesen Jahren in Europa. Trauriger Höhepunkt ist der Dreißigjährige Krieg, der in den Jahren von 1618-1648 ganz Landstriche verwüstet und entvölkert. Kaum bringt der Westfälische Friede eine kurze Atempause, droht in den frühen 1670er Jahren durch den Vormarsch der Osmanen aus Südosten neue Gefahr. In die legendären Schlacht am Kahlenberg vor Wien ziehen sich die kaiserlichen Truppen im Jahr 1683 mit dem Stoßgebet „Maria hilf“.

Immer dann, wenn die Menschen aus den vertrauten Bahnen ihres Alltages hinausgeworfen werden, sind sie geneigt, ihre Hilfsbedürftigkeit höheren Mächten anzuvertrauen. Das Auftauchen des Passauer Gnadenbildes fällt in eine Zeit, in der ein großer Teil der Bevölkerung ganz real um ihren Besitz, Leib und Leben fürchten muss. „Schlechte Zeiten für die Menschen sind gute Zeiten für die Wallfahrtsorte“, lautet ein geflügeltes Wort und so bilden sich innerhalb kurzer Zeit mehr als 500 Pilgerstätten, an denen das auf Lucas Cranach zurückgehende Gnadenbild größte Verehrung erfährt.

(Info:  Spenden für die Sanierung der Bergkirche können eingezahlt werden bei der VR-Bank Vilsbiburg, Kontonummer 100216992, sowie bei der Sparkasse Vilsbiburg, Kontonummer 20661746 unter dem Stichwort „Bürger helfen Maria Hilf“).

Peter Barteit, Kreisheimatpfleger und Vorsitzender des Heimatvereins Vilsbiburg.

 

 

 

Reichsfreiherr von Mändl

Die Grabmäler der Vilsbiburger Mautner und Pfleger Johann Thaddäus Nicolaus Reichsfreiherr von Mändl,
und seiner Gattin
Maria Theresia Maximiliana Cajetana Josepha Freyfrau von Mändl, geborene von Lodron
in der Pfarrkirche Vilsbiburg.

Rotmarmor-Grabplatte der Baronin von MändlEr, Johann Taddäus von Mändl war Reichsfreiherr, seine Gattin Maria Theresia eine geborene Reichsgräfin von Lodron auf Furth bei Landshut. Beide waren Mautner und Pfleger im Dienste der kurfürstlichen Herrschaft im Markt Vilsbiburg.
Mit 63 Jahren stirbt 1735 Johann Taddäus beim Vorritt der kurfürstlichen Gesellschaft, welche auf der Reise von Schloss Isarhofen nach Altötting war, bei Aich kurz nach Vilsbiburg – er fällt tot vom Pferd. Sein Grabmal in der Pfarrkirche Vilsbiburg ist nicht mehr vorhanden, aber ein Foto dessen.

Die Gattin Maria Theresia übernimmt den Posten im kurfürstlichen Pflegamt Vilsbiburg bis zu ihrem Tode 1740. Ihr bezeichnendes Rotmarmor-Grabmal ist noch in der Pfarrkirche Vilsbiburg erhalten. Beide verband eine innige Liebe zur Wallfahrt Maria Hilf bei Vilsbiburg. Dieses vermochten beide auf ihren Grabmälern herausheben. Kurz vor ihrem Tod stiftet Maria Theresia 1000 Gulden für die Lodronmesse in der Pfarrkirche Vilsbiburg.

Peter Käser

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Anleihen, Gold und Geld im I. Weltkrieg

Wie vor einhundert Jahren aus angepriesenen sicheren Geldanlagen herbe Enttäuschungen wurden.

Die deutsche Kriegsanleihe muss Zeugnis ablegen von der Siegeszuversicht und der ungebrochenen Widerstandskraft des deutschen Volkes. Deshalb: Auf zum Sieg.

5%tige Deutsche Kriegsanleihe,
unkündbar bis 1924.
4½%tige Deutsche Reichsschatzanweisung.

Die Beteiligung an den Kriegsanleihen ist eine Ehrenpflicht, da das Geld dazu dient, die Fortführung des Krieges bis zum siegreichen Ende zu ermöglichen, schreibt der Vilsbiburger Anzeiger 1914.
Der Krieg kostete Unmengen von Geld. Jegliches Gold wurde eingezogen aber gut bezahlt. Mit diesem Geld wurde nun versucht, den Leuten „an der Heimatfront“ in einer hochverzinslichen Anleihe, patriotischer Verbundenheit mit Reich und den kämpfenden Soldaten, ihr Geld hochverzinslich und langfristig anzulegen.

„Zeichnet Kriegsanleihe“ schreibt der Anzeiger. „Die Waffen aus Stahl und die silbernen Kugeln haben das Ihre getan dem Wahn der Feinde, dass Deutschland vernichtet werden könne, ein Ende zu bereiten. Die letzte Hoffnung der Feinde ist, dass die glauben, die Finanzen der Deutschen halten nicht mehr lange“.
Bis zum 1. Oktober 1924 kann bei der Reichsanleihe der Staat den Zinsfuß von 5% nicht verändern. Die Inhaber können über die Schuldverschreibung jederzeit verfügen. Die Anleger erhalten einen Zeichnungsschein.

Vor einhundert Jahren wurde das Ersparte mit jeglicher Raffinesse eingefordert. Hochverzinsliche Anleihen wurden zur Kriegsführung von der Reichsbank ausgegeben. Und nicht nur eine Anleihe, sondern gleich neun, durch vier Jahre Krieg hindurch von 1914 bis 1918.

Peter Käser

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Mit den Musikanten über Land fahren

Nürnberger Türmer - 1433
Ein Nürnberger Türmer im Jahr 1433, Abbildung aus dem Hausbuch der Zwölfbrüderstiftung.
Beruf der Spielleute im Wandel – In der Neuzeit wie Handwerker organisiert

In der Stadt mit dem mächtigen Torturm und der kleinen Wohnung darin hoch über den Dächern kann man sich den Beruf des Türmers gut vorstellen. Von seiner hohen Warte blickt  er seit dem Mittelalter in alle vier Himmelsrichtungen und warnt die Bürger vor herannahenden Truppen oder Banden, besonders vor dem so genannten Roten Hahn. Das ist die Bezeichnung für die zahlreichen Brände, die durch die Verwendung von offenem Feuer, Kerzen und Fackeln, aber auch wegen der Holzbauweise der Häuser meist verheerende Ausmaße annehmen. Zusätzlich hat der Türmer die Aufgabe, den Zapfenstreich für die zahlreichen Wein- und Bierschenken zu blasen. In der Regel benutzt er dafür ein Wächterhorn.

So wichtig der Türmer auch für die Sicherheit der Bürger ist, gilt er doch in der Zeit vor dem Jahr 1500 als „ehrlos“ und wird damit den unehrlichen Berufen zugerechnet. Er steht damit in der ständischen Gesellschaft auf einer Stufe mit dem Abdecker, dem Scharfrichter, mit Händlern, Scherenschleifern, Kesselflickern und anderem fahrenden Volk. Dies rührt wohl daher, weil die Türmer sich wohl schon damals auch als Musikanten verstehen und mit ihrer Kunst auf Reisen gehen. Für die Kinder von Türmern hat dies die unangenehme Folge, dass sie von der Aufnahme in Zünfte ausgeschlossen sind und auch nicht in bürgerliche Familien einheiraten können. Somit bleiben ihnen jeder Handwerksberuf oder gar die Eröffnung einer eigenen Werkstatt verwehrt.

Musiker als Handwerker

Die Situation für die Spielleute bessert sich in der Neuzeit erst allmählich. Etwa im 18. Jahrhundert vollzieht sich der Wandel vom fahrenden zum ehrbaren Musiker. Nun sind auch die Türmer wie die Berufe der übrigen Handwerker am Ort organisiert. Es gibt von Türmermeister, Gesellen und Lehrlinge. Lambert Grasmann beschreibt in der Museumsschrift „Handwerk im Museum – vom Bader bis zum Wagner“ die weiteren Einnahmequellen der Vilsbiburger Türmer. So dürfen sie in der Pfarrkirche die Gottesdienste sowie Jahrtage von Bruderschaften und Handwerksvereinigungen musikalisch umrahmen. Bei Hochzeiten und Tanzveranstaltungen verstärken die Türmer ihre Formation vielfach durch ortsansässige oder auswärtige Spielleute. Zu gewissen Zeiten fahren die Türmer von Vilsbiburg auch über Land. So genannte Musik-Patente, das sind vom Landgericht genehmigte Konzessionen, erzählen im Archiv des Heimatmuseums von Auftritten im gesamten Land Bayern. Beispielsweise  erhält der Vilsbiburger Türmergeselle Jakob Liechtenegger im Jahr 1779 die Genehmigung, mit Geige, Waldhorn und Trompete aufzuspielen. Dem Meister André Mayrthaller erlaubt man um 1800 sogar, mit allen Instrumenten auswärts musizieren.

Die Kapelle Mayrthaller-Leiß
Kapelle_Mayerthaler-Leiss
Die seinerzeit sehr bekannte Vilsbiburg Kapelle Mayrthaller-Leiß auf einem Foto aus der Zeit um 1890. Von links: Sebastian und Anton Mayrthaller, Joseph und Johann Baptist Leiß sowie Joseph Mayrthaller. (Foto: Archiv Heimatmuseum Vilsbiburg)
Rund ein Jahrhundert später ist der Name Mayrthaller noch immer ein fester Begriff im Vilsbiburger Kulturleben. Die Gebrüder Sebastian, Anton und Joseph Mayrthaller bilden zusammen mit Johann Baptist und Joseph Leiß eine bekannte Kapelle, die mindesten zehn Jahre lang auf Konzertreisen unterwegs ist. Der Vilsbiburger Anzeiger des Jahrgangs 1896 gibt über ein „Frei-Concert“ Auskunft, das die Gruppe für den Nachmittag des Lichtmesstages in der Weißbierbrauerei des Peter Kreill ankündigt. Wahrscheinlich erhofft man sich gerade da viele Zuhörer, markierte dieser Tag doch das Ende des Bauernjahres. Die Dienstboten bekommen die den Jahreslohn ausgezahlt und es beginnen die so genannten Schlenggeltage. Nach seinem Umzug nach Landshut sorgt Sebastian Mayrthaller im dortigen Musikleben für Furore. Er fungiert nicht nur als Chordirektor der Pfarrei St. Nikola und als Dirigent des Sängervereins. Er hat ab dem Jahr 1902 auch die Stelle eines Stadtkapellmeisters inne und bekleidet im Theaterorchester die Position eines Ersten Geigers und Konzertmeisters. Auch bei der Landshuter Hochzeit ist Mayrthaller führend musikalisch tätig. Ab der ersten Aufführung im Jahr 1903 leitet er bis 1930 die Zunftmusik.

 

Peter Barteit, Kreisheimatpfleger und Vorsitzender des Heimatvereins Vilsbiburg.

 

 

Mitten im Krieg: Die Schlacht um Verdun

„ … es ist schwer, sich von dieser Riesenschlacht auch nur eine Vorstellung zu machen, geschweige denn eine Beschreibung zu liefern“.
Berta
Nördlich von Verdun beginnt am 21. Februar 1916 eine „umfangreiche, bedeutende Schlacht“. Fünf Tage später sind auf der 40 Kilometer langen Front, die Deutschen in einer Länge von 10 Kilometern und einer Breite von 3 Kilometern bereits durchbrochen und über 10.000 Franzosen werden gefangen genommen. Nirgends als in Verdun ist eine Festung so massiv befestigt: 19 Forts auf Hügeln, jedes mehrere hundert Quadratmeter groß, mit Laufgängen und 2,5 Meter dicken Panzerkuppeln aus Beton, die mit versenkbaren Geschützen ausgerüstet sind. Bald stehen die Soldaten knöcheltief im eiskalten Wasser, das in ihre halbhohen Schnürschuhe läuft; eigentlich müssten sie klobige Stiefel tragen, aber die Soldaten sollen jetzt vor allem schnell rennen können.

Während sie nun warten, erkälten sich viele oder leiden unter Durchfall. Die Soldaten hocken im nassen Stollen, mit einem neu entwickeltem Stahlhelm auf dem Kopf „Siegfriedhelm“, wie sie ihn nannten, - mit Gasmaske, Dolch, Drahtschere, einem „Gewehr 98“ und fünf Stielhandgranaten.

Mehr als 1200 Geschütze schießen an diesem 21. Februar 1916 auf die französischen Forts und Stellungen des Abwehrgürtels rund um die Stadt Verdun. Neun Stunden lang. Es ist der erste Tag einer neuen deutschen Großoffensive auf Frankreich. Sie soll die Wende des Krieges bringen.

Die Schlacht war der Schmelzkern des I. Weltkrieges und Inbegriff massenmörderischen Gemetzels. Blutpumpe, Knochenmühle, Hölle, hieß Verdun bei denen, die es überlebten. Wohl 143 000 Deutsche und 162 000 Franzosen starben vor Verdun, Hunderttausende waren an Leib und Seele schwer verwundet. Das Fort Douaumont und einen großen Teil des Geländes haben die Franzosen zurückerobert zu Ende der Schlacht am 19. Dezember 1916, ohne wesentliche Verschiebung des Frontverlaufs.

Peter Käser

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Auch der Bader war ein Handwerker

Um die medizinische Versorgung unserer Vorfahren ist es meist nicht gut bestellt. Die Fülle von Votivgaben aus den verschiedensten Wallfahrtsorten erzählt noch heute davon, dass sich Menschen bei körperlichen Leiden Heilung eher von höheren Mächten erhoffen. Akademisch ausgebildete Doktoren sind sehr dünn gesät und mangels Krankenversicherung auch nur für eine wohlhabende Oberschicht bezahlbar. So bleibt für das einfache Volk und den Mittelstand meist nur der Bader als Hoffnung der Kranken, Verwundeten und Pflegebedürftigen. Dieser Handwerkszweig ist über viele Jahrhunderte auch in Vilsbiburg nachweisbar.

Bader Reiter um 1910
In dem rechten Hausteil am Inneren Markt Nr. 6 betreibt der approbierte Bader und Zahntechniker Josef Reiter früher seine Praxis. (Foto: Archiv Heimatmuseum Vilsbiburg)
Im Mittelalter macht der Beruf des Baders seinem Namen alle Ehre. Er betreibt ein Badehaus, kümmert sich um die Körperpflege seiner Kunden, schneidet Haare und Bärte. Allmählich entwickeln sich die Badeanstalten zu sozialen Treffpunkten. Es werden Speisen und Getränke gereicht, auch dem sexuellen Wohlbefinden des Publikums wird Aufmerksamkeit geschenkt. Die teilweise schlechten hygienischen Zustände und die Ausbreitung von Geschlechtskrankheiten veranlassen die Landesherren in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts viele Badestuben zu schließen. Damit wandelt sich das Berufsbild erneut. Die weiter tätigen Bader üben ihre Profession nun „fahrend“ aus: Sie ziehen von Ort zu Ort und bieten ihre Dienste vornehmlich auf Märkten an.
Schutz vor Kurpfuschern

Von nun an treibt die Obrigkeit eine weitere Sorge um: Wie kann sie die Bevölkerung vor dem Pfuschertum mangelhaft ausgebildeter Landbader und Quacksalber schützen. Eine unter König Ludwig I. im Jahr 1843 erlassene Baderordnung bringt eine klare Trennung zwischen den wissenschaftlich ausgebildeten promovierten Ärzten und den approbierten (= zugelassenen) Badern. Um die Ausbildung der Heilkundigen zu verbessern werden etwa um diese Zeit in Bayern Baderschulen eingerichtet, unter anderem auch in Landshut als Zweig der damaligen Universität. Die Befugnisse dieses Gewerbes umfassen demnach das klassische Berufsbild, wie das Haare- und Bartscheren und die Bereitung einfacher Bäder. Weiter ist es dem Bader gestattet nach Anweisung eines Arztes chirurgische Hilfsleistungen, wie das Aderlassen, Schröpfen, Ansetzen von Klistieren zu erbringen und Wunden zu versorgen. Ferner darf der Bader Zähne reinigen und ziehen, Hühneraugen schneiden, den Krankenwärterdienst verrichten, die Leichenbeschau

Bader Reiter VA 4.8.1900
Wie schonend die Zahnoperationen des Baders Josef Reiter wirklich sind, kann heute nicht mehr nachgeprüft werden. Ein Zeitungsinserat im Jahr 1900 preist sie jedenfalls so an.
vornehmen und bei Leichenöffnungen assistieren.

Auch die Ausbildung der Bader ist genau geregelt. Wie in vielen anderen Handwerksberufen beträgt die Lehrzeit drei Jahre. Nach bestandener Gesellenprüfung ist eine Wanderschaft vorgeschrieben; nach weiteren drei Jahren können die Meisterprüfung und ein Examen abgelegt werden. Erst dann ist dem Heilkundigen die selbständige Ausübung seines Berufes erlaubt. Im 20. Jahrhundert entwickelt sich das Handwerk des Baders einerseits zum Dentisten und andererseits in Richtung Friseur.

In Vilsbiburg ist bereits im Mittelalter eine Badeanstalt an der Vils oberhalb des Rathauses bekannt. Lambert Grasmann berichtet, man habe noch vor mehreren Jahren dort eine entsprechende Inschrift gesehen. Weiter schreibt er in dem Begleitbuch zur aktuellen Sonderausstellung über den approbierten Bader und Zahntechniker Josef Reiter. Dieser betreibt seine Praxis im Inneren Markt 6 (heute Stadtplatz 6). Reiter ist offenbar ein vielseitiger Mann. Ihm werden im Jahr 1890 nicht nur „niedere chirurgische Verrichtungen am hiesigen Distriktskrankenhaus“ im Oberen Vormarkt übertragen. Nebenbei betreibt er auch noch eine Schankwirtschaft und ein Café, das er allerdings im Jahr 1888 an den aus Kelheim stammenden Franz Xaver Vogt verkauft.

Peter Barteit, Kreisheimatpfleger und Vorsitzender des Heimatvereins Vilsbiburg.

 

 

Handwerk mit tausendjähriger Tradition - Glaser und Zinngießer

Sie gehören beide zu den ältesten Berufen auf unserem Erdball. Schon aus der Steinzeit um das Jahr 7000 v. Chr. kennt man die ältesten Funde verarbeiteten Glases. Rund 4000 Jahre später beginnt in Ägypten bereits die organisierte Fertigung von Schmuckstücken und kleinen Gefäßen aus Glas. Neben den Glasern blicken auch die Zinngießer auf eine vergleichbar lange Historie zurück. Archäologische Funde alter Zinnbronzen im heutigen Serbien werden von Wissenschaftlern auf den Zeitraum um das Jahr 4500 v. Chr. datiert. Aus dieser langen Tradition entwickeln sich die beiden Handwerke überwiegend parallel bis in die Neuzeit hinein.

Am weitesten verbreitet sind Geschirre aus Zinnguss im späten Mittelalter. Durch die Ausweitung  der Handelswege kommen besonders die Städte zu einem höheren Lebensstandard. Die Bürger sind nicht mehr auf Holz oder Keramik angewiesen, sondern können sich nun als Ersatz für das sehr teure Silbergeschirr Teller, Kannen und andere Haushaltsgeräte aus Zinn leisten. Eines der ersten Zentren der Zinngießerei ist die Freie Reichsstadt Nürnberg wo man von den nahe gelegenen Zinnvorkommen in der Oberpfalz und im Erzgebirge profitiert. Um das Jahr 1500 nimmt die Vielfalt der Geschirrarten und der Formen deutlich zu. Typisches Beispiel sind die so genannten Ratsherrenkannen, die immer reicher verziert eine herausgehobene Stellung des Besitzers repräsentieren. Gleiches gilt für die mit Wappen oder Zeichen der jeweiligen Zünfte verzierten Trinkgefäße. In traditionsreichen Bratwurstküchen bekommt man noch heute seine Brotzeit mit Kraut auf Zinntellern serviert.

Verbindung über den Schmelzofen

Ein Gerät in der gemeinsamen Werkstatt ist die Klammer zwischen den Berufen des Zinngießers und des Glasers: der Schmelzofen. In ihm wird Zinn bei 231 Grad verflüssigt, für Blei benötigt man genau 100 Grad mehr. Letzteres Material verwendet der Glaser für die Einfassung historischer Fenster. Dabei muss jedoch stets peinlich genau auf strikte Trennung der beiden Metalle geachtet werden. Können aus der Vergangenheit noch in zahlreichen Städten und Märkten Werkstätten nachgewiesen werden, in denen die Berufe es Zinngießers und Glasers unter einem Dach vereinigt sind, findet man heute in ganz Bayern nur noch zwei: je eine in Traunstein und Bayreuth.

Zu besonderem Ruhm steigt bereits Hochmittelalters die Glasherstellung in Venedig auf.  Hauptsächlich wegen der Feuersgefahr hat man dort die Glaser auf die Insel Murano verbannt wo sie noch heute viele Touristen anlocken. Ein weiteres Betätigungsfeld für diese Berufsgruppe ergibt sich durch die Herstellung von Fensterglas, das zusammen mit dem gotischen Baustil in Frankreich erfunden wird. Dabei wird eine vorgeblasene Kugel durch Drehen zu einem Teller geformt, von dem der Mittelteil als Teil der Fensterscheibe Verwendung findet. Wegen seiner Form bezeichnet man dies auch als Mondglas; später bürgert sich der Ausdruck Butzenglas ein. Erst nach dem Dreißigjährigen Krieg wird ein Verfahren entwickelt bei dem geschmolzenes Glas auf einem Tisch ausgewalzt wird. Damit lassen sich nun zunehmend größere Scheiben produzieren. Von da ab wird bis in unsere Tage die Herstellung von Flach- und Hohlglas immer weiter verbessert. Heute laufen die meisten Produktionsvorgänge automatisch ab.

Glaser Zinngießer Otto Hönig Vilsbiburg
Im Jahr 1895 gibt Otto Hönig mit diesem Inserat die Übergabe seiner Glaserei und Zinngießerei an Vinzenz Beer bekannt.
(Foto: Archiv Heimatmuseum Vilsbiburg)
Glaserei und Zinngießerei Kröner Vilsbiburg um 1920
In dem markanten Eckhaus am Oberen Markt befindet sich um 1920 die Glaser- und Zinngießerwerkstatt von Franz Kröner. (Foto: Archiv Heimatmuseum Vilsbiburg)
Auch in der Vilsbiburger Handwerksgeschichte sind zwei Betriebe nachweisbar, die als Glaser- und Zinngießer firmieren. Lambert Grasmann beschreibt in der Vilsbiburger Museumsschrift Nr. 17 die Werkstatt des Franz Kröner im Eckhaus, heute Obere Stadt 2. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wird dort auch ein Ladengeschäft eingebaut, in dem neben anderen Geschirren auch Kröninger Ware verkauft wird. Durch Heirat mit Anna Kröner übernimmt später Franz Putz die Firma, dessen gleichnamiger Sohn sie bis weit in die Zeit nach dem II. Weltkrieg weiterführt. In der Mitte des 19. Jahrhunderts ist in diesem Anwesen übrigens der Tuchmacher Josef Kremplsetzer nachweisbar, dessen Sohn Georg zu dieser Zeit bereits in München als Musiker und Tondichter Erfolge feiert. Der zweite Handwerksbetrieb dieser Art ist jener von Otto Hönig im Inneren Markt. Dieser verkauft das Unternehmen im Jahr 1895 an Vinzenz Beer, der es zehn Jahre später in das benachbarte Anwesen, heute Stadtplatz Nr. 14 verlegt. Noch bis in die Zeit um die Jahrtausendwende sind dort die Glaserei und das Geschäft mit Haushaltswaren bekannt.


Peter Barteit, Kreisheimatpfleger und Vorsitzender des Heimatvereins Vilsbiburg.

 

 

 

Die “Heilige Pforte” der Vilsbiburger Stadtpfarrkirche

Pfarrkirche Vilsbiburg, heilige PforteBegonnen hat das Heilige Jahr am 8. Dezember 2015 durch eine feierlichen Messe mit Papst Franziskus in Rom und dem Durchschreiten der »Heiligen Pforte« im Petersdom. Eine »Heilige Pforte« (lat. Porta sancta) ist ein bestimmter Eingang einer Kathedralkirche, der nur zum Heiligen Jahr geöffnet ist. Mit dem Öffnen der Kirchenportale wird das Heilige Jahr der Barmherzigkeit in den bayerischen Bistümern eingeleitet. Auch in anderen Kirchen bayerischer Bistümer wurden und werden in diesen Tagen so genannte »Heilige Pforten« von Gotteshäusern geöffnet.

Diese »Heilige Pforte« kann entweder in der Bischofskirche, in einer anderen bedeutenden Kirche oder einem wichtigen Wallfahrtsort sein. Die Entscheidung liegt bei den Bischöfen.
Überaus mächtig erhebt sich die Vilsbiburger Stadtpfarrkirche Mariä Himmelfahrt auf der Anhöhe nördlich der Vils. Der heutige freie Blick geht auf den gotischen Ziegelbau mit dem 73 Meter hohen Turm, aber auch zum südlichen Eingangsportal - der “Heiligen Pforte”.

Am 10. November 1872 schreibt Anton Prändl die Rechnung über 185 Gulden für die Schreiner- und Schnitzarbeiten an der neuen eichenen Kirchentüre des Südportales. Nach den Angaben des Vilsbiburger Pfarrers Straubinger hat Prändl die Türe mit den schönen Insignien gefertigt. Auf vier geschnitzten Holzkassetten stellt das Portal die Pforte als Eingang zum Paradies dar.

Peter Käser

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Aus Cranachs Gemälde wird Maria Hilf

Ein Erzherzog bringt es nach Passau und es kommt zu wundersamen Erscheinungen

Es ist unter den Großen der Welt ein schöner Brauch, bei Staatsbesuchen mehr oder weniger wertvolle Geschenke auszutauschen. Sinnvoll sollen sie sein und in irgendeiner Beziehung zu dem hohen Gast stehen. Das erzeugt vielfach Freunde, zuweilen aber auch Stirnrunzeln. Was wird sich beispielsweise US-Präsident Barack Obama gedacht haben, als man ihm bei einer Visite in Polen ein Computerspiel überreichte? Gemischte Gefühle löste auch das Gemälde „Pferd in Royalblau“ aus, mit dem Bundespräsident Joachim Gauck erst vor wenigen Monaten Queen Elisabeth II. erfreuen wollte. Ein englischer Kunstkritiker fragte gar frech: „Ist das nun Bad Painting [figürliche Kunst von expressiver Farbigkeit] oder einfach nur schlecht gemalt?“ Da befindet sich der österreichische Erzherzog Leopold V. im Jahr 1611 in einer deutlich besseren Situation.

Erzherzog Leopold V. von Österreich-Tirol (1586 – 1632) bringt in seiner Zeit als Fürstbischof von Passau das Marienbild von Lucas Cranach d. Ä. nach Bayern. (Foto: Wikimedia)
Erzherzog Leopold V
Der Spross aus dem Haus Habsburg ist ein Bruder des späteren Kaisers Ferdinand II und ein energischer, ehrgeiziger Mann. Im Alter von nur zwölf Jahren wählt man ihn zum Fürstbischof von Passau obwohl ihm verständlicherweise die erforderlichen Weihen fehlen. Auch sonst fällt Leopold in der folgenden Zeit eher durch weltliche denn durch geistliche Leistungen auf. Schnell entschlossen verabschiedet er sich daher 20 Jahre später aus der Dreiflüssestadt, um fortan in Innsbruck als Landesfürst von Tirol und Vorderösterreich zu residieren. Dieser Wechsel wird für das Gnadenbild Maria Hilf noch von Bedeutung sein. Zunächst aber stattet er als Passauer Fürstbischof 1611 dem sächsischen Hof einen Besuch ab. Der Überlieferung zufolge darf sich Leopold als Gastgeschenk selbst ein Bild aus der privaten Gemäldegalerie des Kurfürsten aussuchen. Seine Wahl fällt auf das Motiv Maria mit dem Kind von Lucas Cranach. So gelangt das Meisterwerk ins Zentrum des Bistums Passau, das zu jener Zeit bis vor die Tore Wiens reicht. Dort lernt Domdekan Marquard von Schwendi das Bild kennen und schätzen.

 

Der Weg auf den Maria-Hilf-Berg

Der Bischofsadministrator, der für den meist abwesenden und mit politischen Missionen ausgelasteten Fürstbischof das Bistum geistlich leitet, erwirkt die Erlaubnis, von Cranachs Original eine etwas vergrößerte Kopie anfertigen zu lassen. Diese bringt er in seiner Privatkapelle am Fuß des Schulerberges in der Passauer Innstadt an. Hier haben er und eine Reihe anderer Personen wundersame Erscheinungen, die sie in eine direkte Verbindung mit dem Marienbild bringen. Die öffentliche Zurschaustellung des Motivs von Cranach fällt zusammen mit den übersinnlichen Zeichen in eine Zeit allgemein anschwellender Marienverehrung. So übt die kleine Kapelle in Passau auf die Bevölkerung aus nah und fern eine magnetische Wirkung aus. Bald entschließt sich Freiherr von Schwendi, auf dem heutigen Maria-Hilf-Berg eine Kirche zu bauen. Das Gotteshaus wird im Jahr 1627 fertiggestellt.

Ein kriegerisches Jahrhundert
Für die einsetzende Maria-Hilf-Wallfahrt lässt Domdekan Marquard von Schwendi in den 1620er Jahren das Gotteshaus hoch über den Innstadt erbauen. (Foto: Wikimedia)
Passau
Das 17. Jahrhundert ist ganz sicher keine „gute alte Zeit“. Rund um Passau, besonders in Oberösterreich und Böhmen, flammen immer wieder kriegerische Auseinandersetzungen auf, die schließlich in den Dreißigjährigen Krieg münden. Spätestens seit die Schweden wiederholt bis vor die Tore der Bischofsstadt vordringen, sieht man in der Region allen Grund, den Schutz der Mariens zu erflehen. Aber auch der Westfälische Friede von 1648 bringt nur eine kurze Atempause. Nur wenige Jahre später droht mit dem Vormarsch der Osmanen neues Ungemach. Als die Türken im Jahr 1683 vor Wien stehen, erwartet sich die Mehrheit der Bevölkerung angesichts der militärischen und politischen Ohnmacht von Kaiser und Reich Hilfe nur noch von himmlischen Mächten. Kaiser Leopold I. hält es für angemessen, sich mit seinem Hofstaat nach Linz zurückzuziehen und dort fast täglich auf Knien vor dem Marien-Gnadenbild den Sieg zu erflehen. In den entscheidenden Septembertagen der Schlacht am Kahlenberg rückt die Passauer Gnadenstätte mit dem Maria-Hilf-Bild in den Mittelpunkt der Christenheit. Die kaiserlichen Truppen werfen sich mit dem Schlachtruf „Maria hilf“ in das Gemetzel und es gelingt ihnen, die zahlenmäßig überlegene türkische Übermacht zurückwerfen.

Als der Kaiser triumphierend in das befreite Wien einzieht, gibt er Befehl zum Bau einer mächtigen Barockkirche, die danach einem ganzen Stadtviertel ihren Namen gibt. In den Altaraufsatz fügt man eine Kopie des Passauer Gnadenbildes. Das Original hatte Erzherzog Leopold V. bereits bei seinem Auszug aus Passau mit nach Innsbruck genommen wo es noch heute den Hochaltar des Doms St. Jakob ziert. In der Euphorie des Sieges über die Osmanen breitet sich die Maria-Hilf-Verehrung in den katholischen Landen in Windeseile aus. Mehr als 500 neue Wallfahrten entstehen unter diesem Patrozinium. So erhält auch Vilsbiburg nur drei Jahre nach der Schlacht am Kahlenberg durch einen aus dem Tessin stammenden Kaminkehrer den neuen Gnadenort auf dem Berg.

Peter Barteit, Kreisheimatpfleger und Vorsitzender des Heimatvereins Vilsbiburg

 

 

 

Maria als Frau aus dem einfachen Volk

Das Altarbild in der Maria-Hilf-Kirche geht auf Cranach den Älteren zurück
Lucas Cranach d. Ä. (um 1475 – 1553)  wird drei Jahre vor seinem Tod von seinem gleichnamigen Sohn porträtiert. (Abbildung Wikimedia)
Lucas Cranach d.Ä
Die Marienverehrung hat im ausgehenden Mittelalter im christlichen Abendland einen sehr hohen Stellenwert. Daher herrscht sowohl für die Andacht in Gotteshäusern wie auch in privaten Haushalten eine gesteigerte Nachfrage nach entsprechenden Darstellungen. Somit gehört diese Kunstgattung zum täglichen Geschäft für nahezu alle bildenden Künstler der damaligen Zeit. Sei es nun das Motiv Maria mit dem Kind, die Schutzmantelmadonna, die Pieta, die Muttergottes in der Sonne, Maria unter dem Kreuz und an der Krippe oder die Immaculata - die Erwartungen der Kunden sind vielfältig und werden gerne bedient. Einer der Marktführer in diesem Genre ist der um 1475 in Kronach geborene Lucas Cranach, in dessen Werkstatt mutmaßlich rund 5000 Tafelbilder, davon nicht weniger als 120 Mariendarstellungen angefertigt  werden.

Der junge Lucas hat das Glück in eine wohlhabende Familie hinein geboren  zu werden. So genießt er bereits in seiner Heimatstadt eine künstlerische Ausbildung. Nach den obligatorischen Wanderjahren erhält er im Jahr 1504 eine Anstellung als Hofmaler bei Kurfürst Friedrich dem Weisen von Sachsen und übernimmt die Malerwerkstatt im Wittenberger Schloss. Die Geschäfte laufen so prächtig, dass Cranach später eine Apotheke kaufen kann und auch als Buchhändler und Verleger tätig wird.  Zusätzlich fungiert der angesehene Bürger auch wiederholt als Stadtoberhaupt. In Wittenberg, dem Herzen der Reformation, schließt der Freundschaft mit Philipp Melanchthon und Martin Luther, dessen Trauzeuge er ist und auch die Patenschaft über Luther ältesten Sohn Johannes übernimmt. Um das Jahr 1550 geht Cranach mit seinem Dienstherren in die neue Residenz nach Weimar wo er im Oktober 1553 stirbt. Auf seinem Grabstein wird er als „der schnellste Maler“ bezeichnet. Die Malerwerkstatt wird von seinem Sohn Lucas der Jüngere weitergeführt.

Das Originalbild mit dem Motiv Maria Hilf aus den 1530er Jahren ziert heute den Hochaltar des Innsbrucker Doms. (Abbildung Wikimedia)
Gnadenbild Maria Hilf
Entstanden ist das  Bild der Maria mit dem Kind wohl in den 1530er Jahren auf Geheiß des Kurfürsten. Im Gegensatz zu anderen Gemälden wird dieses Motiv in Cranachs Malbetrieb nur einmal ausgeführt. Das Madonnenbild zeigt eine in der Art der einfachen Bevölkerung gekleidete junge Frau in Dreiviertelfigur vor dunklem Hintergrund die ein nacktes Kind in den Armen hält. Bis auf die für Mariendarstellungen typische rot-blaue Farbenkombination der Kleidung zeigt das Abbild der die Frau kein erkennbares Marien- oder Heiligenattribut. Ihr Haupt ist von einem nahezu durchsichtigen Schleier bedeckt der auch über den Kopf des Kindes fällt. Christus in der Gestalt eines hilflosen Knaben wendet sich Schutz suchend der Mutter zu, steckt seine Hände nach Hals und Kinn der Mutter aus; sein rechtes Bein schwingt er über deren Unterarm. Die Frau umfasst das Kind zwar mit beiden Händen, blickt aber mit erstem Gesicht über dieses hinweg auf den Betrachter. Sie symbolisiert damit  eine Vorahnung von dem bevorstehenden Leid Christi und der eigenen Hilflosigkeit. So wird der Jesusknabe zur Allegorie für die in mannigfaltigen Nöten bei höheren Mächten Hilfe suchende Menschheit.

Das damals noch namenlose Marienbild bleibt vom Bildersturm der Reformationszeit verschont weil es in der privaten Galerie des Kurfürsten aufbewahrt ist. Dort befindet es sich, bis im Jahr 1611 ein österreichischer Erzherzog zu Besuch nach Weimar kommt und das Kunstwerk als Gastgeschenk mit nach Passau nimmt. Auf diesem Weg gelangt eine Kopie des Gemäldes von Lucas Cranach auch nach Vilsbiburg. Aber das ist schon wieder eine andere Geschichte.

 

Peter Barteit, Kreisheimatpfleger und Vorsitzender des Heimatvereins Vilsbiburg

 

 

 

Von jenen, die im Trüben fischen

Bis zum Jahr 1882 wurde in Vilsbiburg noch die Berufsfischerei betrieben

Allgemein bekannt ist eine Redewendung, mit der das Verhalten von Leuten beschrieben wird, die für sich aus unklaren Situationen Vorteile ziehen oder mit unfairen Mitteln Gewinne machen. Man sagt, fischen im Trüben. Der moderne Mensch hat eine vage Ahnung, das Gesagte könne vielleicht etwas mit den Petrijüngern zu tun haben und in der Tat ist es so. Die Redensart geht auf den altgriechischen Dichter Aesop zurück. Dieser schrieb eine Fabel in der ein Fischer in einem Fluss den Schlamm aufwirbelt damit die fliehenden Fische in der trüben Brühe die Orientierung verlieren und so leichter ins Netz gehen. Da beschwert sich der Nachbar, er könne nun kein klares Wasser mehr trinken. Der Fischer rechtfertigt sich, er sei ihm ohne diese Fangmethode nicht möglich, etwas zu fangen und er müsse sonst des Hungers sterben. Damit wird er allerdings als Aufrührer angesehen der Vorteile daraus zieht wenn er in der Gesellschaft Unruhe stiftet.

Der Maurermeister und Hobbyfotograf Anton Wagner hatte um das Jahr 1900 gerade noch Gelegenheit, das im Abbruch befindliche Anwesen der Berufsfischer Dürr am Mühlenweg zu fotografieren. (Foto: Archiv Heimatmuseum Vilsbiburg)
Fischer Dürr Haus um 1900

Der Dichter hat sich die Fabel nicht aus den Fingern gesogen, sondern vor einem realen Hintergrund niedergeschrieben. Schon im Altertum war bekannt, dass es sich tatsächlich im trüben Wasser besser fischen lässt. Die Fischer im alten Vilsbiburg hat es insofern leichter, weil sie diese Binsenweisheit wohl nicht anwenden mussten, ist doch die Große Vils von Natur aus ein trübes Gewässer. Aber auch sie brauchten über Jahrhunderte hinweg den Fischfang zu ihrem Lebensunterhalt. Im Heimatmuseum wird ein Siegeltypar mit der Inschrift „GANZ. EHRSAMWE.HANTWERCH.D.FISCHER.I.F.PIBVRG.“ aufbewahrt. Es stammt aus dem 18. Jahrhundert und zeigt in der Mitte den Schutzpatron der Fischer, den Heiligen Petrus. Weiter haben sich im Museum die Zunftlade der Fischer und ihr Zunftzeichen erhalten. Die beiden Gegenstände waren in der Regel im Herbergslokal aufbewahrt, wo die Zunft der Fischer ihre Arbeitssitzungen abhielt. Dabei wurde in jedem Jahr auch über die Finanzen der Handwerksorganisation beraten. Die Rechnungsbelege aus dem 17. bis ins 19. Jahrhundert befinden sich im Archiv des Heimatmuseums.

Bis zur Auflösung der Zünfte und der Einführung der Gewerbefreiheit im 19. Jahrhundert  waren die im Bereich des Landgerichts Vilsbiburg tätigen Fischer an der Großen und der Kleinen Vils, der Bina und eines Teils der Rott in Vilsbiburg organisiert und hielten hier auch ihre Jahrtage ab. Als Nachfolgeorganisation der Zunft und Bruderschaft der Fischer wurde am 30. Juni 1847 der Fischereiverein Vilsbiburg gegründet. Ein der traditionsreichsten Fischerdynastien war die Familie Dürr am Mühlenweg. Der letzte seines Standes war Honorat Dürr, der im Jahr 1882 verstarb. Die heutigen Petrijünger üben die Fischerei nur noch als Freizeitbeschäftigung aus und eröffnen alljährlich Anfang Mai mit ihrem Preisfischen die Volksfestsaison.

Peter Barteit, Kreisheimatpfleger und Vorsitzender des Heimatvereins Vilsbiburg

 

 

 

Mit dem Leukoplast-Bomber ins Grüne
In Vilsbiburg gab es schon früh Autowerkstätten - Die Marke Lloyd war auch dabei

Der große Krieg lag erst fünf Jahre zurück, da entwickelte sich auch das Land der Verlierer ganz langsam zu einer automobilen Gesellschaft. Die Menschen wollten die trostlosen Jahre hinter sich lassen und das aufkeimende Wirtschaftswunder genießen. Nachdem zuvor viele Menschen unfreiwillig zu Kriegsschauplätzen transportiert wurden, standen jetzt Vergnügungsreisen hoch im Kurs. Man fuhr hinaus ins Grüne, an einen See, in die Berge oder entdeckte sogar das sonnige Italien. Doch dazu bedurfte es eines fahrbaren Untersatzes.

Der Unternehmer Carl F. W. Borgward erkannte diesen Trend frühzeitig. Er hatte schon vor dem Krieg mit kleinen Nutzfahrzeugen, beispielsweise mit einem dreirädrigen Blitzkarren, gutes Geld verdient und gründete im Jahr 1949 auf dem Gelände der Goliath-Werke im Bremen eine Maschinenfabrik. Schon ein Jahr später lieferte man unter der traditionsreichen Markenbezeichnung Lloyd den Kleinwagen LP 300 aus. Wegen der damals noch herrschenden Materialknappheit bestand die Karosserie aus Sperrholz und war mit Kunstleder überzogen. Schnell hatte daher das Fahrzeug mit seinem 300 cm2-Zweitaktmotor den Spitznamen „Leukoplast-Bomber“ weg. Mit seinem nur zehn PS starken Triebwerk musste das Auto an steilen Alpenpässe allerdings oftmals kapitulieren. Die vorbei fahrenden Insassen anderer Marken prägten daher schnell den Spruch: „Steht am Berg und heult: Lloyd“.

Lloyd Alexander 1957
Der Lloyd LP 600 Alexander, hier vor dem Autohaus des Ludwig Ostermaier, führte den Borgward-Konzern auf Platz drei in der deutschen Zulassungsstatistik.
(Foto: Archiv Heimatmuseum Vilsbiburg)
Doch Borgward entwickelte seine Produktpalette  kontinuierlich weiter. Im Jahr 1953 kam das Auto mit einem verstärkten 400 cm2-Motor auf dem Markt und 1955 überraschte das Unternehmen die Autowelt mit dem Alexander, der schon eine Stahlkarosserie hatte und dessen Viertaktmotor 600 cm2 auf die Straße brachte. Mit diesem Fahrzeug war das Unternehmen sehr erfolgreich und lag nach VW und Opel auf Platz drei der deutschen Zulassungszahlen. Dieser Erfolg führte zu einer großen Zahl weiterer Modellvarianten, die jedoch durch die ständige Anpassung der Produktionsanlagen hohe Kosten verursachten. So musste Borgward im Jahr 1961 Konkurs anmelden.

In Vilsbiburg profitierte die Werkstätte des Ludwig Ostermaier in der damaligen Kirchstraße von dem Boom um die Lloyd-Automobile. Der Betrieb war dort, wo sich heute das Schreibwarengeschäft und die Musikalienhandlung von Karl Köstler befinden. Aber auch die Konkurrenzprodukte von Lloyd konnte man schon lange vor dem Krieg in Vilsbiburg kaufen und reparieren lassen. Im Jahr 1924 wurde das  Autohaus von Michael Ostermaier in der Landshuter Straße gegründet, das nach dem Krieg Vertragshändler von Volkswagen wurde. Bereits seit 1891 gab es die „Tändlerei“ von Ludwig Huber, die schon um die Jahrhundertwende mit Fahrrädern handelte – auch diese schon aus dem Werk von Adam Opel. Später komplettierten dann noch die Autohäuser Mundigl, Thaler, Schreiner und Dietzinger die starke Stellung Vilsbiburgs als Zentrum des Fahrzeughandels. Lambert Grasmann hat die Geschichte der Vilsbiburger Auto-Reparaturwerkstätten rund um den II. Weltkrieg in der Museumsschrift Nr. 17 „Handwerk im Museum – vom Bader bis zum Wagner“ in Bild und Text festgehalten

Peter Barteit, Kreisheimatpfleger und Vorsitzender des Heimatvereins Vilsbiburg

 

 

 

Im I. Weltkrieg: Leichenüberführung von Gefallenen in die Heimat.

Benedikt AuerDer Vilsbiburger Seifensieder Benedikt Auer ist gefallen, so meldet es der Vilsbiburger Anzeiger am 24. Juli 1915.
Nach einer schweren Verwundung durch einen Kopfschuß, war der Unteroffizier Benedikt Auer bei Lille in Nordfrankreich in einem Feldlazarett verstorben.
Man glaubte zunächst, der Leichnam wird in einigen Tagen in die Vilsbiburger Heimat überführt, und dann werden auch die Seelenmessen in der Pfarrkirche gehalten. Dieses würde nun zum ersten Mal seit Beginn des Krieges am 1. August 1914 geschehen, dass ein im Feld Gefallener in die Heimat überführt wird.
Auer wurde vorerst nicht überführt, denn erst seit dem 1. Oktober 1915 ist eine Rückführung von Leichen Gefallener, - vom Kriegsschauplatz in die Heimat gestattet; „(…) dieses muß aber auf Ausnahmefälle beschränkt bleiben!“
Da es keine Aussicht für eine Überführung des Leichnams in die Heimat gab, hatte man sich dazu entschlossen am 17. August 1915 den Seelengottesdienst für den Gefallenen Auer zu halten. Die Witwe Marie Auer mit ihren sechs unmündigen Kindern bedankt sich anlässlich des „Heldentodes ihres inniggeliebten Gatten und treubesorgten Vaters“ für die vielen Beweise der Anteilnahme, in einem Inserat im Vilsbiburger Anzeiger.
Erst eineinhalb Jahre nach dem Tode von Benedikt Auer war es dann möglich, den Leichnam in die Heimat zu überführen, und am 15. Januar 1917 in der Auerschen Gruft auf dem Vilsbiburger Pfarrfriedhof zu bestatten.

Peter Käser

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Pferde und Kutscher sollen beschlagen sein.
An der Straße der Herzöge gab es besonders für Schmiede immer Beschäftigung

Schmiede Anton Aigner, bis 1950
Wo sich heute ein Laden befindet, wurden bis in die 1950er Jahre bei Anton Aigner Pferde beschlagen. Die Fassade des denkmalgeschützten Hauses wird demnächst saniert. (Fotos: Archiv Heimatmuseum Vilsbiburg)
Es war kein einfaches Unterfangen damals zu Zeiten der Landshuter Landesherren, wollte man von der Burg Trausnitz in den Familiensitz hoch über Burghausen gelangen. Die Straßen und die Sicherheitslage waren oft schlecht und der Weg zu weit, um mit zwei oder vier Pferdestärken an einem Tag von einer Residenz zur anderen zu gelangen. Also gründeten die Herzöge im 13. Jahrhundert an der Strecke zwischen Landshut und Burghausen befestigte Städte - zum einen um ihr Territorium abzusichern, aber auch als Zwischenstationen für erschöpfte Zugtiere und ihre Lenker. Neben Vilsbiburg entstanden zu diesem Zweck auch die Städte Neumarkt an der Rott und Neuötting. Denn es wurde viel gefahren auf diesem Straßenabschnitt, sei es, dass der Herzog als Fernpendler nach Hause zur Familie in Burghausen eilte oder seiner Gattin unter der Woche Geschenke oder Nachrichten sandte. Da mussten sowohl die Fuhrleute wie die Gespanne gut beschlagen sein.

In einer mit Ringmauer und Wällen geschützten Stadt brauchte man für das Wohl des durchreisenden Volks eine funktionierende Gastronomie und Handwerker der verschiedensten Berufszweige. Eine besondere Stellung nahmen hier die Hufschmiede ein, nutzten sich doch die Beschläge der Zugtiere auf den Kiesstraßen schnell ab. In Vilsbiburg sind mindestens drei Huf- und Wagenschmiede bekannt: In der Landshuter Straße war dies gleich hinter dem Bahnübergang die Werkstatt von Anton Reichl, in der Oberen Stadt unmittelbar an der Abzweigung zur Seyboldsdorfer Straße jene von Anton Aigner. Am längsten, nämlich bis in die 1980er Jahre herauf, war die Schmiede des Michael Bach in der Unteren Stadt in Betrieb. Bach hatte den Betrieb von seinem Schwiegervater Joseph Kirnberger übernommen, der wiederum war im Jahr 1912 dem Schmiedemeister Joseph Kaltenecker nachgefolgt und im Jahr 1860 ist in diesem Anwesen ein Handwerker namens Josef Grau nachweisbar.

Schmiede Anton Reichl, um 1930
Ein Blick in die Schmiede des Anton Reichl (2. von links) mit seinen Gesellen. Auf dem Amboss ein bearbeitetes Hufeisen. Die Aufnahme stammt aus der Zeit um 1930. (Fotos: Archiv Heimatmuseum Vilsbiburg)
Hochbetrieb in der Schmiede des Michael Bach um 1960. Von links: der Meister, daneben Mathias Fedlmeier, Schmiedegeselle Jakob Goldbrunner und der „Schwabenbauer“ N. Grötzinger aus Mühlen.
Schmiede Michael Bach, um 1960

Der Schmied als Orthopäde

Ein Hufschmied muss weit mehr können, als nur einfach vier Eisen festzunageln. Das Beschlagen eines Pferdes ist nämlich ein Eingriff in die Biomechanik des Tieres. Die anspruchsvolle Tätigkeit beginnt bereits mit dem Ausschneiden des Hufes und des Raspeln des Horns. Schon dadurch können Stellungsfehler im Knochengerüst behoben oder zumindest gemildert werden. Weitere Verbesserungen werden durch eine besondere Konstruktion der Eisen erzielt, die der Schmied passgenau für jeden Huf anfertigt. Dazu haben sich im Lauf der Zeit die verschiedensten Formen entwickelt, vom Hufeisen mit oder ohne Zehen- oder Seitenkappen, über Oval- und Keileisen bis hin zu den sonderbaren Pilzeisen. Rillen in den Hufeisen und auch die leicht überstehenden Hufnägel schützen die Pferde vor dem Ausgleiten. Wurde in früheren Jahrhunderten als Material nur Stahl verwendet, gibt es heute bereits Legierungen aus Aluminium und Kupfer oder gar spezielle Kunststoffe.

So wird ein guter Hufschmied seine Arbeit auch mit Respekt vor dem lebenden Geschöpf verrichten und sich der alten Schmiedeweisheit verpflichtet fühlen: „Erhalt stets so den Huf wie ihn der Schöpfer schuf. Und gibt ihm bei guter Pfleg‘ ein naturgemäß Beschläg‘“.

Peter Barteit, Kreisheimatpfleger und Vorsitzender des Heimatvereins Vilsbiburg

 

 

 

Vilsbiburg: Eine Wittelsbacher Stadtgründung. Befestigt mit Mauer, Wall und Graben

Um 1580: BIBURG, Fresko vom Münchner Hofmaler Hans Donauer im Antiquarium der Münchner Residenz. Es zeigt die Ansicht von „BIBVRG“  (Vilsbiburg), befestigt mit Mauer, Wall und Graben.
Biburg Stadtbefestigung
In heutiger Zeit erinnert nichts mehr daran, dass die um 1260 vom niederbayerischen Herzog angelegte Stadt Vilsbiburg einmal eine starke Befestigung hatte. Zaun, Wall, Graben und Mauer umgaben beidseitig die Stadt, vom oberen Stadtturm zur Vils hin. In guter Überlegung legte der niederbayerische Herzog Heinrich, nach der ersten erfolgten Nutzteilung des Herzogtums Bayern, in Ober- und Niederbayern am 28. März 1255, zwischen den Städten Burghausen und Landshut die befestigte Stadt Vilsbiburg an. In der ersten Aufschreibung, den sog. Urbarsgütern um das Jahr 1231/34, wird der herzogliche Besitz im Schergamt Biburg genannt. Neben dem herzoglichen Unteramt, - dem Schergamt, erscheint hierbei auch der Zoll und die Einnahmen aus den herzoglichen Anwesen und Mühlen.

Der niederbayerische Herzog Otto III. verleiht am 15. Juni 1311 dem Adel, der Geistlichkeit, den Städten und Märkten die Niedere Gerichtsbarkeit. Unter den 19 Städten war auch Vilsbiburg dabei urbes atque oppida (= städtisch und befestigt). Nun hatte Vilsbiburg innerhalb des Burgfriedens eine herzogliche Verwaltung mit der hohen Gerichtsbarkeit (Galgen), und auch ein städtisches Gerichts- und Verwaltungssystem mit Niedergericht, Rat und Kammerer (= Bürgermeister). Das herzogliche Amt bekleidete der Landrichter und Pfleger.

Die Nennung des Dorfes Biburg an der Vils, dem Schergamt mit dem Rechtspfleger und Amtmann, dem Zollner für die Überwachung des Handelsverkehrs beim nunmehrigen, vom Herzog angelegten Übergang über die Vils, und die Bekanntgabe umliegenden herzoglichen Besitzes mit deren Abgaben, lassen den Willen einer fortschreitenden Urbanisierung und Entwicklung zum aufstrebenden Zentrum Vilsbiburgs leicht erkennen.

Peter Käser

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Er drehte nie das ganz große Rad.
Der Wagner war früher unentbehrlich und führt heute eher ein Nischendasein

Dieser alte Beruf firmiert regional unter verschiedenen Namen: Im nördlichen Deutschland nennt man ihn Stellmacher, in eher südlichen Gefilden Wagner. Regional unterschiedlich trifft man bei gleicher Tätigkeit auch auf Handwerker, die sich als Rad- oder Achsmacher bezeichnen. Hinter all diesen Begriffen verbirgt sich ein Holztechniker, der seit Erfindung des Rades im vierten Jahrtausend vor Christus, besonders aber im Mittelalter und in der frühen Neuzeit aus dem täglichen Leben nicht wegzudenken war. Der Wagner fertigte zu einer Zeit, da Dampfmaschinen noch nicht erfunden und Carl Benz sowie Rudolf Diesel noch längst nicht geboren waren, sämtliche Vehikel für die Güter- und Personenbeförderung. Seine Werkstatt verließen sowohl der einfach Handkarren wie auch die repräsentative Kutsche, daneben schuf er Schlitten, Pflüge, Eggen, Rechen, Heugabeln, Leitern, Eisstöcke und vieles andere Produkte aus Holz.

Der Wagner
Der Wagnerbock
Ein kaum noch bekanntes Werkzeug des Wagners ist der sogenannte Wagnerbock. Hier sieht man recht schön einen Arbeitsgang bei dem der Handwerker ein in seinen Wagnerbock eingespanntes Werkstück mit dem Ziehmesser bearbeitet. Eine aufmerksame Museumsbesucherin hat dem Heimatverein das Foto vom Gruber-Wagner in Kraiburg überlassen.
Ein Wagnerbock aus dem Jahr 1801 ist im Heimatmuseum Vilsbiburg zu sehen.
Den Rohstoff dafür musste der Handwerker sorgfältig auswählen. Für die unterschiedlichen Verwendungen benötigte er Holz von Ulmen, Linden, Kiefern, Weiden, Fichten, Buchen, Birken, Eschen oder auch Eichen. Die vielseitige Holzverarbeitung verlangte viel Erfahrung und Kenntnis der unterschiedlichen Eigenschaften. Auch der Standort der Bäume war ein entscheidender Faktor. Für die Biegung von Rodelkufen benötigte er beispielsweise ein astfreies, zähes Holz. Natürlich war der Wagner auch für die Reparatur der unterschiedlichen Fahrzeuge zuständig, die auf den schlechten Straßen schnell schadhaft wurden.

Im alten Vilsbiburg, als Zwischenstation an der Durchgangsstraße von Landshut nach Burghausen gelegen, hatten mehrere Wagner ihr Auskommen. Älteren Bürgern sind noch die Wagnerei von Anton Bittl am Anfang der Kirchstraße (heute Frontenhausener Straße) und jene des Lorenz Rasthofer in der Unteren Stadt ein Begriff. Dabei fällt auf, dass diese Holz verarbeitenden Werkstätten fast immer eine Symbiose mit einem in der Nähe arbeitenden Schmied eingegangen sind. Im Oberen Vormarkt war der Aigner-Schmied direkter Nachbar von Bittl, jenseits der Vils befand sich die Schmiede von Michael Bach gleich gegenüber der Wagnerei Rasthofer. Dies war auch sinnvoll, nachdem die beiden Handwerker beispielsweise beim Aufziehen der Reifen auf das fast fertige Wagenrad eng zusammenarbeiten mussten.

Wenn auch manche der alten Handwerke heute nur noch ein Nischendasein führen oder gänzlich ausgestorben sind, haben sich viele Begriffe aus der Arbeitswelt in der Alltagssprache erhalten. Man denke nur an das angenehme Ereignis wenn dem Gerber die Felle davon schwimmen. In gleicher Weise lebt auch der Beruf des Wagners in verschiedenen Redewendungen weiter. Wer sich wie das fünfte Rad am Wagen fühlt, ist überflüssig und ohne Funktion. Man hört aber auch häufig, dass junge, dynamische Geschäftsleute das ganz große Rad drehen wollen und dabei auf dem glatten Börsenparkett gehörig ausrutschen. Wenn dann den Spekulanten anschließend die Steuerfahndung attackiert, wird er sich beklagen, dass ihm diese „an den Wagen gefahren“ sei. Für die Handwerker in Vilsbiburg traf dies jedoch nie zu; denn sie waren stets bescheidene und sehr solide Vertreter ihrer Zunft.

Peter Barteit, Kreisheimatpfleger und Vorsitzender des Heimatvereins Vilsbiburg

 

 

 

Was machte eigentlich ein Zeugschmied?

Sonderausstellung im Heimatmuseum gibt über ausgestorbenen Beruf Auskunft

In der vielfältigen Palette alter Berufe der historischen Stadt gab es einst Handwerker deren Namen man heute kaum noch kennt. Folglich kann auch fast niemand mehr sagen, welche Produkte man beispielsweise bei einem Zeugschmied erwerben konnte und zu welchem Zweck sie gebraucht wurden. Die Sonderschau informiert auch deshalb über fast vergessene Berufe, um damit die ständigen Veränderungen im wirtschaftlichen, sozialen und gesellschaftlichen Leben der früheren Stadt deutlich zu machen. Nach eigenem Bekunden war sogar ein Volkskundler lange Zeit ratlos, was wohl mit einem etwas eigenartigen Werkzeug in seinem Fundus anzufangen wäre - bis er in die neue Sonderausstellung des Heimatmuseums Vilsbiburg kam.

Aderlass-Fliete
Besonders elegant formte Georg Kopp in der 2. Hälfte des 19 Jahrhunderts diesen Schnepper. Er wurde den Pferden an den Hals gesetzt und ritzte durch Hebeldruck die Ader.
(Foto: Archiv Heimatmuseum Vilsbiburg)
Da sah er das Erzeugnis eines hiesigen Zeugschmieds und erhielt von Museumsleiter Lambert Grasmann auch gleich die Erläuterung über dessen Gebrauch.

Als Beispiel dafür dient das Handwerk des Zeugschmieds, der im Gegensatz zum Huf- oder Kunstschmied Werkzeuge für den täglichen Gebrauch herstellte. In manchen Gegenden wurde er auch Zirkel- oder Kleinschmied genannt. In dieser Werkstatt oder im angegliederten Laden versorgten sich die Leute mit Hacken, Spaltwerkzeugen und Spezialmessern - ab und zu aber auch mit kuriosen Dingen wie einem Schnepper. Ein solches Werkzeug benutzte man um Tiere, insbesondere Pferde, zur Ader zu lassen. Das Gerät besteht aus einem Messinggehäuse mit einem innen liegenden, versenkbaren Messer, auch Lanzette genannt. Dieses wurde mit einer Feder gespannt und schnellte nach Aufsetzen auf die Haut nach einem Knopfdruck aus der Kapsel. Die ersten Schröpfschnepper, in Niederbayern landläufig auch „Flurl“ genannt, wurden im 15. Jahrhundert entwickelt. Damit sollte das Anritzen der Haut zum Aderlass schmerzfreier und präziser durchgeführt werden. Ihre weiteste Verbreitung erfuhren diese Werkzeuge im 19. Jahrhundert. Heute werden sie kaum noch verwendet, weil durch den innen liegenden Mechanismus leicht Krankheitskeime übertragen werden können. Beim menschlichen Patienten verwendete der Bader hauptsächlich ein speziell geformtes Messer, das auch als Fliete bezeichnet wurde. All diese Instrumente gerieten in Vergessenheit weil der Aderlass in der heutigen Medizin kaum mehr eine Rolle spielt.

Georg Kopp Zeugschmied um 1895
Ein beeindruckendes Porträt des Zeugschmieds Georg Kopp aus der Zeit um 1900.
(Foto: Archiv Heimatmuseum Vilsbiburg)
Mensch oder Tier dadurch zu heilen, dass man ihm oft erhebliche Mengen Blut entnahm war seit der Antike eine gängige Behandlungspraxis. Auch Hildegard von Bingen plädierte dafür, den Patienten durch Entnahme von "schlechtem Blut" von Giften, krank machenden Schlacken und Fäulnisstoffen zu befreien. Nicht selten erwies sich der Aderlass jedoch als kontraproduktiv weil der Patient mit unklarem Befund körperlich nur noch weiter geschwächt wurde. In früheren Jahrhunderten hatte der Januar übrigens den Beinamen "Lassmonat". Die Bader waren nämlich der Ansicht, der Jahresbeginn sei der geeignete Zeitpunkt, Mensch oder Tier zur Ader zu lassen.

Eine sehr bekannte Werkstatt eine Zeugschmieds war lange Zeit bei Georg Kopp in der Unteren Stadt zu finden. Als Zirkel, Bohrer, Hämmer, Meißel, Zangen, Beile und eben die Schnepper nicht mehr so gefragt waren, orientierte sich der Nachfolger Karl Kopp zum Schlosser um. Seit einigen Jahren sind die Werkstatt und das angegliederte Ladengeschäft allerdings geschlossen. So kann auch das Beispiel des Zeugschmieds sehr viel über den stetigen Wandel im Alltag einer kleinen Stadt und ihres ländlichen Umlandes erzählen.

Die Aufnahme des Hoffotografen Otto Reitmayer dürfte während eines Schützenfestes in München entstanden sein, an dem die Mitglieder der Königlich Privilegierten Schützengesellschaft Vilsbiburg regelmäßig teilnahmen.

Peter Barteit, Kreisheimatpfleger und Vorsitzender des Heimatvereins Vilsbiburg

 

 

 

„Ist Urban rein, segnet er die Fässer ein“
Schäffler gehören zu den ältesten Berufen – Beim Volksfest aber entbehrlich

Vor einigen Jahrzehnten ging ein Aufschrei durch die Gemeinde der Vilsbiburger Bierliebhaber. Grund des Ärgernisses war das Volksfest und selbiges fand damals noch rund um die weiß gestrichene Halle mit der „Polster-Säule“ in zentraler Position statt. Das beliebte Festbier kam aus der Aktienbrauerei und die Brauburschen rollten es in großen Holzfässern an die Schenke. Doch dann hatte jemand eine revolutionäre Idee: Wir brauchen doch diese altertümlichen Banzen nicht mehr. Sie sind so aufwändig beim Befüllen, Transportieren und Entleeren. Wir bringen den Gerstensaft künftig in einem schicken Container aus Aluminium an den Biertempel und dann kann das edle Gesöff bei konstanter Temperatur mittels einer Leitung direkt in die Maßkrüge fließen.
„Ja, wo kommen wir denn dahin“, empörte sich das Volk, „wenn das Festbier nicht mehr aus dem handwerklich hergestellten Holzfass gezapft wird, sondern aus einer industriell gefertigten Blechbüchse!“ Gelte denn das Althergebrachte, Traditionelle bei unseren Festen überhaupt nichts mehr? Dann sollten sie doch gleich vom Tank durch die ganze Halle zu jedem Platz Leitungen legen, damit sich jeder Gast über eine Art Wasseruhr sein Festbier selbst in den Krug füllen könne. Und so wären auch gleich noch die Schenkkellner und die feschen Kellnerinnen einzusparen. Dann fände eben ein Selbstbedienungsvolksfest statt!
Zugegeben: Am Ende sind die Phantasien doch etwas ins Kraut geschossen. Aber im Kern drückte die Kritik doch ein erhebliches Unbehagen aus über die Tatsache, dass wieder ein Stück von dem bisher so Vertrauten verschwindet, sich industrielle Produkte schon bei den Traditionsfesten breitmachen. Wenn die manuelle Arbeit wieder ein Stück aus dem Leben gedrängt wird, in diesem Fall das alte Handwerk der Binder.

Fassmacher seit Christi Geburt
Schäffler_ Binder A. Seidl um 1930
Ein übermannsgroßes Gerberfass wird gerade im Hof der Binderei Seidl in der Seyboldsdorfer Straße 4 fertiggestellt. Grund genug für Andreas Seidl (2. von rechts) einen Fotografen zu bestellen. (Foto: Archiv Heimatmuseum Vilsbiburg)
Dabei gehört diese Tätigkeit zu den klassischen Berufen überhaupt. Bereits im 1. Jahrhundert sind Fassmacher in Gallien bekannt. Aus dieser Provinz verschickten die Römer den Wein überwiegend in Holzfässern. Aus Dauben zusammengefügte Gefäße wurden damals auch bereits zur Bevorratung von Lebensmitteln verwendet. Wohl kaum ein Handwerk war so weit verbreitet und hatte solch unterschiedliche Bezeichnungen. In Bayern kannte man den Beruf des Binders oder des Schäfflers, abgeleitet vom Fassbinder beziehungsweise vom Schaff. In anderen Gegenden nannte man sie Böttcher, Küfer, Kübler, Tonnenmacher, Schedler oder Simmermacher. Die beiden letzteren Benennungen sind von alten regionalen Hohlmaßen aus dem alemannischen und hessischen Raum abgeleitet.

Die Herstellung erfolgte über Jahrhunderte hinweg rein handwerklich. Längshölzer, meist von Eichen, Akazien oder Robinien stammend, wurden mit eisernen Reifen zusammengehalten. Um den Verlust von Kohlensäure zu vermeiden wurden Bierfässer mit Pech ausgegossen. Die Walzenform des geschlossenen Fasses erlaubte ein leichtes Rollen von Hand. Der Behälter war auch meist leicht gebaucht und so konnte man mit ihm mühelos die Richtung verändern.

Der Binder Seidl in Vilsbiburg
Schäfflerei Seidl Dionysimarkt 1950
Noch nach dem II. Weltkrieg war die Produktpalette der Binderei Seidl beachtlich. Bei der Ausstellung am Dionysimarkt 1950 bezeichnet Anton Seidl seinen Betrieb allerdings als Schäfflerei. (Foto: Archiv Heimatmuseum Vilsbiburg)
In Vilsbiburg gab es über viele Jahre in der Seyboldsdorfer Straße 4 die Binderwerkstatt der Familie Seidl. Der Ort mit seinen zahlreichen Brauereien konnte einen Handwerksbetrieb dieser Art gut ernähren. Als die Haslbeck’sche Brauerei mit der Brauerei Urban und den Sudhäusern aus Eberspoint und Seyboldsdorf zur Aktien-Brauerei fusionierte, gab es für die Vilsbiburger Binder sicher einen größeren Auftrag. Aber auch die Gerber in der Umgebung waren zuverlässige Kunden. Daneben wurden noch Kraut- und Odelfässer, Blumenkübel, Badewannen, Butter- und Weinfässer hergestellt. Noch nach dem II. Weltkrieg stellte der Handwerksbetrieb anlässlich eines Dionysimarktes in der Gewerbehalle seine umfangreiche Produktpalette aus.

Die gute oder weniger gute Füllung der Fässer im Herbst soll sich nach einer alten Bauernregel am Urbanitag, dem 25. Mai aufweisen. Ist dieser Lostag „hell und rein segnet St. Urban die Fässer ein“.
Auch eine andere Redewendung ist an die früher so wichtigen hölzernen Behälter angelehnt. Ist das Fass nicht genau gearbeitet oder durch langen Gebrauch verschlissen, gerät es „außer Rand und Band“.

Es ist zu hoffen, dass dies nicht für unser Volksfest zutrifft, sondern eine friedliche und harmonische „Wiesn“ bevorsteht, auch wenn der Hopfentee schon seit Langem aus einem Aluminiumtank kommt.

Peter Barteit, Kreisheimatpfleger und Vorsitzender des Heimatvereins Vilsbiburg

 

 

 

Geistliche Zeitgenossen der Reichen Herzöge von Niederbayern-Landshut  (1393-1503)

Reiche Herzoege und Geistlichkeit(680KB)
Der Stifter des Altares und der sieben Tafelbilder,  Abt Benedikt Egck vor der Ährenkleidmadonna.
Die Zeit der Reichen Herzöge von Niederbayern-Landshut umspannt der Zeitraum, vom Tode Herzog Friedrichs vom Jahr 1393 an, über Heinrich XVI. (1393-1450), Ludwig IX. (1450-1479) und Herzog Georg (1479-1503).

Die 11 Jahrzehnte der „Reichen Herzöge“ wurden begleitet von einer hochintelligenten Geistlichkeit, welche auch teils dem herzoglichen Ratsgremium angehörte.

 

  • CASPAR EBENHAUSER, Propst des Klosters Baumburg
  • CASPAR WESTENDORFER, Pfarrer von St. Jodok
  • ULRICH ROGLER, oberster Kaplan auf der Landshuter Burg
  • BENEDIKT EGCK, Abt des Klosters Mondsee
  • JOHANNES TEGERNBECK, Abt von St. Emmeram
  • SEBASTIAN HÄFELE, Abt des Klosters Ebersberg

 

Es ist offensichtlich, der Herzog brauchte gelehrte und erfahrene Männer um sich herum, deren Rat und Gutachten er in seinen Regierungsgeschäften achtete, - vor allem aber auch für die Ordnung der kirchlichen Angelegenheiten des Landes.

Der Vorteil der geistlichen Berater war, sie mussten nicht von der herzoglichen Hofkammer besoldet werden, denn sie lebten von ihren geistlichen Pfründen.

Peter Käser

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Das Weihnachtsfest 1915 stand ganz unter dem  Eindruck des Kriegsgeschehens

Weihnachten 1915“An Weihnachten sind wir zu Hause” - diese optimistische Parole hörte man Anfang August 1914 auf vielen Straßen und Plätzen des Deutschen Reiches.

“Unsere braven Truppen im Felde sollen wieder mit einer Weihnachtsspende erfreut werden” schreibt der Vilsbiburger Anzeiger in einem Inserat. Und zur Feld-Weihnacht 1915 werden Strümpfe, Weihnachtsbäckereien, Hosenträger, Taschenmesser und noch vieles andere mehr vom Vilsbiburger Magistrat gesammelt. Andererseits werden Gegenstände wie Kupfer und Messing für Kriegszwecke gesammelt, und es erfolgt die Abgabe von Brot- und Mehlmarken.

Sparsamkeit und Entsagung waren zu Hause angesagt. Die “Wasser Zungenwurst”, die “fleischlos schreckliche Zeit”, “seid klug, spart Fett” und “kauft keine Kuchen” wurde den Leute geraten. Rundherum werden Christbaumfeiern abgehalten, deren Erlös “die zur Fahne einberufenen Kameraden” erhalten sollen.
“Möchten wir das nächste Weihnachtsfest wieder in Frieden feiern können! Das war der heiße Wunsch aller in der Heimat”, schreibt der Anzeiger zu Jahresende 1915.

Peter Käser

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Vilsbiburger Kriegsweihnacht 1914
Deutschland im I. Weltkrieg

Vilsbiburger Kriegsweihnacht 1914Von August bis Ende des Jahres 1914 waren 28 junge Vilsbiburger den „Heldentod für´s Vaterland“ gestorben, von den vielen Verwundeten gar nicht zu reden. Zu Hause gedachte man den meist unter 30jährigen Gefallenen in einer Zeitungsanzeige, in dem der Dienstgrad, der Todestag und die Einladung zu einem Hl. Seelengottesdienst in der heimatlichen Kirche stand. Der Veteranen- und Kriegerverein, meist auch der Arbeiterverein beteiligte sich bei der Trauerparade für den „im Felde der Ehre geblieben“ gefallenen Kameraden.

Der Vilsbiburger Anzeiger von 1914/15, aus dem Archiv des Heimatverein Vilsbiburg, wurde für die Nachforschungen herangezogen.

Seine Majestät König Ludwig von Bayern hat in fürsorglicher Weise eine große Liebesgabenspende für all jene Regimenter vorbereitet, deren Chef der König selbst ist. Kurz vor Weihnachten kommt gar manche traurige Nachricht in die Heimat, denn schon vor einem Monat ist in Nordfrankreich / Meroic der 36jährige Unteroffizier Jakob Holzapfel von Vilsbiburg gefallen. Magdalene Holzapfel und ihre sechs unmündigen Kinder trauern um den Gatten und Vater. Rundum fanden „… für unsere Feldzugssoldaten“ Kriegs-Christbaumfeiern statt.

In der Regel wurde der Erlös dazu verwendet „Unseren Kriegern eine Spende zukommen zu lassen, als Dank dafür, dass sie mit ihrem Blut unsere Heimat und unser Hab und Gut verteidigen.“

Patriotische Worte werden auch noch am Heiligen Abend vom Anzeiger vermittelt: Die Völker Europas haben des Friedens entsagt und stehen mitten im Krieg, so gewaltig, wie ihn die Welt noch nie gesehen hat. „Nun wohl, wir sind es nicht, die keines guten Willens waren. Wir haben den Frieden nicht gebrochen, haben den Krieg nicht gewollt und haben auch keine Schuld, wenn in diese Weihnacht kein Jubel fällt und keine Freude und keine heilige Stille“.

Vertrauensvoll in das Neue Kriegsjahr 1915: „Im Zeichen des gewaltigsten Krieges der Geschichte endet das alte Jahr seinen Lauf. Was an Ereignissen wird das Neue Jahr bringen. Niemand weiß es, das eine aber ist sicher: der Sieg wird unser sein!“.

Peter Käser

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Die „Westendorfer“ Messstiftungen in die Pfarr- und Spitalkirche von Vilsbiburg

 

Eine besondere Fürsorge der Dorothea Westendorfer war der gute Leumund des Kaplans. Er soll das offene Wahrzeichen der Stiftung sein und sich nicht mit Frauen einlassen die bei ihm selbst oder in der Nähe zum Ärgernis der gegenwärtigen Stiftung werden können.

Westendorfer Messstiftung Relief, VilsbiburgAm 1. April 1456 stiftet die Witwe Dorothea Westendorfer, eine geborene Rogler aus Vilsbiburg, je eine „Ewige“ Hl. Messe in die Pfarrkirche von Vilsbiburg auf den Johannesaltar, und in die Katharinenkirche im Vilsbiburger Markt die tägliche Frühmesse auf den Georgsaltar. Neben der Ausstattung des Benefiziaten mit Büchern und Kleidern gehörte auch das Haus der Dorothea gegenüber der Katharinen Kirche im Markt Vilsbiburg.

Dorotheas einziger Sohn war Magister Kaspar Westendorfer, Pfarrer bei St. Jodok in Landshut. Er stiftete neben der Vilsbiburger Katharinen-(Spital)-kirche am 6. Dezember 1476 das „Innere“ Spital „zum Hl. Geist“. Kaspar Westendorfer ist 1465 Generalvikar und Offizial der Salzburger Kirche und geistlicher Notar. 1475 ist er Beisitzer am Landshuter herzoglichen Hofgericht und sitzt im Rat des niederbayerischen Herzogs.

Dorothea Westendorfer stiftet in Vilsbiburg die beiden Messen zum ewigen Gedenken an ihren verstorbenen Ehegatten Thomas, dem einzigen Sohn Kaspar, ihren Bruder Ulrich Rogler und für sich selbst. In einer 17seitigen Urkundenabschrift, die sich im Bischöflichen Archiv in Regensburg befindet, werden für den Unterhalt des Geistlichen (Benefiziaten) mehrere Höfe und Anwesen mit ihren Abgaben genannt.
 

Zahlreich sind ihre Wappenembleme, welche die Westendorfer in und an verschiednen
Kirchen und an Gebäuden hinterlassen haben.
So lebt die Erinnerung an die „Westendorfer“ nicht nur in Vilsbiburg weiter.
Werke der Barmherzigkeit – eine »würdige Gottesgab«

Peter Käser

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Magister/Licentiat Pfarrer Caspar Westendorfer, Pfarrer von Sankt Jodok in Landshut
und Rat des Herzogs, Generalvikar, Offizial der Salzburger Kirche, Vilsbiburger Spitalstifter

Die Westendorfer werden in Vilsbiburg, in Landshut, Au bei Bad Aibling, Pondorf und Saulburg bei Straubing, in Straubing selbst und in Viechtach genannt. Westendorf bei Augsburg/Aichach führt im Wappen den schwarzen Westendorfer-Wappenring.
Westendorfer WappenIn der Bayerischen Staatsbibliothek zeigen die Landtafeln von 1565 als Vertreter des Prälatenstandes (Klöster, Pröpste und Stifte) der Städte, Märkte und ehemaligen Grafschaften, die im Herzogtum Bayern aufgegangen waren, auch das Wappenschild der Westendorfer mit dem schwarzen Ring im silbernem Schild und dem darüber stehenden Namen – Westendorfer.

Stiftete die Witwe Dorothea Westendorfer, die Mutter des Pfarrers von Sankt Jodok in Landshut, Caspar Westendorfer, am 1. April 1456 eine Messe auf den Johannesaltar in die Pfarrkirche Vilsbiburg und ebenso auf den Georgsaltar in der Sankt Katharinenkirche, der Vilsbiburger Spitalkirche neben dem oberen Stadttor, die so genannte »Westendorfermesse«, so machte ihr Sohn Caspar im Jahr 1476 eine großartige Stiftung, mit der Fundation des Spitales (= Bürgerheim/Altenheim) zum Heiligen Geist innerhalb des Marktes, neben dem oberen Stadtturm in Vilsbiburg, in dem sich heute ein Teil des Vilsbiburger Heimatmuseums befindet.

Pfarrer Caspar Westendorfers Mutter Dorothea ist eine geborene Rogler, was aus der Stiftungsurkunde der Vilsbiburger Westendorfermesse vom 1. April 1456 hervorgeht.

Immatrikuliert in Wien: Caspar Westendorfer hat die Universität in Wien besucht. Am 13. Oktober 1435 lässt er sich als Student einschreiben. Der Titel »Meister« und »Lizentiat«, sowie sein Sitz im herzoglichen Hofgericht deuten auf eine akademische Ausbildung im Kirchenrecht hin.

Bevor sich Westendorfer im Umkreis des Landshuter Herzogs aufhält, wird er zu den Spitzenmännern des Salzburger Erzbischofs gezählt. Er ist Generalvikar, Offizial, Assessor des Konsistoriums zu Salzburg und geistlicher Notar. Von ca. 1470 bis 1477 ist der Pfarrer von Sankt Jodok Caspar Westendorfer, als Beisitzer am herzoglichen Hofgericht und im Rat des Landshuter Herzogs bezeugt.

Die Urkunden des Pfarrarchivs von St. Jodok in Landshut sind für die Forschungen zu Caspar Westendorfer sehr aufschlussreich. Hier finden sich auch noch einige Urkunden des Thoman Westendorfer, dem Vater von Caspar Westendorfer. Teils sind an den alten Pergamenturkunden noch Wachssiegel angebracht. In einer am 28. Februar 1471 ausgestellten Urkunde ist er genannt als „…Würdigen und Hochgelehrten Herrn Maister Caspaer Westendorffer, Pfarrer bei St. Jobst in Landshut, Stifter und Lehensherr Kaiser Heinrichs- und St. Kunigundenaltars seiner Kirche.“

Caspar Westendorfer schreibt am St. Andreastag (25. November) 1477 sein Testament, ein weiteres am St. Katharinentag 1477.

Im Verkaufsbrief für den „Kirchherrn zu St. Jobst in Landshut und sein neu gestiftetes Spital in Vilsbiburg, Meister Caspar Westendorfer“ vom 9. April 1480, wird er mit diesem Datum das letzte Mal in den Urkunden genannt: - Über seine Grabstätte kann nur spekuliert werden. Während seines fruchtbaren Wirkens stiftete Caspar Westendorfer nicht nur das Heilig Geist-Spital in Vilsbiburg, sondern auch zwei Benefizien in die Kirche St. Jodok von Landshut.

Der Magister und Lizentiat Pfarrer Caspar Westendorfer war ein geborener Vilsbiburger. Er war das letzte Glied der Vilsbiburger Familienlinie. Letztendlich haben die Westendorfer bei allen ihren Stiftungswerken unverwechselbar ihr Wappen in Form eines Ringes hinterlassen, so auch im Gewölbe der Pfarrkirche Sankt Jodok in Landshut.

Peter Käser

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Die Vilsbiburger Stadtpfarrkirche, ein architektonisches Kunstwerk?

Geometrische und arithmetische Zusammenhänge

Grundriss Pfarrkirche Vilsbiburg

Der Zeitgeist des modernen architektonischen Anspruchs hat es mit sich gebracht, dass nicht mehr „lebendig“ gedacht wird, so dem kubisch-einsamen Intellekt ein breiter Rahmen eingeräumt wird. Der Vilsbiburger Stadtpfarrkirchenbau selbst weist einen streng symmetrischen Aufbau auf.

In der Kunst der Maßverhältnisse, der Geometrie, drückt sich die harmonische Erscheinung von Bauwerken aus. Die Bemühungen dazu sind uralt und lassen sich bereits bei den ältesten Hochkulturen nachweisen. Dabei geht es stets um die sinnvolle Übereinstimmung der Teile und des Ganzen. In diesen geometrischen Maßverhältnissen sich zu bewegen, sie zur Grundlage räumlicher Planung im Sakralbau zu machen, lag der religiösen und mystischen Geisthaltung des Mittelalters nahe. Hierzu kam einerseits die Wertschätzung des symbolischen Gehalts, der manchen geometrischen Figuren beigelegt wurde, z. B. das gleichseitige Dreieck als Symbol der göttlichen Dreieinigkeit, andererseits der Vorteil der unmittelbaren technischen Verwendbarkeit einiger geometrischer Figuren für die Baupraxis, z. B. die Ermittlung des rechten Winkels mit Hilfe des verdoppelten gleichseitigen Dreiecks. Die drei verschiedenen mathematisch genau möglichen Teilungen des Kreises ergeben drei verschiedene Vielecke und zugehörige Sternfiguren.

Dazu die Untersuchungen an der Vilsbiburger Stadtpfarrkirche mit gut nachvollziehbaren geometrischen Formen und Maßen, nicht nur in der Fläche - auch in der Höhe.

Die ordnende und das zentrale Langhaus definierende Mitte bildet das im spätgotischen Rautengewölbe eingebrachte Heilig-Geist-Loch

Peter Käser

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Hafner gab es auch in Vilsbiburg

Ihre Betriebe befanden sich jedoch außerhalb des geschlossenen Ortskerns

Natürlich spielen die Hafner auf dem Kröning und an der Bina mit weit über 100 Werkstätten, wie man heute sagen würde, in einer anderen Liga als ihre Vilsbiburger Kollegen. Sie liefern ihre Produkte in das weite Gebiet von der Oberpfalz bis Südtirol und von Augsburg bis Linz. Auch die Haupt- und Residenzstadt München wird mit Kröninger Ware geradezu überschwemmt. Selbstverständlich kommen sie mit ihren Greinzenwägen auch zu den zahlreichen Märkten in Vilsbiburg. Und doch haben auch in dem zentralen Ort an der Vils einige Hafner ihr Auskommen. Sie sind außerhalb des Zentrums angesiedelt, wahrscheinlich wegen der Feuersgefahr, die von ihren Brennöfen ausgeht. In den heute mit den Hausnummern 18 und 33 in der Oberen Stadt bezeichneten Anwesen drehen sich einst die Hafnerscheiben und möglicherweise befindet sich auch im Bereich des heutigen Kirchenwegs 1 eine Werkstätte. Um dies mit Gewissheit behaupten zu können, müssen allerdings archäologische Befunde noch genauer ausgewertet werden.

Haus Nr. 18, Haslinger, Foto Archiv Heimatmuseum Vilsbiburg
Haus Nr. 33, Foto Archiv Heimatmuseum Vilsbiburg
Links: Die Hafnerei von Rupert Haslinger in der heutigen Oberen Stadt 18 im Jahr 1909. Im Schaufenster rechts ist deutlich die Irdenware zu sehen.
Rechts: Als das spätere Neuhofer-Anwesen in der Oberen Stadt 33 um das Jahr 1900 fotografiert wurde, war in die ehemalige Hafnerei bereits eine Mehlhandlung eingezogen.  (Fotos: Archiv Heimatmuseum Vilsbiburg)
Obere Stadt 18

Es gibt zwischen den Vilsbiburger Hafnern und ihren Kollegen aus dem Kröning und an der Bina mannigfache Kontakte, schon allein verwandtschaftlicher Art. Lambert Grasmann hat bereits im Jahr 1975 in einem Aufsatz für den „Strochenturm“ wichtige Nachweise festgehalten. Danach ist im Jahr 1459 der erste Handwerker dieser Art in Vilsbiburg nachzuweisen. Er heißt Ulrich Hafner und stiftet zwölf Messen zur Kirche in Jesendorf. In welchem Anwesen dieser Meister genau seine Produkte herstellt, kann nicht mit Sicherheit gesagt werden. Zweifelsfrei ist jedoch, dass im Jahr 1840 der Hafner Johann Nepomuk Auer für 2.000 Gulden das Anwesen Nr. 81 ½ in Vilsbiburg (heute Obere Stadt 18) erwirbt und von der Gemeinde die Genehmigung zum Bau eines Brennofens erhält.

Auch vier seiner Söhne arbeiten in dem Betrieb, ehe der im Jahr 1853 in Eggenöd in der heutigen Gemeinde Kröning geborene Rupert Haslinger auf das Anwesen kommt. Auch sein Sohn gleichen Vornamens führt die Hafnerei noch bis etwa zum Ende des I. Weltkrieges weiter. Als zu dieser Zeit der Niedergang des traditionsreichen Handwerks unübersehbar wird, erweist sich Rupert Haslinger als sehr flexibel und ergreift den Beruf eines Bäckers.

Die Ehefrau des Sattlers Hans Berger betreibt noch bis etwa 1930 im Anwesen Obere Stadt 18 einen Geschirrladen. Die Ware bezieht sie auch vom letzten noch arbeitenden Hafner im Kröning, nämlich Sebastian Eder aus Jesendorf.
 

Obere Stadt 33

An der Abzweigung zur Landstraße nach Seyboldsdorf ist bereits im Jahr 1645 ein Hafner Martin Maister nachgewiesen, der hier fast 40 Jahre seinem Beruf nachgeht. Auch sein Sohn  und der Enkel, Matthias und Christoph Maister folgen dem Ahnen in der Werkstatt nach. Im Jahr 1808 wird das Anwesen so beschrieben: „Halbgemauerte und halbhölzerne Behausung … mit Hausgarten und Gemeindeteilen (1/4 Tagwerk Loh und 1 Tagwerk Wald)“.

Model Ofenkachel, Foto Cornelia Renner
Der Model zur Herstellung von Ofenkacheln aus der Werkstatt Obere Stadt 33 (links) zeigt eine Allegorie für den Frühling. Dargestellt ist eine Dame mit Palmenzweig und Sonnenblume. Der Abguss rechts stammt von Hans Gräber.
 (Foto: Cornelia Renner)

Schon im Jahr 1830 geht die Herstellung von Geschirr in diesem Anwesen zu Ende. Zu dieser Zeit übernimmt dies der Melber (Mehlhändler) Johann Veit, später betreiben der Kaufmann Josef Neuhofer und seine Tochter Franziska dort ein Einzelhandelsgeschäft.

Der Geschirr- und Kachelmodelfund

In der Werkstatt in dem Anwesen Obere Stadt 33 werden neben Geschirr auch zum großen Teil Ofenkacheln hergestellt. Dies beweist ein größerer Fund, der bei einer Baumaßnahme im Jahr 1958 geborgen werden kann. Cornelia Renner inventarisiert die wertvollen Funde aus dem 17. und 18. Jahrhundert und beschreibt sie in dem zu der Sonderausstellung im Heimatmuseum erschienenen Begleitbuch. Dabei sind 74 Ofenkacheln oder Fragmente davon sowie die zur Herstellung notwendigen Model zusammengekommen, ferner rund 30 Schüsseln, Töpfe und Kannen. Obwohl die Formen erkennbar nicht ganz an die Eleganz der Kröninger Ware heran reichen, erzählen sie doch ein wichtiges Kapitel der Heimatgeschichte. Und vor allem unterstreicht der Nachweis von Hafnerwerkstätten die Bedeutung des Handwerks in dem zentralen Ort Vilsbiburg an der Durchgangsstraße von Landshut nach Burghausen.

Peter Barteit, Kreisheimatpfleger und Vorsitzender des Heimatvereins Vilsbiburg

 

 

 

Eine Bibliographie des Heimatforschers Lambert Grasmann

Lambert GrasmannSeit dem Jahr 1974 schreibt der Vilsbiburger Heimatforscher an vielseitig geschichtlichen Themen. Sein Spezialgebiet ist und bleibt aber die „Hafner auf dem Kröning und der Bina“, resp. die Kröninger Hafnerei.

Schon 1968 leitet Grasmann kommissarisch das Vilsbiburger Heimatmuseum; 1973 wurde er offiziell zu dessen Leiter ernannt. Und von 1996 bis 30. Juni 2009 war er Kreisheimatpfleger für den südlichen Landkreis Landshut. Im Rahmen seiner heimatkundlichen Arbeit ist Lambert Grasmann auch vielseitig schriftstellerisch tätig und hat schon mehrere Bücher verfasst.

Seine umfangreiche Bibliographie wurde von Frau Dr. Cornelia Renner, Peter Käser und letztendlich von Lambert Grasmann selbst zusammengestellt und geprüft.

Peter Käser

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Das Attentat von Sarajevo - vor 100 Jahren
Der Weg in die Katastrophe.  Schüsse, die den Lauf der Welt veränderten

Franz Ferdinand, der österreichische Thronfolger wird in Sarajevo am 28. Juni 1914 ermordet. Die bedingungslose Bündnistreue Deutschlands zu Österreich-Ungarn endete im Ersten weltumspannenden Krieg der Jahre 1914 bis 1918. Der Vilsbiburger Anzeiger des Jahres 1914 aus dem Archiv des Vilsbiburger Heimatvereins, gibt beim Durcharbeiten ein redendes Zeugnis des Schicksalsjahres 1914.

Der Mord am Thronfolgerpaar

1914 Attentat SarajevoAm Sonntag den 28. Juni 1914 um 12:00 Uhr mittags wurde der österreichisch-ungarische Thronfolger Franz Ferdinand und seine Gemahlin Erzherzogin Sophia von Hohenberg, in Sarajevo von dem 19-jährigen Serben Gavrilo Princip erschossen.

So kurz die ersten Nachrichten ausfielen, so sehr überschlugen sich in den nächsten Tagen im Vilsbiburger Anzeiger die Meldungen. Vor einer sehr plastischen Schilderung des Attentats schreckte die Presse des Jahres 1914 nicht zurück: „Die Schüsse waren absolut tödlich. Der von einer Revolverkugel getroffenen Erzherzogin wurden in der rechten Hüftgegend die Weichteile zerrissen. Beim Erzherzog durchschlug die Kugel am Hals die rechte Schlagader, wobei auch die Luftröhre vollkommen zerstört wurde. Bei beiden war Verblutung eingetreten“.

In aller Stille fand am 4. Juli 1914 in der Gruft von Schloss Artstetten in Österreich - dem Familien- und Sommersitz -, die Beisetzung des Erzherzog-Thronfolgers Franz Ferdinand und seiner Gattin statt.

Die serbische Regierung wird aufgefordert, den Sachverhalt zu prüfen und die Schuldigen zu bestrafen, gleichzeitig laufen in der Donaumonarchie Kriegsvorbereitungen für einen Schlag gegen Serbien an.
Vilsbiburger Anzeiger, 28. Juli, Wien, 17:00 Uhr: Da die serbische Regierung die Note, welche vom österreichischen Gesandten in Belgrad am 23. Juli 1914 übergeben worden war, nicht in befriedigender Weise beantwortet hat, so sieht sich die K. und K. Regierung in die Notwendigkeit versetzt, selbst für die Wahrung ihrer Rechte und Interessen Sorge zu tragen und zu diesem Ende an die Gewalt der Waffen zu appellieren.

Und dann ist Krieg

1. August 1914: Deutschland erklärt an Russland den Krieg.
Am 4. August meldet der Anzeiger über den Kriegsbeginn: „Berlin: Der deutsch-russische Krieg hat, durch Russland eröffnet, bereits seinen Anfang genommen. Russland hat deutsches Reichsgebiet angegriffen und den Krieg eröffnet. Deutschland durfte nicht länger zaudern.“
Die bedingungslose Bündnistreue Deutschlands zu Österreich-Ungarn endet im Ersten weltumspannenden Krieg der Jahre 1914 bis 1918.

Peter Käser

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König Ludwig III. kommt 1914 nach Vilsbiburg

»Hoch und Heil«

Es dürfte eine Begeisterung gewesen sein, die man sich heute kaum mehr vorstellen kann, als vor 100 Jahren, am 18. Juni 1914 König Ludwig III. und sein Gefolge auf der Reise von Passau über Landshut nach München, einige Minuten Station am Vilsbiburger Bahnhof machten.

König Ludwig III„Die Königsreise wird vom 14. bis 18. Juni dauern. Seine Kgl. Hoheit Ludwig III. wird begleitet von der Königin Maria Theresia und den Prinzessinnen Adelgunde, Hildgard, Wiltrud, Helmtrud und Gundelinde. Von Passau aus wird am 18. Juni um 8:00 Uhr mit dem Automobil die Reise bis Pocking gemacht. Dort wird der bereitstehende Hof-Sonderzug bestiegen und die Weiterreise durch das Rottal fortgesetzt. Halbstündige Aufenthalte zur Begrüßung finden in Pfarrkirchen, Eggenfelden, Neumarkt und Vilsbiburg statt. In Vilsbiburg wird ein königlicher Empfang beim Bahnhof sein“, schreibt der Vilsbiburger Anzeiger. Mit größter Freude wird diese Nachricht entgegen genommen. Ein prächtig dekoriertes Königszelt aus Landshut, von drei Vilsbiburger Familien komfortabel ausgestattet, soll den Herrschaften vorübergehend Unterkunft bieten. Die Bataillonsmusik des Kgl. Musikmeisters Sauerdrey aus Landshut übernimmt den musikalischen Teil.

Der König kommt: Vor dem Vilsbiburger Bahnhof geht es zu wie in einem Bienenhaus. Und dann die Nachricht: „der Hofzug hat mindestens 20 Minuten Verspätung“. Dann kracht der erste Böllerschuß und alle Glocken läuten zum Empfang Sr. Königlichen Hoheit Ludwig III.
Es war ein patriotisches Erlebnis besonderer Art – angenehm und liebenswürdig. Der König zum Greifen nah; freundliche Gesten und Verbundenheit mit dem Königshaus. Die Begeisterung nahm kein Ende: „Das freundliche und leutselige Wesen des Königs trat ganz offen zu Tage“. Auszeichnungen wurden an verdiente Personen verliehen und ein Festspiel aufgeführt, eigens für den Besuch des Königs einstudiert. Eine Szene, in welcher eine biedere Bauernfamilie in ländlich-sittlicher Weise mit Kind und Kegel, im unverfälschten Vilstaler Dialekt, ihrer Freude über den bevorstehenden Königsbesuch Ausdruck verleiht. König Ludwig III. nahm stehend die Huldigungen entgegen und dankte fortwährend militärisch salutierend „wohl die eindrucksvollste Szene von der ganzen Festlichkeit“.
Unter tausendfach brausenden Hochrufen, ging dieser Akt des Königsbesuches zu Ende.

„Heil unserm König - Heil!“


Peter Käser

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Vilsbiburg wird  WIEDER  Stadt
Die Erhebung zur Stadt am 1. April 1929

Die Entscheidung war nicht leicht. Auch machten es die bürokratischen Hürden über Jahre hinweg unmöglich, dem lang gehegten Wunsch nachzukommen:
Vilsbiburg möchte wieder Stadt werden!

Ernüchtern war dann doch eine Umfrage im Jahr 1906 – wir wollen gar nicht Stadt werden!
Nach dem I. Weltkrieg wird dann wieder ein Versuch unternommen – dem Markt Vilsbiburg, wie in frühen Zeiten, den Status einer Stadt zu verleihen.

Das Wissen über eine „Wittelsbacher Herzogsstadt“ an der Vils und den Freiheitsbrief von 1323, in dem Vilsbiburg über 45 Mal als „Stat“ in Erscheinung tritt, die herzoglichen Privilegien und Rechte, ließen die Verantwortlichen des Marktes nicht los, diesem wieder den Stadtstatus und die Stadtrechte verleihen zu lassen. Der Innenministier schreibt 1928, dass viele Marktgemeinden aus einer „neuzeitlichen Titelsucht heraus, die sich bis in die Körperschaften des öffentlichen Rechts auszuwirken scheint, nach der Bezeichnung Stadt streben“.

Deshalb wurde die vom Bayerischen Staatsministerium des Inneren angestrebte Entschließung vom 28. März 1929, der Marktgemeinde Vilsbiburg die Genehmigung zu erteilen, den Titel »Stadt« wieder zu führen, mit großem Wohlwollen aufgenommen.
Der 1. April 1929, der Tag der Stadterhebung wurde zum Freudentag für Vilsbiburg.
Nach Beendigung der feierlichen ersten Stadtratssitzung, trafen sich die Stadträte und Teilnehmer der Sitzung im Gasthof Schöx-Bräu zu einem Frühschoppen.

Hier sprach Bürgermeister Joseph Brandl einen Toast auf die »neue Stadt« aus:

„Mögen nun die folgenden Stadtratssitzungen Beschlüsse hervorbringen, die sich auswirken können zum Wohle der Stadt Vilsbiburg, ohne dass den Bewohnern untragbare finanzielle Lasten aufgebürdet werden müssen“.

Peter Käser

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Das Wappen der Stadt Vilsbiburg

Die Stadt Vilsbiburg zeigt im Wappen die heraldischen Zeichen des Grund- und Landesherren.
Das alte Wappen, der rote Panter mit den weiß-blauen Rauten war doch einige Zeit in der Diskussion, ob es auch das richtige Wappen der Stadt Vilsbiburg sei. Einige Gruppierungen glaubten in dem Panter einen Biber zu sehen, und machten daraus auch ein „redendes“ Wappen, da in der Namenfolge von Vilsbiburg ein Biber zu erkennen ist.
Dem wurde aber so nicht stattgegeben, und das alte Panterwappen blieb in Folge das Hoheitszeichen des Marktes Vilsbiburg, und auch seit dem 1. April 1929 – der Stadt Vilsbiburg.
Ursprünglich war es das Wappentier der Sponheimer Grafen, die es an die Grafen von Ortenburg weiter vererbten.

Stadtsiegel-1374Der „Große Brandbrief“ vom 25. November 1374, eine Vereinbarung von mehr als 150 Städten, Märkten und Adeligen (mit ihren Wappensiegeln), gegenüber den bayerischen Herzögen, zur gemeinsamen Friedenswahrung (Landfrieden) „einander nicht zu brennen und zu schaden“, ist unter den Siegelnden auch die Vilsbiburger Bürgerschaft mit dem ältesten bisher festgestellten Siegel mit der Umschrift  „Sigillum civium Piburgensium“.

Auf dem Wachssiegel befinden sich die bayerischen Rauten und der Feuer speiende, nach rechts gewendete Panther.

Der Vilsbiburger Stadtrat nimmt das Schreiben des Ministeriums des Inneren vom 18. Februar 1955 zur Kenntnis, und in der Sitzung am 25. Februar 1955 werden die Änderung des Wappens und die neue Stadtfahne genehmigt.
Dieses Datum ist die Geburtsstunde des „neuen“ Vilsbiburger Stadtwappens;
heraldisch links: die bayerischen weiß-blauen Rauten und rechts der stehende, nach rechts gewendete rote Panther.

Peter Käser

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Die Grenzbeschreibung des Bistums Freising und der Urpfarrei Hohenegglkofen vom Jahr 990/1000.
Die Grenzbereinigung der Bistümer Freising und Regensburg im Jahr 1157
 – bei Landshut, Geisenhausen und Diemannskirchen.

Bistumsgrenzen 1157Vor der Bistums-Grenzbereinigung im Jahr 1157 waren Geisenhausen und der ganze heutige Landshuter Stadtbereich im Bistum Regensburg. Die Regensburger/Freisinger Bistumsgrenze war an der alten Hochstrasse, auch Römerstrasse genannt, nördlich von Landshut, links der Isar.

1157 wird der Regensburger Teil, von der Hochstrasse bis zur Isar gezogen. Als Ausgleich kommt der südliche Teil mit Geisenhausen, Diemannskirchen, Johannes- und Stephansbergham vom Bistum Regensburg zum Bistum Freising.

Theo Herzog schreibt: „Hier wurde 1157 die Grenze des Bistums Regensburg von Altdorf und Ergolding her an die Isar vorgerückt. Seit 1157 ist die Isar bei Landshut Diözesangrenze, wodurch sich die spätere Stadt bis auf den heutigen Tag auf die Diözesen Freising und Regensburg verteilt“.
 

Irrtümlich sind die Nennung der Pfarrei, Pfarrsprengel und die Kirche von Vilsbiburg mit der Bistumsgrenzbereinigung des Jahres 1157 seit Jahren festgeschrieben. Und sie wird auch immer wieder für Nachforschungen irrtümlich verwendet.
Die Grenzbereinigung von 1157 betrifft die Kirchen Diemannskirchen, Johannes- und Stephansbergham. Eine Pfarrei und Kirche Vilsbiburg wird dabei nicht genannt.

In dieser Nachforschung werden die ältesten Freisinger Grenzenbeschreibungen vom Jahr 990/1000 in unserem Heimatbereich, einer Untersuchung zugeführt.

Ebenso werden die Grenzen der Urpfarrei Hohenegglkofen von 990/1000 beschrieben, die sich teilweise mit der Freisinger Bistumsgrenze deckten, und bis an die Große Vils reichten.

Letztendlich ist es die Grenzbereinigung des Jahres 1157, welche eine Grenzverschiebung bringt, die die Stadt Landshut bis heute in zwei Diözesen teilt; Geisenhausen, Diemannskirchen und Johannes- und Stephansbergham vom Bistum Regensburg zu Freising bringt.

Peter Käser, Zenelliring 43, Binabiburg

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(siehe auch unter Geisenhausen)

 

 

 

Unsere Stadtpfarrkirche wurde 1413 geweiht
Die „schöne Rachel“ feiert ihren 600. Geburtstag

Stadtpfarrkirche VIBSechs Jahrhunderte ist es her, dass die Stadtpfarrkirche zu „Unserer Lieben Frau“ die kirchliche Weihe erhalten hat. Das Weihedatum, welches nicht in einer Urkunde überliefert ist, war der 29. Oktober 1413. Die Benediktinerpatres des Kloster St. Veit bei Neumarkt/Rott, die bis zur Säkularisation 1803 auf der Vilsbiburger Pfarrei waren, nannten sie „die schöne Rachel“. Im Gegensatz zum strengen Klosterleben im Konvent „der triefäugigen Lea“, hatten sie bei hier an der Vils ein unbeschwertes Leben.

 

Der Heimatkundler Peter Käser, Binabiburg, beschreibt ausführlich die Stadt- und Kirchengeschichte.
PDF-Datei öffnenSeinen Bericht finden Sie in der PDF-Datei:


Außerdem hat Peter Käser in vielen Jahren der Forschung auch ein umfassendes Werk vorgelegt, das die Geschichte der Vilsbiburger Stadtpfarrkirche viele Jahrhunderte zurückverfolgt:

Stadtpfarrkirche Mariä Himmelfahrt, Vilsbiburg.
Ein vielseitigstes Buch zur Vilsbiburger Kirchengeschichte.

Das Buch bietet eine geschichtshistorische chronologische Gesamtschau, nicht nur zum Kirchengebäude, sondern auch zum Leben und Treiben der Vilsbiburger Geistlichkeit, des Handwerks und der Bürgerschaft.
Das Buch ist im Attenkofer Verlag Straubing erschienen, hat 375 Seiten, 75 Abbildungen und kostet 16,80 €. Es ist in jeder PDF-Datei öffnenBuchhandlung unter der ISBN Nummer 3-936511-23-3 erhältlich.  Erfahren Sie mehr in der PDF-Datei
 

 

 

Die Ziegelei der Vilsbiburger Pfarrkirche,  Flatach und Riglstein

Pfarrkirche Vilsbiburg 1590 Vor über 400 Jahren wurden im Vilsbiburger Ziegelhof, oder auch genannt der Ziegelstadel, schon zu damaliger Zeit eine Menge an verschiedenem Ziegelmaterial hergestellt wurde. Im Vilsbiburger Pfarrarchiv befinden sich bei den Abrechungen zum Gotteshaus ab dem Jahr 1657/58, auch die alljährlichen Ziegelstadelrechnungen. Der alte Bestand der verschiedenen Ziegel war darin aufgeführt, dann die im Arbeitsjahr hergestellten großen Ziegelsteine, der Riglstein (= halber Ziegelstein), große und kleine Pflastersteine, Hacken und Preisen (= Dachbedeckung, Mönch und Nonne) und Flatach oder Taschen (= Dachbedeckung, Biber-Schindel).

Interessant ist, dass diese Ziegelei weitum die einzige war, ja sogar von Landshut werden Ziegel geholt. Nach dem großen Brand von Vilsbiburg im Jahr 1366, wurden zum Neuaufbau des Gemäuers und der Dacheindeckung, nun sicherlich die Ziegel aus dem Vilsbiburger Ziegelstadel genommen.

Zu „Unser Lieben Frauen Gottshaus“ und „Pfarr Kirchen zu Vilsbiburg“ gehörte auch ein Ziegelhof oder Ziegelstadel. Die Bezeichnung Ziegelstadel könnte heute gleichlautend sein mit einer Ziegelei, beinhaltend einen Ziegel-Brennofen, Ziegelhütten und Lehmgrube.

In einer Urkunde des Vilsbiburger Stadtarchivs vom 10. August 1497 befindet sich die derzeit älteste Nennung über den Vilsbiburger Ziegelhof: Wolfgang Mairhofer „an der Zeit auff dem Zieglhoff ze Piburgk gesessen“. Er und seine Ehefrau Margarethe übergeben mit weiteren Verwandten, so genannte Leibgedinganteile an das hiesige Spital und die St. Katharinenkirche (= Spitalkirche).

Mit dieser Untersuchung zur Ziegelei der Vilsbiburger Pfarrkirche, konnte wiederum ein Teilbereich der historischen Nachforschung zur Stadt Vilsbiburg abgedeckt werden.

Peter Käser, Zenelliring 43/Binabiburg

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Vilsbiburgs geistliche Persönlichkeiten -
Benedikt II. Egck, Abt des Klosters Mondsee von 1463 bis 1499

Abt Benedikt EgckDie Nachforschungen zu den Geistlichen die in Vilsbiburg geboren wurden, und dann zu geistlichen Persönlichkeiten geworden sind, brachte das Ergebnis: Im 15. Jahrhundert war eine Anhäufung an „berühmten“ Geistlichen. Sie stammten in der Regel aus bürgerlichen Familien. Vielleicht war es auch die Zeit der Reichen Herzöge von Niederbayern, die dieses ermöglichte. Werden doch auch in den 111 Jahren dieser Epoche, von 1393 bis 1504 auffallend viele spätgotische Kirchen errichtet und ausgestattet.
Der in Vilsbiburg geborene Benedikt Egck war 36 Jahre Abt des Klosters Mondsee.
Im 15. und beginnenden 16. Jahrhundert erlebte das Kloster Mondsee eine neue Blüte. Abt Benedikt errichtete neben der Klosterkirche auch die Stephanskirche (im heutigen oberen Karlsgarten) sie wurde 1470 geweiht; und in Oberwang die gotische Pfarrkirche zum hl. Kilian. 1496 legte er den Grundstein zur Bürgerspitalkirche zum Hl. Geist (heute Privathaus). Der Kunstgesinnte Abt ließ den berühmten Pacher Flügelaltar fertigen – einen der schönsten spätgotischen Altäre, in der Wallfahrtskirche St. Wolfgang am Wolfgangsee. Dass ein so kunstgesinnter Abt wie Benedikt Egck auch für die Wissenschaft Großzügiges geschaffen hat, lässt sich leicht erraten.
In der Pfarrkirche zum hl. Michael in Mondsee, der berühmten ehemaligen Benediktiner Stiftskirche, an der er 27 Jahre gebaut und die er zu einem herrlichen gotischen Dom erstehen ließ, liegt der am 21. März 1499 verstorbene Abt begraben.
Die Wallfahrt nach Sankt Wolfgang am Aber- oder Wolfgangsee, verdankt ihre Entstehung und Förderung dem Benediktinerkloster Mondsee, das die Erinnerung an seinen einstigen großen Reformator und Bistumspatron, den heiligen Wolfgang hoch in Ehren hielt und insbesondere bei jeder neuen Reform immer wieder neu belebte.
Die Pilger unternehmen beschwerliche Fußreisen, um am Wirkungsort ihres Heiligen zu beten und ihm ihre Anliegen vorbringen zu können. Sollte die Wallfahrt nach Sankt Wolfgang wieder einmal aufflammen, so besucht das Grab und den Grabstein beim Hochaltar in der Abteikirche von Mondsee.

Hier ist der geborene Vilsbiburger, Abt Benedikt Egck begraben.
Legt ihm auf sein Grab, die unvergänglichen Grüße aus der Heimat.

Peter Käser

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Abt Gregor II. Kirmayr
Ein Altfraunhofener als Abt des Kloster Sankt Veit an der Rott

 

Abt Gregor II. KirmayrAm 16. Oktober 1372 wird die Kirche von Vilsbiburg durch den niederbayerischen Herzog Friedrich an das Kloster Sankt Veit bei Neumarkt an der Rott übereignet. Und Vilsbiburg ist bis zur Säkularisation 1802 den Benediktinerpatres unterstellt, die als Vikare, die von St. Veit abgesetzte Pfarrei leiten. Das gute Leben in Vilsbiburg, fernab des strengen Konvents, vergleichen die Patres mit „der schönen Rachel“, im Gegensatz mit dem stupiden Klosterleben „der triefäugigen Lea“. Mancher in Vilsbiburg eingesetzte Vikar, kam als Abt in das Kloster St. Veit zurück.

Den in Altfraunhofen 1692 geborenen, späteren Abt Gregor II. Kirmayr schickte der St. Veiter Abt zum Studieren nach München und Salzburg. Der relativ junge Geistliche wurde 1721 zum Abt des Benedikinerklosters St. Veit gewählt. Er vertrat den Konvent als „Mitverordneter des Unterlandes“ auf den herzoglichen Landtagen in Landshut. Wo er die besondere Hochschätzung des Kurfürsten Maximilian Joseph erfuhr. Sechsspännig fuhr er mit der Kutsche zur Fronleichnamsprozession nach München.

Auf Stichen und Gemälden wird er mit einer Uhr dargestellt. Er konnte anhand der Uhr genau seine Sterbestunde voraussagen. 43 Jahre leitete er den Konvent, und nicht immer hatte er sich durch menschliche Stärke hervorgetan. Zu seinen Konventualen war er hart, unbeugsam und starrsinnig, bis zu seinem Tode im Jahr 1764.
Und dennoch hatte er viel geleistet und das Kloster mit seinen Bauten auf Vordermann gebracht – Abt Gregor II. Kirmayr – ein geborener Altfraunhofener.

©  Peter Käser, Zenelliring 43/Binabiburg

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Das Grabmal des Leonhard Wagenhaymer, bei der St. Jodokkirche von Landshut.

Magister Caspar Westendorfer, Pfarrer von St. Jodok in Landshut (ca. 1459 bis 1480) stiftete 1476 das Katharinenspital neben dem Stadtturm in Vilsbiburg (heute Heimatmuseum). An der äußeren Kirchenmauer von St. Jodok, links neben dem Südportal ist eine Grabplatte, die dem 1481 verstorbenen „Westendorfer Benefiziaten“ Leonhard Wagenhaymer gewidmet ist, welcher auf dem St. Michael „Poraltar“ (= Altar auf der Empore) in der Vilsbiburger Spitalkirche Messleser war.

Nur die Verbindung als Kaplan und Benefiziat der Vilsbiburger Westendorfermessen und seinem Auftraggeber Pfarrer Caspar Westendorfer lassen den Schluss zu, dass Wagenhaymer deswegen auch bei der Sankt Jodokkirche seine letzte Ruhestätte finden konnte.

Peter Käser

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Im Archiv der Stadtpfarrkirche Vilsbiburg befindet sich ein altes Aufschreibbuch,
ein so genanntes Saalbuch, aus dem Jahr 1591.

Im Saalbuch sind die Beschreibungen aller Güter, Einkommen und Zehent, welche zu den Messstiftungen (Benefizien) der Spitalkirche Sankt Katharina,  und dem Benefizium zum Heiligen Kreuz der Pfarrkirche gehörten.

Der Kaplan Wolfgang Mayr war 1591 der Inhaber der beiden Benefizien.

Auch wird das Einkommen der Bäckermesse, der Leonhardimesse und dem Benefizium Achatius, - der Webermesse der Pfarrkirche beschrieben.

In dem Aufschreibbuch von 1591 sind Namen von Einöden und Weilern, und auch viele Anwesen und Höfe unserer näheren Heimat aufgeführt. Die Höfe und Anwesen mussten Abgaben zum Vilsbiburger Spital, zur Pfarrkirche und zu verschieden Mess-Benefizien leisten. Die vielen Nennungen sind auch für historische Familienforschung und Nachforschung für eine Hofgeschichte von Interesse.

Peter Käser

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Abt Johannes Tegernbeck – ein geborener Vilsbiburger
Der Abt des Klosters St. Emmeram von Regensburg,  Johannes II. Tegernbeck (1471-1493).

Der geborene Vilsbiburger Johann Tegernbeck, wurde am 2. Oktober 1471 zum 47. Abt des Klosters St. Emmeram in Regensburg gewählt. Am 1. Oktober 1493 ist der Abt verstorben, und wurde in der Klosterkirche begraben.

In einer Zeit des wirtschaftlichen, kulturellen und hoheitlichen Umbaues, kommt aus dem Marktflecken Vilsbiburg und einer dort immer wieder genannten Bürgersfamilie der Degernbeck oder Tegernbeck, ein Geistlicher nach Regensburg und wird dort Abt des Klosters St. Emmeram. Die bisherigen Nachforschungen in den Archivalien von Vilsbiburg brachten nur magere Hinweise. Schon bei der Wahl des Abtes stand dieser im Kreuzfeuer von Auseinandersetzungen um sein Amt.

Bei einer Restaurierung der Klosterkirche St. Emmeram, kam die große Grabplatte in die westliche Vorhalle, in welcher sie auch heute noch an der Wand steht. Das Reliefbildnis und die Umschrift sind sehr stark abgetreten. Erkennbar ist dennoch die ganze Abtfigur im Relief, unter einer Rundbogenarkade.

Peter Käser

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Frauensattling

 

 

Kirche Mariä Himmelfahrt - Geschichte, Der Kirchenbau und Ausstattung, Priester
Geschichtliche Nachforschungen zur Pfarreiengemeinschaft

Der aus Binabiburg stammende Heimatforscher Peter Käser hat seine geschichtlichen Nachforschungen der Gemeinde zur Verfügung gestellt. Die ausführlichen und fundierten Berichte finden Sie in der Homepage und der dort aufrufbaren PDF-Datei.
 

http://www.ulrich-johannes.de/filiale-frauensattling.html

 

 

 

• Der Kirchenbann über die Landshuter Herzöge 1322
• Die Schlacht bei Mühldorf 1322
• Die Lösung vom Bann im Kloster Seligenthal von Landshut 1323

Ludwig der Bayer
Nach der Einführung einer Vieh-Klauensteuer durch die Landshuter Herzöge 1322 in der so genannten Ottonischen Handfeste, wurden diese mit dem Kirchenbann belegt,
– das Volk mit dem Interdikt.

Die Entscheidung löste 1322 die Schlacht von Mühldorf aus, mit König Ludwig dem Bayer und den Kontrahenten, dem Salzburger Erzbischof und dem Habsburger, König Friedrich dem Schönen.

Sicherlich war die Klauensteuer ausschlaggebend für die Verärgerung beim Salzburger Erzbischof, der die Steuer bei seinen und bayerischen Bistums-Untertanen anprangerte, und die Landshuter Herzöge in den Kirchenbann schickte.

König Ludwig der Bayer und sein Cousin, der Habsburger Friedrich der Schöne, bekämpften sich um die Königskrone 1313 bei Gammelsdorf, dann stand eine Schlacht bei Mühldorf 1319 ins Haus. Mühldorf war eine Enklave des Salzburger Erzbischofs. Der Streit schwelte, bis in der Schlacht bei Mühldorf am 28. September 1322 Ludwig der Bayer auf den Salzburger Erzbischof Friedrich und König Friedrich den Schönen traf – und für Ludwig dem Bayer die Königskrone sicherte. Für den Erzbischof und Friedrich ging die Auseinandersetzung unglücklich zu Ende. König Ludwig der Bayer gewann die Schlacht vor Mühldorf, der Erzbischof nahm an der Schlacht nicht teil; Friedrich der Schöne wurde gefangen genommen.
 

• Die Urkunden des Salzburger Erzbischofs Friedrich beleuchten die Tathergänge.

Auch die Loslösung der Landshuter Herzöge aus dem Kirchenbann, die vom Abt von Raitenhaslach und von König Ludwig dem Bayer im Kloster Seligenthal vollzogen wurde, wird in den Salzburger Bischofsurkunden gut dargestellt.

Peter Käser

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Geschichte von Frauensattling, Straßen und Wege, Frühgeschichte

Heimatkundler Peter Käser, Binabiburg, berichtet in einer interessanten Dokumentation über die Besiedlung des oberen Vils- und Binaraumes, die bis ins Neolithikum um das Jahr 5000 vor Christus zurück zu verfolgen ist. Er spannt einen weiten Bogen von der ersten Besiedlung bis zur tausendjährigen neuzeitlichen Geschichte Frauensattlings. Ausführlich beschreibt er die archäologischen Funde, alte Wege und Straßen, alte Hausnamen, die Lichtenburg, Römer und Urbayern usw...

PDF-Datei öffnenDiese spannenden Geschichten können sie nachlesen in der PDF-Datei:

 

 

 

Heimatbuch Frauensattling  -  1000 Jahre Frauensattling

Das Buch mit 304 Seiten ist in acht Teile gegliedert:

1. Geschichtsfindung: Vor 5000 Jahren - bis Heute
2. Land, Besitz und Leute
3. Frauensattlinger Kirchengeschichte
4. Kirchenbau und Ausstattung
5. Geistliche (aus Gaindorf) die in Frauensattling gewirkt haben. -Die Stiftung der Expositur 1871, Expositusse bis ca. 1950
6. Stille Erinnerungen: Kreuzl und Marterl
7. Vereine: Hochlandschützen, Böllerschützengruppe, FFW, CSU - Ortsverband
8. Zeittafel (Zeitraffer) und Quellen der Nachforschung

Auf einem Bergsattel zwischen den Flüssen Vils und Bina, im niederbayerischen Hügel- und Holzland liegt das Dorf Frauensattling. Die Nennung des Bergsattels hat dem Dorf seinen Namen gegeben - Sodling und Sattling sind die Gebrauchsnamen.

Heimatbuch FrauensattlingDer Ortsname ist eine althochdeutsche Ableitung von „satal“ (Schmeller II, Sp. 334). Es ist eine Geländebezeichnung „bei den Leuten, die am Sattel wohnen“ oder als Berufsbezeichnung „bei den Sattlern“. Das Erste wäre zutreffend.

Eine Besiedelung findet schon vor etwa 6000 Jahren statt. Den Nachweis bringen Steinaxt, Steinbeil und Scherbenfunde aus frühgeschichtlicher Zeit. Die frühesten schriftlichen Zeugnisse finden sich zu Anfang des 11. Jahrhunderts

Für Frauensattling selbst ist die Nennung des Ortsnamens in einer königlich/kaiserlichen Stiftungsurkunde ein Glücksfall. Kaiser Heinrich II. und seine Gattin Kunigunde schenken im Jahr 1011/12 königliche Güter zwischen Vils und Rott an das neu gestiftete Bistum Bamberg.

Neben der Geschichte zur Entstehung des Dorfes sind auch die Überlieferungen zur Frauensattlinger Kirche sehr interessant. Die Sage erzählt von einer Kirchenstiftung durch Kaiser Ludwig dem Bayer im Jahr 1322.

Einen großen Teil des Buches nimmt die Gemeindegeschichte ein: Bürgermeister, Eingemeindung zur Stadt Vilsbiburg, Wege, Straßen, Brücken und Stege, die Lichtenburg, Ödenfurth und Mühlen, Steuerbücher, Obmannschaften. Das Hofanlagenbuch von 1752, Hofgrößen, Hoffuß, Lehenrecht, Abgaben, und letztendlich der Urkataster von 1845 und das Kataster-Umschreibheft ab 1860 zu etwa 85 Anwesen und Höfe der ehemaligen Steuergemeinde Frauensattling.

Peter Käser

Die Gesamtausgabe des Heimatbuches finden Sie hier:

Link zur Website der Gemeinde Frauensattling:   > Heimatbuch, PDF-Datei (14 MB)

 

 

Haarbach

 

 

Die Grabdenkmäler der Adeligen Hackh in der Kirche St. Michael in Haarbach

Hackh von HaarbachHedwig, Gräfin von Ortenburg, Witwe des Tesereys von Fraunhofen verkauft am 4. Januar 1393 die Veste und Herrschaft Haarbach und Geisenhausen an Herzog Friedrich und dessen Sohn Heinrich von Niederbayern-Landshut. Als herzogliches Lehen geht Haarbach an die Adeligen der Hackh. 1406 wird Ulrich Hackh als Stifter der Messe und der Kapelle Sankt Katharina in Vilsbiburg genannt. 1415 ist Konrad der Hackh herzoglicher Pfleger in Haarbach.

Wolfgang Hackh stiftet 1510 die Schlosskapelle in Haarbach und wird darin 1535 als Erster begraben. Auch die Grabdenkmäler seines Sohnes Hans Hackh und dessen Gattin Anna, eine geborene Haushaimer von Binabiburg-Ismaning sind in der Kirche.

So vermittelt die Nachforschung zu den historischen Grabdenkmälern in der Kirche von Haarbach ein reiches Geschichtswissen über eine niederadelige Herrschaft an der Oberen Vils.

Peter Käser

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Konrad von Haarbach und Berthold von Seyboldsdorf
sind im Jahr 1209 Zeugen einer Beurkundung.

Zwei Urkunden liegen im Stift St. Florian in Oberösterreich. Es sind die ältesten in Landshut ausgestellten Urkunden.
1. Teil

Abt Hermann von Niederaltaich (Abt von 1242-1273) stellt nicht als Zeitgenosse fest, dass Herzog Ludwig (I.) von Bayern 1204 anfängt die Landshuter Stadt und die Burg zu errichten. Desto Trotz haben wir ein Jahr später vom Regensburger Bischof Konrad IV. Graf von Frontenhausen (1204 - 8. April 1226) durch ein Friedensabkommen mit dem Herzog den Beweis - sei Ludwig (I.) ohne Leibserben gestorben, so der Regensburger Bischof - unter anderen Burgen, auch die außerhalb der Diözese liegende Burg Landshut (castrum Landeshůt), mit all seinen Dienstleuten, den Ministerialen und Zubehör erhalten würde.

Im Jahr 1209 werden in Landshut zwei Urkunden gesiegelt; es sind die derzeit ältesten in Landshut ausgestellten Urkunden. Beide Schriftstücke befinden sich im Stiftsarchiv des Klosters Sankt Florian in Oberösterreich bei Linz. Eine der Originalurkunden kam abhanden, weshalb 1276/79 im Codex Sankt Florian, dem Kopialbuch des Stiftes, eine Abschrift eingestellt wurde.

Aber eine Pergament-Originalurkunde, 1209 in Landshut ausgestellt, befindet sich noch im Stiftsarchiv.

Landshuter Urkunden 1209, Teil 1, Zeugen

Die Urkunde wird im Bericht (I. Teil) vorgestellt.

Es musste 1209 eine größere Fürstenversammlung stattgefunden haben; die anwesende Zeugenliste weist erstmals auf eine große politische Zusammenkunft in Landshut hin. Die weither gereiste hohe Geistlichkeit, die Grafen, herzoglicher Notar und Viztum, Ministerialen und Dienstmänner, siegelten mit Herzog Ludwig I. (dem Kelheimer) die Urkunde. Eigentlich ging es ja nur um 150 Fuder Salz aus der Saline Hall, die der Vogt des Klosters St. Florian zu verantworten hatte.
Interessant sind dabei auch die Freien Herren, die „liberi“ aus unserer engeren Heimat, Konrad von Haarbach und Berthold von Seyboldsdorf, die im Jahr 1209 als Zeugen in der Urkunde genannt werden.

Peter Käser

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Konrad von Haarbach und Berthold von Seyboldsdorf im Jahr 1209 als Zeugen des Herzogs.

Eine Urkundenabschrift vom Jahr 1276/79
2. Teil

St. FlorianIm Jahr 1209 werden in der Kanzlei von Herzog Ludwig dem Kelheimer, in Landshut zwei Urkunden ausgestellt und gesiegelt. Es sind die derzeit ältesten in Landshut ausgestellten Urkunden. Beide Schriftstücke befinden sich im Stiftsarchiv des Augustinerkonvents Sankt Florian in Oberösterreich bei Linz.
Die erste Original-Pergament-Urkunde wurde schon einer Untersuchung im I. Teil zugeführt. Die zweite Urkunde kam abhanden, weshalb 1276/79 im Codex Sankt Florian, dem Kopialbuch des Stiftes, eine Abschrift davon eingestellt wurde.
Sie wird im jetzigen Bericht bearbeitet.

In der Urkunde werden im Jahr 1209 neben der geistlichen und weltlichen Herrschaft auch „Freie“ Dienstmänner aus unserer näheren Heimat als Zeugen der Urkundung genannt: Konrad von Haarbach, Karl von Kirchberg, Otto von Rohr, Berthold von Seyboldsdorf, Pilgrim von Moosen, Albert von Bruckberg und Ulrich von Falkenberg.

Peter Käser

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Geschichtliche Nachforschungen zur St. Michaelskirche in Haarbach

Die Landgemeinde Haarbach wurde zum 1. Mai 1978 infolge der von der bayerischen Staatsregierung durchgeführten Gebietsreform aufgelöst, und der Stadt Vilsbiburg eingemeindet.

Schlosskirche St. Michael, HaarbachVon Alters her dient der Haarbach als Grenze der Bistümer Regensburg und Freising. Auf der Regensburger Bistumsseite steht hoch erhoben über dem Ort Haarbach die zur Pfarrei Gaindorf gehörige Schlosskirche St. Michael.

Nachdem die Messstiftung der Adeligen Hackh, auf dem Katharinenaltar der Vilsbiburger Spitalkirche, im Jahr 1498 nach Haarbach verlegt wurde, erbaute der Haarbacher Ortsadelige Wolfgang Hackh eine neue Kirche, und stattete diese mit dieser St. Katharinen-Meßstiftung und mit einem Geistlichen, einem Benefiziaten aus. Rechts neben dem Eingang zur Kirche hat der Kirchenstifter eine Marmortafel anbringen lassen, auf dieser bezeugt er die Errichtung des neuen Kirchenbaues im Jahr 1510 auf eigenem Grund und Boden. Natürlich wurde die Kirche auch mit Altären ausgestattet. Viele Jahre war Wolfgang Hackh herzoglicher Pfleger und Kastner in Geisenhausen, wohnte aber auf Schloss Haarbach. Zu Anfang seiner Geisenhausener Pflegerlaufbahn stiftet Hackh 1489 eine „ewige“ Messe in das Kloster St. Veit bei Neumarkt/Rott.

Am 7. Februar 1535 ist Wolfgang Hackh verstorben, und wurde, wie es sich standesgemäß gehört, als Erster in der von ihm gestifteten Kirche bestattet. Im Chor, links neben dem Altar steht sein schönes Rotmarmor-Grabmal an der Wand.

Das Meß-Benefizium und der Unterhalt zur Schlosskirche, ging nach dem Aussterben der Hackh an die Barone von Schleich über. Der Landshuter Rentmeister Stephan Schleich zu Achdorf kaufte am 12. April 1589 die Hofmark, das „Rittergut“ Haarbach von Augustin, Konrad und Hans Christoph Hackh.

Mehrere bauliche Veränderungen hat die Schlosskirche schon hinter sich, und dennoch kann sie mit ihrer schönen Ausstattung und den auffallend vielen Adeligen-Grabsteinen auf eine über 500jährige Geschichte zurück blicken.

Peter Käser

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Kollmannsberg

Der Erste Weltkrieg
Das Arbeits-Gefangenenlager Kollmannsberg bei Trauterfing/Vilsbiburg

Kollmannsberg Wachmannschaft
Die 15-köpfige Wachmannschaft Kollmannsberg bestand aus Landwehrmännern.
Zur Entwässerung des Vilstales von Babing, nahe der Vilsbiburger Bezirksamtsgrenze bei Velden bis unterhalb der Vilsbiburger Markbrücke bei der Derndlmühle, wurde in den Kriegsjahren 1915 bis 1919 vom „Niederbayerischen Landrat“ ein auf fünf Jahre verteilter Gesamtzuschuss von 73.150 Mark genehmigt.

Für die Entwässerungsarbeiten des Vils-Abschnittes Bachmühle/Wolferding bis Vilsbiburg, wurde dazu bei Kollmannsberg „sechs Kilometer oberhalb von Vilsbiburg“, im Frühjahr 1915 ein Arbeits-Gefangenenlager für 200 französische Gefangene mit ihrer Wachmannschaft errichtet. Am Donnerstag den 22. Juli 1915 kommen 180 Franzosen mit ihrer Wachmannschaft aus dem Gefangenenlager in Landshut mit dem Zug nach Vilsbiburg und marschieren von dort über Herrnfelden in das neu errichtete Arbeitslager Kollmannsberg.
Der Vilsbiburger Anzeiger schreibt: „Der Transport hatte viele Neugierige auf die Beine gebracht, die die bunte Gesellschaft betrachteten – auch ein Schwarzer war dabei“.
Vor dem Wintereinbruch Ende November 1915, wird berichtet: Mit den Arbeiten im Vilstal ist bei der mittleren Abteilung zwischen Bachmühle und Wolferding mit Hilfe von 200 Kriegsgefangenen schon im Sommer 1915 begonnen worden, da hier die sofortige Inangriffnahme mit Kriegsgefangenen besondere Vorteile versprach und alle beteiligten Grundbesitzer zugestimmt hatten.

Von Juli 1915 bis Januar 1918 war das Lager mit französischen Kriegsgefangenen belegt, dann wurden die Baracken mit der Einrichtung versteigert, - die gefangenen Franzosen kamen in das Lager nach Landshut.

Peter Käser

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Seyboldsdorf

 

 

Grabstein Bernh. von SeyboltstorffDer Ritter Bernhard von Seyboltstorff

Auf der Suche nach einem Ritterharnisch, der die Ansprüche einer neuen Ritterära bei einer der nächsten Landshuter Fürstenhochzeiten erfüllt, könnte der Harnisch des 1523 verstorbenen Ritters Bernhard von Seyboltstorff interessant sein.

Die hochwertige Steinmetzarbeit lässt auf dem Grabmal in der Pfarrkirche von Seyboldsdorf den herzoglichen Pfleger und Landshuter Rat im Harnisch, Visierhelm, Schwert und Rennfahne erscheinen; die geharnischten Beinröhren enden in Kuhmäuler-Eisenschuhen.

Der Stein birgt nicht nur den Ritter in Lebenddarstellung, sondern neben den Ehewappen auch die Wappen der adeligen Ahnen.

Peter Käser

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Fürstbischof Stephan von Seyboltstorff:
52. Bischof (1612-1618) des Bistums Freisin
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Nach dem Tode des Freisinger Bischofs und Herzog Ernst (1566-1612), gewann Stephan von Seyboltstorff 1612 die Wahl zum Freisinger Bischof gegen den Wittelsbacher Aspiranten Fürst Ferdinand.

Gegen den Willen Herzog Maximilians von Bayern wählte das Freisinger Domkapitel aus seinen Reihen im Jahr 1612 Stephan von Seyboltstorff zum Bischof. Stephan entstammte einem verzweigten bayerischen Adelsgeschlecht, dessen Stammsitz in Seyboldsdorf bei Vilsbiburg (LK Landshut) war. Er verlieh seiner Familienlinie, den Seyboltstorffern zu Schenkenau, die Erbküchenmeisterwürde des Hochstiftes Freising und besetzte die Hofämter meist mit Verwandten.

Eine neue Reformepoche brach mit Bischof Stephan an. Als frommer und tugendhafter Oberhirte bemühte er sich in den wenigen Jahren seiner Regierung um die Durchführung tridentinischer Reformen.

Bischof Stephan starb noch nicht vierzigjährig am 18. Januar 1618 und wurde im Freisinger Dom beim Altar des hl. Justinus bestattet.

Peter Käser

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Vom Mythos verfolgt?
Johann Franz Xaver Cajetan Anton Georg Adam, Reichsgraf von und zu Freyen-Seiboltstorff

Ein Porträt im Vilsbiburger Heimatmuseum hat besondere Eigenheiten

Graf von Seyboldsdorf
Haben sie es schon gesehen, das Porträt des Reichsgrafen von Seyboldsdorf (Seiboltstorff) im Vilsbiburger Heimatmuseum, - nein? Dann haben sie sich auch noch nicht von seinen klaren und stechenden Augen verfolgt gefühlt. Auf dem Blick des jungen Herrn Grafen lastet ein besonderer Mythos, dem sich die Seyboldsdorfer Klosterschwestern gerne entledigten.

Johann Franz Xaver Cajetan Anton Georg Adam Graf von und zu Freyen-Seiboltstorff war beim Porträtieren erst im 29. Lebensjahr. Dennoch war er schon im hohen Rang ausgezeichnet mit dem gestickten Stern des Großmeisters des adeligen Ritterordens vom SANKT MICHAEL und nannte sich des Heiligen Römischen Reiches Graf von und zu Freyen-Seyboltstorff auf Mauern, Herr der Hofmarken Deuten- und Göttlkofen, Lichtenhaag, Vilssattling und Leberskirchen, Ober- und Niederaichbach. Seiner churfürstlichen Durchlaucht in Bayern, Kämmerer und Regierungsrat in Landshut, Kommandeur des Hochritterordens Sankt Michael, Mitglied der Landschaft.

Die Ahnen-Gemäldegalerie von Schloss Seyboldsdorf bei Vilsbiburg hatte der Letzte Graf auf Seyboldsdorf 1951 dem Archiv in Landshut vermacht und dennoch war das Schloss nicht ganz leer; das Porträt des jungen Grafen Johann Franz Xaver Cajetan war noch vorhanden. Und es durchzog ein Unbehagen das historische Schlossgemäuer - die 1952 in das Schloß eingezogenen Klosterschwestern fühlten sich von den stechenden Augen des jungen Herrn Grafen verfolgt.

Die Technik des Porträtisten ermöglichte es, - Graf Johann Franz Xaver konnte den Raum in jedem Blickwinkel einsehen. Gespenstisch fühlten sich die ehrwürdigen Schwestern von seinen glänzenden Augen in jeder Richtung verfolgt. Es wurde beschlossen, das Porträt dem Heimatverein Vilsbiburg für sein Museum zu übereignen. Und da steht nun der im Jahr 1774 verstorbene Graf von Seyboltstorff und kann besichtigt werden. Seine stechenden Augen haben nach wie vor ihre Anziehungskraft nicht verloren.

Peter Käser

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Der Umbau der Pfarrkirche St. Johannes in Seyboldsdorf in den Jahren 1903 bis 1915

Kirchenbau Seyboldsdorf
Vier Altäre waren in der kleinen Kirche, die Kanzel stand an der linken Wand im Kirchenschiff. Die gräfliche Herrschaft ging durch die ehemalige Sakristei zu ihren Plätzen – den beiden Chorstühlen im Presbyterium. Eine Erweiterung der Pfarrkirche Seyboldsdorf erschien zu Beginn des 20. Jahrhunderts als ein dringendes Bedürfnis.

Freilich waren die Vorschriften am Bau zu dieser Zeit noch ganz andere. Man brauchte kein Gerüst, ging in einer Schwindel erregenden Höhe von Brett zu Brett, den Abbruchhammer in den Händen. Die Firmen kamen alle aus der näheren Umgebung.

Die Seyboldsdorfer Kirche wurde verlängert, der Chor, das Presbyterium und das Gewölbe des Langhauses musste eingerissen werden. Mitte April 1903 wurde mit den Arbeiten begonnen und am Nikolaustag den 6.12. wurde wieder die erste Messe gehalten. In den darauf folgenden Jahren wurde der Innenraum mit den Altären restauriert.

Nach den Umbauarbeiten weihte der Regensburger Bischof Dr. Antonius von Henle am Samstag den 6. Juli 1912 die Seyboldsdorfer Kirche Johannes der Täufer.

Peter Käser

 

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Die Herrschaft Seyboldsdorf und die  » Steinerne Grenzsäule «

Gleich nach Vilsbiburg, an der Straße nach Seyboldsdorf steht eine alte Grenzsäule der Grafen-Herrschaft deren von und zu Freyen-Seyboltstorff.

Im oberen Giebelteil kann man nur noch sehr schemenhaft die Insignien und Ziffern lesen - dennoch war bei einer Nachforschung eine Zuordnung möglich. Im Staatsarchiv in München befindet sich eine Beschreibung der Hofmark Seyboldsdorf vom Jahr 1619, und genau darin ist schon von dieser Grenzsäule die Rede. Die Malefizpersonen, alle diejenigen, die vom Seyboldsdorfer Amtmann nicht abgeurteilt werden konnten, wurden bei dieser Grenzsäule dem Richter von Vilsbiburg übergeben.

Die Seyboldsdorfer waren ein uraltes Adelsgeschlecht, welche sich 1424 in drei Familienlinien teilten. Sie waren Ritter, im Freiherren-Stande, brachten es zur Grafenwürde, und hier sogar zu freien Reichsgrafen. Ihre hervorragenden Leistungen und Eigenschaften charakterisierte der alte Turnierspruch:

*  Seyboltstorff die Guten, die Frommen, die Wohlgemuten  *

Die steinerne Grenzsäule hat bestimmt schon über 400 Jahre auf dem Buckel, und das sieht man ihr auch an.
Und dennoch ist es ein Teil unserer interessanten geschichtsträchtigen Heimat.

Peter Käser, Zenelliring 43, Binabiburg, Dezember 2013

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Die Kriegsnagelung 1916 bei der Pfarrkirche Seyboldsdorf

Die Nagelung von Kriegswahrzeichen
Nationalstiftung für die Hinterbliebenen, der im I. Weltkrieg Gefallenen

Wappenschild, Seyboldsdorf KriegsnagelungIn der Eingangshalle der Pfarrkirche Seyboldsdorf (Stadt Vilsbiburg) befindet sich über der Türe eine große Eichentafel mit hunderten von eingeschlagenen Nägeln. Die Not im Ersten Weltkrieg wurde immer schlimmer. Um Herz und Geldbeutel zu öffnen und das Elend zu lindern, erfand man die Kriegsnagelung. Für den Einschlag eines jeden Nagels musste ein kleiner Betrag gegeben werden.

  • In einer Entschließung vom 1. September 1915 macht der bayerische Staatsminister des Inneren Dr. Freiherr von Soden-Fraunhofen die bayerischen Behörden auf diese Hinterbliebenen-Sammlung aufmerksam. Es ergeht ein Erlaß an die Bezirksämter und Gemeindebehörden. Hierzu wird empfohlen, Gedenksäulen mit dem Wappenschild des Ortes aufzustellen, oder ein „Eisernes Kreuz“; eine Türe der Kirche oder des Gemeindehauses, welche als „eiserne Türe“ an das Kriegjahr 1915 erinnern soll. Der Staatsminister hat in der Entschließung den Weg angewiesen, wie in der Nagelung der Kriegswahrzeichen, der Sammel- und Fürsorgezweck mit volkstümlicher guter Kunst vereinigt werden kann.
  • „So mag da und dort eine Gedenksäule mit dem Wappenschilde des Ortes aufgerichtet oder an geeigneter Stelle ein Eisernes Kreuz genagelt werden“. Die Idee kam von Österreich-Ungarn und wird nun auch in Deutschland aufgegriffen mit der Aufforderung an die Bevölkerung, solche „ehernen Wahrzeichen“ herzustellen um der Nationalstiftung für die Hinterbliebenen der im Kriege Gefallenen möglichst viele Mittel zuzuführen – schreibt der Staatsminister des Inneren.

In einer patriotischen Festlichkeit am Sonntag den 20. Februar 1916 um 15 Uhr wurde in Seyboldsdorf mit der Nagelung begonnen. „Die patriotische Stimmung fand klingenden Ausdruck durch freudiges singen unserer bekanntesten Vaterlandslieder. Zur Nagelung wurden ca. 1.500 Nägel - eiserne und goldfarbige - bereitgestellt“, berichtet der Vilsbiburger Anzeiger.

Peter Käser

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Solling

Solling - ein Ort an der oberen Vils:
Kurze Geschichte, zum Dorf, Kirche, Haus- und Hofgeschichte.

Solling, ein kleines Dorf an der großen Vils unterhalb von Vilsbiburg.
Am 26. Dezember feiert die Kirche von Solling ihr Patroziniumsfest. Solling ist eine Filialkirche der Pfarrei Gerzen, im Bistum Regensburg, Landkreis Landshut. Das Dorf Solling liegt unmittelbar an der Großen Vils, auf 435 Metern über dem Meeresspiegel (Normal Null), und an der Straße von Vilsbiburg nach Gerzen.

Es ist ein altes Siedlungsgebiet an der oberen Großen Vils: Funde des Neolithikums, der Linearbandkeramik, ein verebneter vorgeschichtlicher Grabhügel (Hügelgrab?) östlich von Solling und natürlich die neueren Funde bei der Autoverwertung Hertenberger, eine Siedlung mit mindestens vier Hofplätzen aus der Neusteinzeit, die ein Alter von ca. 5.300 bis 4.900 v. Chr. aufweisen kann; sie lassen auf eine 7.000-Jährige Siedlungsgeschichte in Solling schließen.

Der Name Solling wird etymologisch interpretiert als eine durch ihren Reichtum an sumpfigen Stellen charakterisierte Waldlandschaft. Vorformen des Wortes gehen zurück auf die Silbe sol, die eine Niederung oder morastige Stelle nennt. Als „Solorn“ und „Selarn“ wird Solling im Spätmittelalter bezeichnet; als „Salarium“, die „Siedlung der Leute am Fluß“. Entstehungsgeschichtlich handelt es sich beim Namen um die Hauptausbauzeit in den Holzlandzonen, die frühestens im 9. und 10. Jahrhundert ansetzt.

In der 2. Besitzaufschreibung, dem Urbar von 1301/04 hatte der Landshuter Herzog im Vilsbiburger Gericht an der Vils, bereits den Zoll und die „Stat“ Vilsbiburg. Als Beizölle werden die Übergänge über die Vils bei Solling (Solorn) und Gerzen genannt.

Solling war bei der Herrschaft und Amt Geisenhausen, in der Obmannschaft Gaindorf geführt, einige Höfe waren Untertanen der Adeligen der Seyboldsdorfer.

Solling gehörte zur Gemeinde Frauensattling bis zum 1. Mai 1978.
Am 1. Mai 1978 war die Eingemeindung von Solling aus der Steuergemeinde Frauensattling zur Stadt Vilsbiburg.

Die Kirche Sankt Stephan

Solling gehört als Filialkirche von je her zur Ur-Pfarrei Gerzen. In der Regensburger Bistumsmatrikel vom Jahr 1508 wird erstmals beim Gerzener Dekan und Pfarrer Magister Virgilius Schrettl, die Kirche von „Solern“ genannt, geweiht dem Sankt Stephan und Laurentius, mit Friedhof.
Auf einem ovalen Blattornament-Medaillon im Chor, über einer Herz-Mariä Darstellung in einer Rokokofassung und einem darüber hängenden Kreuz, steht die Inschrift:

Solling – Kirche zum Hl. Stephanus – geweiht am 3. Oktober 1497.
Der barocke Hochaltar wurde 1721 unter dem Gerzener Pfarrer Graf Ferdinand Vitus Mathias von Seinsheim aufgestellt und geweiht, was auch auf der Rückseite mit einer Inschrift kundgetan wird.

Haus- und Hofgeschichte

Zum 1. Mai 1808 erfolgte in Bayern die Aufhebung der Leibeigenschaft.
Mit Gesetz vom 4. Juni 1848 endete die gutsherrliche Gerichtsbarkeit, sie ging auf den Staat über. Es erfolgte die Aufhebung der Naturalscharwerke, die Abgaben bei der Übernahme nach einem Sterbefall und der größte Teil des Zehents. Alle noch bestehend bleibenden Abgaben wurden auf einen bestimmten Betrag festgelegt und als ablösbar erklärt. Der Bauer war jetzt freier Eigentümer.

Das Urkataster der Steuergemeinde Frauensattling – Solling, vom Jahr 1845 und das Kataster-Umschreibheft ab 1860.

Der Grundsteuerkataster, die erste Zusammenstellung der Höfe und Anwesen mit ihrem Besitz, der Steuergemeinde Frauensattling befindet sich im Staatsarchiv von Landshut unter der Signatur: 19/15.
Solling: Haus Nummern 44 bis 50 ¼. Vom Müller, Steindl, Auweber, Schuhmacher, Feichtner, Schweikl, Schindlbeck und Fischer bis zum Zimmermann – Haus- und Hofgeschichte.

Peter Käser

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