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Landshut, Stadtteil Frauenberg

Frauenberg
Stallwang

 

 

Frauenberg

Frauenberg liegt am östlichen Rand der Stadt Landshut. Es ist der flächenmäßig größte Stadtteil, umgeben von Wäldern, Feldern, Naturschutzbereichen und geschichtlich und archäologisch interessanten Gebieten. Im Jahr 1974 wurde Frauenberg in die Stadt Landshut eingemeindet.

Die älteste Erwähnung Frauenbergs stammt aus einer Urkunde des Klosters Seligenthal vom 21.4.1298. Aber auch 7000 Jahre alte Funde aus der Jungsteinzeit belegen, dass das Gebiet um Frauenberg uraltes Siedlungsgebiet ist. Noch heute kann man bei Bodenaufschlüssen mit etwas Glück Bruchstücke steinzeitlicher Artefakte finden. Auch Hügelgräber sind Zeugen vergangener Zeiten.

Frauenberg, im Hintergrund Adlkofen (Foto Andrea Geisselmann)In der ehemaligen Gemeinde Frauenberg lebten bekannte Persönlichkeiten  wie der weltbekannte Dichter Clemens Brentano, Benediktinerpater und Botaniker Candid Huber, Kunstmaler Ignaz Mayer-Frauenberg, Otto der V., genannt der Faule, und Konradin der letzte Hohenstaufer.


Gerd Müller hat im Heimatbuch “Frauenberg - ein Kirchdorf im Wandel der Zeiten” die Frauenberger Hofgeschichten aufgeschrieben und die alten Hofnamen erforscht:
Der Weinzierl oder Sedlmeierhof ist das älteste Anwesen, erstmals urkundlich erwähnt im Jahr 1411. Weitere feststellbare früheste Jahreszahlen: Der Schmied  1552,  Weber-Jackl-Sölde, Mesner-Anwesen 1612, Plaikner- Anwesen 1644, Taffner, Erberhof 1680, Stelzerhof 1791, Petersgut (Wirt) 1795, Schneidergütl (Krämerei) 1807, Seppenjacklhof 1809, Lenzwimmersölde 1810.


Frauenberg, Wallfahrtskirche Maria Heimsuchung (Foto Andrea Geisselmann)Weithin sichtbares Wahrzeichen Frauenbergs ist die Wallfahrtskirche Maria Heimsuchung, erbaut im gotischen Stil zwischen 1470 - 1480 auf den Resten einer romanischen Kirche aus der Zeit zwischen 950 und 1250. Davor wird eine hölzerne Kapelle im Zusammenhang mit der Missionstätigkeit des Hl. Erhard vermutet.

 Heribert Dettenkofer hat im Heimatbuch ausführlich die Geschichte der Kirche beschrieben.
Wahrscheinlich handelt es sich bei Frauenberg um eine uralte germanische Opferstätte, die wie viele andere, in eine christliche Kultstätte umgewandelt wurde. Aufgrund der bisherigen Erkenntnisse ist davon auszugehen, dass der Hl. Erhard in der Zeit um 680/690 n. Chr. hier als Wanderbischof missionierend tätig war und mit dem Bau eines Kirchleins und der Verwendung des “Erhardisteins” als Altarplatte das Fundament für den heutigen Wallfahrtsort Frauenberg legte. Aus seinem segensreichen Wirken haben sich bis heute in der Bevölkerung Erhardilegenden und -brauchtümer sowie Erhardspatrozinien erhalten.

Johann Pollinger hat 1908 in seinem Buch „Aus Landshut und Umgebung“ die Legende so wiedergegeben:

„Einmal hielt sich der Hl. Erhard in Altheim auf. Er predigte dort und half allen, die in Not und Elend waren. Nun ereignete es sich, dass in Altheim eine Viehseuche auftrat. Die Leute baten den Hl. Erhard um Hilfe. Da aber die Hilfe ausblieb, verjagten sie ihn, und der Hl. Erhard flüchtete auf einem Stein über die Isar nach dem nahen Frauenberg. Der Stein aber, der ihn über die Isar getragen, lehnt heute am Eingang der Kirche zu Frauenberg und wird als Erhardistein von Jung und Alt verehrt und geküsst.“

Frauenberg Kirche, Flügelaltar, gotische Muttergottes, Totenerker, Fresko, Erhardistein

Der Kirchenraum mit dem lichtdurchfluteten Hochaltar aus der Zeit des Rokoko 1758 enthält unter anderem ein schön figuriertes Netzgewölbe,  einen Flügelaltar aus den gut erhaltenen gotischen Altarflügeln des früheren Altars, eine hölzerne gotische Muttergottes mit Kind aus der Zeit um 1350, im Eingangsbereich einen Totenerker, Fresken aus der Zeit um 1580 - 1600, und Bilder und Figuren aus vergangenen Jahrhunderten; an der Aussenmauer der Erhardistein.

Am Gewölbescheitel im Langhaus befinden sich an den Rippenkreuzungen sieben Schlusssteine, deren Darstellung folgende Zuordnung ermöglichen. Drei Schlusssteine zeigen die Wappen von Adelsfamilien. Es sind dies: das Wappen der Wittelsbacher mit den Bogener Rauten, das Wappen der Herzogin Amalie von Sachsen, sowie das Wappen der in Stallwang und Deutenkofen zur damaligen Zeit begüterten Hofmarksherrn Sandizell. Die Wappendarstellungen dürften ein Hinweis auf Mäzene des Kirchenbaus sein.
Drei weitere mit der Darstellung der Muttergottes, eines Sterns und einer Rose weisen auf die Verehrung der Gottesmutter hin.

Schlusssteine, Wittelsbacher, Sachsen, Sandizell, Stern, Muttergottes, Rose

Zum Stadtteil Frauenberg gehören die Ortsteile Auloh, Aubach, Dirnau, Duniwang, Eisgrub, Entenau, Gretlmühle, Neudeck, Reithof, Schaumburg, Stallwang, Sterneck, Wolfstein und Wolfsteinerau.

Die Landshuter Zeitung hat eine interessante Artikelserie über die einzelnen Stadtteile veröffentlicht.
PDF-Datei öffnenDen Bericht über Frauenberg können Sie als PDF-Datei öffnen

Frauenberg mit Burgstall Strassburg, Blick ins Isartal

 

 

Stallwang

Candidus Huber – eine Reminiszenz

Aus Apian - Bayerische Landtafeln, Nr. 14, von 1568
Ausschnitt Apian-Karte
Wer war der Mann, der die ersten sicheren Trittsteine für unsere moderne Forstwissenschaft und Forstwirtschaft mit seiner Holzbibliothek gelegt hat? Er hat als Naturbeobachter und Autodidakt Werke geschaffen, die die Basis für eine moderne Weltanschauung bereits in sich trugen. Dem nachwachsenden Rohstoff Holz hat er schon vor zweihundert Jahren sein Leben gewidmet und damit unserer heutigen Resourcenknappheit Wege mit und in der Natur aufgezeigt.
Er wohnte von 1808 bis zu seinem Tode 1813 im Jagdschloss der Grafen von Törring-Jettenbach in der Hofmark Stallwang, einem Schloss das angeblich nur so groß wie eine Laterne war. Kein geringerer als Clemens Brentano, der bedeutendste deutsche Romantiker, hat diesem Gelehrten als Ministrant gedient.

Karl Dengler hat aus zahlreichen Quellen und alten Urkunden das Leben des Candid Huber erforscht und mosaikartig ein spannendes Bild zusammengesetzt. Er beschreibt seinen bewegten Lebenslauf, seinen Briefwechsel, sein Musiktalent, und seinen Freundeskreis.
An Hand von Plänen und Ur-Katastern zeichnet er auch die Geschichte des einstigen Jagdschlosses von Stallwang nach.
Außerdem befindet sich am Ende des Berichts eine Liste mit Ortsangaben zu den heute noch erhaltenen Holzbibliotheken in den Museen der Welt.

PDF-Datei öffnenDen ausführlichen Bericht des passionierten Heimatkundlers Karl Dengler können Sie nachlesen in der PDF-Datei:

(Dieser Bericht ist auch in den “Verhandlungen des Historischen Vereins für Niederbayern” Band 138, 2012, erschienen)

 

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