Wohnen im Tal der Glaim.
7.500 Jahre Siedlungsgeschichte entlang der Glaim, die in den Landkarten
nur noch als Feldbach bezeichnet wird. Ein unwürdiger Name für einen Bach,
der eine Region entlang seines Laufs über Jahrtausende geprägt hat.

Grundsätzliches:
Der Feldbach kommt aus Mainzendorf und vereint sich kurz vor Windham mit dem Petersglaimer Bächlein. Diesem Zusammenfluss, der bei Duniwang in die Isar fließt, wird erst im 16. Jh. für den Rest seines Laufes der schnöde und nichtssagende Name Feldbach verpasst. Der ursprüngliche Name "Glaim" für dieses Bächlein, wird durch die anliegenden Orte Petersglaim, Oberglaim und Unterglaim bestätigt. Zur Bedeutung des aussagekräftigen Namens "Glaim", welcher seit Jahrtausenden die anliegende Kulturlandschaft prägt, hat mir der Namensforscher Monsignore Johann Schober mitgeteilt:

"Glaim"  kann auf das althochdeutsche *„gliuma >dröhnen<, mittelhochdeutsch glumen >dröhnen< (Lexer I, Sp. 1040) vgl. germanisch *glauma- >lärmender Jubel< zurückgeführt werden (freundliche Information von Albrecht Greule vom 14.7.2012).
Der ursprüngliche Gewässername bedeutet >Lärm-Bach, dröhnender Bach<,der Bach >die Glaim< zieht sich von Petersglaim über Ober- und Unterglaim zur Isar hin, was für den Ansatz eines ursprünglichen Gewässernamens spricht. Die Differenzierung der drei Orte erfolgte zunächst nach dem Patrozinium, dann -ebenfalls seit dem 14. Jh. Belegt- >Ober-< und >Nieder-< nach der Höhenlage. Die Urkunden des Klosters Seligenthal beziehen sich auf Oberglaim. Hier hatte das Kloster Jahrhunderte Besitz.

Die historische Karte (Philip Apian 1569) und die modernen Karten zeigen den Lauf der Glaim.
Link zum Zitieren: https://nbn-resolving.org/urn:nbn:de:bvb:12-bsb00015529-12-6
Beim anklicken der Karte wird diese vergößert dargestellt.


Zu den Orten entlang der Glaim









Bei ihrem zunächst getrennten Lauf fließen der Feldbach von Mainzendorf ca. 460 m NN kommend durch Grafenhaun und das Petersglaimer Bächlein durch Petersglaim, um dann kurz vor Windham gemeinsam durch die Orte Oberglaim, Käufelkofen, Unterglaim, Kopfham und Ergolding bei Duniwang ca. 380 m NN in die Isar zu fließen.
Wenn Sie mehr über diese Orte erfahren wollen, dann klicken Sie bitte den entsprechenden Ort an, oder scrollen
Sie einfach nach unten.

Inhaltsverzeichnis: 
Petersglaim                     Käufelkofen       Zeittafel der Fundstellen entlang der Glaim
Grafenhaun                     Unterglaim         Historische Aufnahmen aus dem Tal der Glaim  
Windham                         Kopfham             Schlusswort 
Oberglaim                        Ergolding
















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Petersglaim

Ein uralter Siedlungsort, nördlich davon stößt man auf Grabhügel, vermutlich aus der Bronze-zeit. Dies zeigt uns, dass hier bereits vor rund 3.500 Jahren gesiedelt wurde.
Die erste urkundliche Erwähnung von Peters-glaim steht im Regensburger Visitationsprotokoll von 1589/90 und beschreibt die „filialis ecclesia Sannt Petersglaim". Teile der katholischen Filialkirche St. Peter zeigen einen romanischen Bau des 12./13. Jh., damit kann man den Ursprung des Ortes viel früher ansetzen. *)



Das Bild zeigt die Ortschaft Petersglaim mit der Peterskirche.
Dazu eine grundsätzliche Anmerkung:
Die erste urkundliche Erwähnung eines Ortes sagt uns, dass dieser Ort zu diesem Zeitpunkt bestand.
Seine Gründung kann Jahrzehnte oder sogar Jahrhunderte zurückliegen.

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Grafenhaun

Denkmalfachdaten Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege, 2020
Ein Hof in „Hawn“ wird Ende des 14. Jh. mit einem Hof in Grafenhaun identifiziert. Die katholische Kirche St. Margaretha, ein Barockbau von 1717-19, steht an Stelle einer älteren Kirche. Zwei spätgotische Holzfiguren aus dem 15. Jh. deuten das Alter der Vorgängerkirche an.

Das wahre Alter der Besiedlungsgeschichte um Grafenhaun zeigen uns archäologische Fundstellen, wobei die älteste aus der Zeit der Linearbandkeramik stammt und somit rund 7.500 Jahre alt ist.


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Windham

Kurz nach dem Zusammenfluss von Feldbach und Petersglaimer Bächlein fließen beide gemeinsam durch Windham. Bereits im 12./13. Jh. sind Schenkungsgüter der Freisinger Kirchen und Klöster im Gerichtsgebiet Rottenburg belegt und u.a. für Windham bezeugt. 
Auch hier zeigen die archäologischen Fundstellen mit Linearbandkeramik, das wahre Besiedlungsalter der Ortschaft mit rund 7.500 Jahren an.

*) von Hans Huf aus Petersglaim bekam ich
    Einen Hinweis auf die erste urkundliche              Erwähnung  Hans Huf:

    Stadtarchiv Landshut:
    Urkundenregest StadtA La Nr. 106 vom               12.6.1406

     Urkunde zu Windham: 12. Juni 1406                     Bürgen: Chunrat und Reichker die
     Cholbekchen zu Winthaym!
 
Eine Erklärung zum Namen des Ortes Windham von 
Monsignore Johann Schober:

GW des Kompositums ist mhd. heim >Haus, Heimat< (Lexer I, Sp. 1216),
 BW ist mhd. Wint, Winde, Wende >Wende, Slawe< (Lexer III, Sp. 915). Bedeutung: Heimstätte der Slawen. Es kann aber auch mhd. wint >Wind< (Lexer III, Sp. 913) nicht ausgeschlossen werden. Der ON bedeutet dann: Heimstätte, die stark dem Wind ausgesetzt ist. Vgl. Reitzenstein, Windorte, S. 16 f.)

Sollte sich der Name von Windham tatsächlich von den Wenden ableiten, dann könnte man auf eine Besiedlung bereits unter Karl dem Großen schließen.
Dazu unter Wikipedia: https://de.wikipedia.org/wiki/Wenden

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Oberglaim

Mit Oberglaim durchfließt unser Bach einen weiteren der Glaim-Orte. Erste urkundliche Nennung des Ortes „Gliumin“ aus dem Jahre 889-891 kann aber nicht mit Sicherheit Oberglaim zugeordnet werden, wenn auch der in der Nähe liegende mittelalterliche Burgstall dafür einen deutlichen Hinweis gibt.
Um 1230 jedoch wird der Ort als „Unser Frauen Gleum“ bezeichnet, was darauf deutet, dass bereits zu diesem Zeitpunkt eine Marienkirche vorhanden war.
Das wahre Alter der Besiedlung von Oberglaim wird uns wieder durch archäologische Fundstellen erschlossen, denn Scherben der Linearbandkeramik wurden auch hier gefunden. Diese wurden 5.500 bis 4.900 v. Chr. gebrannt und zeigen, dass auch hier sehr früh die fruchtbaren Lössböden genutzt wurden. 

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Käufelkofen

Chaufenkofen ist die ursprüngliche Bezeichnung von Käufelkofen.
1181 – 1187: Urkundliche Nennung eines Reniporto von Käufelkofen (Steinbeißer, 12).
Denkmalfachdaten Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege, 2020

In die Reihe der alten Besiedlungsorte entlang der Glaim, schließt sich dieser Ort an, denn auch hier wurden Scherben der Linearbandkeramik gefunden.






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Unterglaim

Wenige Kilometer nach Käufelkofen stoßen wir auf die Ortschaft Unterglaim.
Auch hier finden wir in unmittelbarer Umgebung bis zu 7.500 Jahre alte Spuren der Linearband-keramik. Bereits im ersten Herzogurbar 1230 ist „Niderglewn“ mit „Hof und Fischlehen, Lehren“ aufgeführt. Besonders interessant ist die kleine Kirche „St. Pankratius“.
Darüber steht geschrieben:

„Vom ursprünglichen spätgotischen Kirchenbau zeugt heute noch der Chor, der aus der Zeit um 1494 stammt. (Dehio, 705. Pritscher, 105 und Steinbeißer, 17) geben mit der Zeit einen etwas früheren Bauzeitraum für die Kirche an.)
Der Turm in massiv gotischer Bauweise ist noch älter und diente früher als Kerker der Ergoldinger Gerichtsbarkeit, die hier abgeurteilten Sträflinge bis zu ihrer Hinrichtung auf den Galgenberg verwahrte. (Pritscher, 104; Steinbeißer,18)
Denkmalfachdaten Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege, 2020

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Kopfham

Weiter fließt unser Bach nach Kopfham.

Nach Ortsnamenstudien H. Dannheimers (1962) sind durch bestimmte Ortsnamenendungen Zentren alter Siedlungen bezeugt. So u.a. Ortsnamen mit der Endung „-ham“, wie Kopfham, weisen auf Ortsgründungen um 700 n. Chr., zurück.
Um 1752 gehörte dem Weiler Kopfham anteilig verschiedener Besitzungen zum Herrschaftssitz Mirskofen. (HAB LA;328 f.)
Denkmalfachdaten Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege, 2020

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Für Bilder über die Ortschaft

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Ergolding

Auf ihrer Reise zur Isar streift die Glaim entlang ihres Laufs Ergolding als den letzten Ort und damit einen der geschichtlich interessantesten Siedlungen im Landkreis Landshut.
Dazu einige Aussagen, die ich über Ergolding gefunden habe:

Auch wenn Ergolding in der Agilolfingerzeit urkundlich nicht belegt ist, wurde schon früh vermutet, dass dieser echte „ing“,-Ort (deutet auf eine Entstehung bereits im 6. Jh. hin) bereits im Frühmittelalter besiedelt war und sich dort ein Herzoghof befand. (Herzog,196, 207f.)
Aus der Karolingerzeit stammen die beiden ersten urkundlichen Erwähnungen des Ortes. In den Jahren 822 und 824 fanden hier zwei große Gerichtstage statt, an denen eine Vielzahl der geistlichen und weltliche Großen des Landes teilnahm, was die besondere Stellung Ergoldings zu dieser Zeit unterstreicht.
Über die Kirchen ist nachzulesen:
914: Ellinrat, eine Konkubine König Arnulfs, übergibt an das Kloster St. Emmeran in Regensburg u.a. eine Kapelle und zwei weitere Kirchen in Ergolding. Bei den beiden Kirchen könnte es sich um Vorgängerbauten der Peterskirch und der Frauenkirche handeln. (Becher, 14f.; Pritscher, 96; Herzog, 182f.)
Denkmalfachdaten Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege, 2020

Dazu folgende Ergänzung von Monsignore Johann Schober:
*) Die Ersterwähnung liegt bereits in der Agilolfinger/Karolingerzeit. Prof. Roman Deutinger (an der LM-Universität München Prof. für bayer. Geschichte), ein absolut verlässlicher Wissenschaftler, hat die Entdeckung von 789 gemacht. Die Urkunde hat Tassilo in Ergolding für Altdorf bei Pfettrach (!) ausgestellt. Ein grandioser Fund. Ich füge den Aufsatz bei. Nun könnte man einwenden, dass Tassilo 788 abgesetzt wurde. Man muss aber bedenken, dass die Kommunikationswege damals durchaus ein bis zwei Jahre dauerten.

Auch Ergolding kann auf eine rund 7.500 Jahre Besiedlungsgeschichte verweisen, denn auch auf Feldern um Ergolding fand man, wie fast im gesamten Bachlauf, Scherben der Linearband-keramik.
Nach Ergolding fließt die Glaim Richtung Isar. Für die letzten Meter musste sie ihr angestamm-tes Bachbett verlassen, um in einem Kanal am Stausee vorbei in die Isar zu münden.
Es scheint überhaupt ein Schicksal der Glaim zu sein, ihren Lauf weitgehend in künstlichen Bachbetten nehmen zu müssen. Nur auf der kurzen Strecke zwischen Kopfham und kurz vor Ergolding fand ihre Renaturierung statt. Hier hört man wieder ihr fröhlich anmutendes Glucksen, was uns an den germanischen Begriff  *glauma- >lärmender Jubel< erinnert.

Für weitere Informationen bitte anklicken:

Noch mehr über Ergolding


Ergänzung von Monsignore Johann Schober 



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Zeittafel der archäologischen Fundstellen
entlang der Glaim


Diese Fundstellen zeigen uns wie früh und zum Teil auch wie kontinuierlich das Tal der Glaim besiedelt. war.

Petersglaim   B LTZ
Grafenhaun   LBK SBK FMA
Windham       LBK SBK
Oberglaim      LBK SBK MHK FMA
Käufelkofen   LBK SBK MHK Bz FMA
Kopfham         LBK SBK MHK AHK Bz UFK LTZ Ha FMA                                 SMA
Unterglaim     LBK MHK Cham LTZ              
Ergolding        SBK MHK AHK GKK Bz UFK Ha RKZ FMA                               SMA

Erläuterung:


LBK = Linearbandkeramik 5.500 bis 4.900 v. Chr.
SBK = Stichbandkeramik 4.900 bis 4.500 v. Chr.
MHK = Münchshöfener Kultur 4.500 bis 3.800 v. Chr.
AHK = Altheimer Kultur 3.800 bis 3.300 v. Chr.
Cham = Chamer Gruppe 3.500 bis 2.700 v. Chr.
GKK = Glockenbecherkultur 2.600 bis 2.200 v. Chr.
Bz = Bronzezeit 2.200 bis 1.400 v. Chr.
UFK = Urnenfelderkultur 1.300 bis 800 v. Chr.
Ha = Hallstattzeit 800 bis 475 v. Chr.
LTZ = Latènezeit 450 bis ca. Chr. Geb.
RKZ = Römische Kaiserzeit 15 bis 450 n. Chr.
FMA = Frühmittelalter 500 bis 1.050 n. Chr.
SMA = Spätmittelalter 1.200 bis 1.500 n. Chr.



Das Bld zeigt exemplarisch Scherben der Linearband-keramik.

Zahlreiche Formen lösten sich im Laufe der Jahrtausende ab, und der Archäologe ist froh darum, denn auf diese Weise kann er die einzelnen Zeitzonen herausarbeiten und überregional verfolgen:
Aus dem Buch die Alpen in Frühzeit und Mittelalter von
Ludwig Pauli ISBN 3 406 07598 3






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Historische Aufnahmen vom Leben im Tal der Glaim.


Die Aufnahmen beginnen mit einer Urkunde aus dem Jahr 891, in welcher der Ort "Gliumin"
aufgeführt wird. Allerdings ist nicht geklärt, ob es sich bei "Gliumin" um Petersglaim, Oberglaim 
oder Unterglaim handelt.
Als nächstes Bild folgt ein Zeitungsartikel aus dem Jahr 1925, in welchem zu einer Wanderung 
entlang der Glaim angeregt wird.
Danach eine Erläuterung des Begriffs "Tafernwirtschaft" und dann die Tafernwirtschaft 
Emslander in Unterglaim, die heute noch besteht.

Weiter geht es mit Bildern, die zum Teil vor rund 100 Jahren entstanden sind und das Leben
im Tal der Glaim, wie es sich in dieser Zeit abspielte, uns nachvollziehen lassen.
Man sieht, wie sehr dabei die Glaim mit einbezogen wurde.


Viel Spass und bitte hier zur Fortsetzung klicken.









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Vielen Dank für Ihr Interesse.

Ich würde mich freuen, wenn Sie mir ergänzende Informationen oder Korrekturen über die aufgeführten Orte unter peter.geldner@arlan.de
zukommen lassen.

Peter Geldner



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