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Von kurzen und langen Grabungen –
Archäologischer Jahresrückblick der Kreisarchäologie mit Dr. Thomas Richter am 20. Januar 2026

Im vergangenen Jahr wurden im Landkreis Landshut mehr als 80 archäologische Ausgrabungen durchgeführt. Die Bandbreite reichte dabei von kurzfristigen Untersuchungen mit einer Dauer von wenigen Stunden bis hin zu mehrwöchigen Grabungen – eine Maßnahme fand im Sommer nach über zwei Jahren ihren Abschluss.
Der Vortrag gab einen umfassenden Einblick in die Ergebnisse ausgewählter Grabungen und spannte dabei einen Bogen von der Jungsteinzeit bis ins Hochmittelalter. Vorgestellt wurde eine jungsteinzeitliche Siedlung und ein mittelalterliches Dorf in Ast, Gem. Tiefenbach. Weitere Stationen führten zu urgeschichtlichen Hausgrundrissen unter heutigen Fahrradwegen und zu Knochenfunden aus Ergolding, die vom Leben vor rund 4.500 Jahren erzählten. Den Abschluss bildete ein Blick auf die Frage, wie sich die Stadt Vilsbiburg im Hochmittelalter präsentierte.
Foto: Ausgrabung eines frühmittelalterlichen Grabes aus der Karolingerzeit in Ast, Gem. Tiefenbach.

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Eine kleine Reise in die Geologie Bayerns -
mit Dr. Roland Merkl

Vereinsabend am 26. Februar


Der "Reiseleiter in die geologische Geschichte" Bayerns begann zunächst großräumig die Geologie Bayerns zu betrachten und den zeitlichen Bezug der Prozesse in der Erdgeschichte dazu einzuordnen. Im weiteren Verlauf erklärte Dr. Merkl in seinem lebhaften und kompetenten Vortrag, wie unsere Landschaft hier in Niederbayern entstand und welche Kräfte sie zu welcher Zeit formten (Molassebecken, tropische Verwitterung, Einfluss der Gletscher).
Abschließend wurden noch die Möglichkeiten im Bayeratlas (LfU) aufgezeigt, und wie man damit mehr über die geologischen Verhältnisse in unserer unmittelbaren Gegend zu erfahren kann.
Die Präsentationsunterlagen mit allen Links und Verweisen zum Nachlesen wurden ArLan freundlicherweise vom Referenten zur Verfügung gestellt.  

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Foto: Pangea, Wikimedia Commons, Creative-Commons-Lizenz CC0 1.0

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Die Stinglhammermühle bei Niederaichbach

Vereinsabend mit Sylvia Mischko am 17. März


Bäche waren über lange Zeit nicht nur die Lebensader der Siedlungen, sondern stellten zusammen mit Mühlen auch die wesentliche Versorgung mit Primärenergie sicher.
In ihrem Vortrag auf dem ArLan-Vereinsabend erzählte die Heimatpflegerin Sylvia Mischko von der Geschichte der Stinglhammer-Mühle und den Geschichten der Menschen in ihrem Umfeld.
Zu Hofmarkszeiten soll die Stinglhammer-Mühle bei Niederaichbach nur das Mehl der Herrschaft im Schloss oben gemahlt haben. Später wurde hier im Kundenauftrag gemahlen. Die Bauern brachten das Getreide und der Stinglhammer Müller mahlte dieses zu Mehl. Oft war die Mühle bis zur Decke voll gestapelt mit Mehl- und Getreidesäcken. Vor dem Krieg kostete das Mahlen eines Zentners Korn ca 90 Pfennige und das Mahlen des Weizens, 1,10 bzw. 1,20 RM. Einmal in der Woche, am Samstag, wurde gefegt und die größten Spinnweben entfernt.
In ihrem lebendigen und anschaulichen Vortrag vermittelte Sylvia Mischko den Besuchern des Vereinsabends vom früheren Leben in der alten Mühle. 

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Vereinsabend am 21. April:
Vermessen


Ein Vortrag über die Anfänge des bayerischen Vermessungswesens

Horst Rückert führte die Besucher des Vereinsabends in die Welt von Max III. Joseph und Montgelas und ihren Bemühungen, einen Überblick über ihr Land zu bekommen. Er schilderte in seinem lebendigen Vortrag, was dem französischen Vermesser Cassini misslang und vor allem, warum. 
Dass der zweite Versuch zu Beginn des 19. Jahrhunderts ein Ergebnis zeitigte, das mehr als einhundert Jahre Gültigkeit besaß, lag auch daran, dass man aus Fehlern lernte.
In seinem Vortrag beleuchtete der Referent die damaligen wissenschaftlichen, gesellschaftlichen und politischen Hintergründe dieses Beginns einer "Vermessung der Welt".

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Bild: Haus der Bayerischen Geschichte, Wie Bayern vermessen wurde. Hefte zur bayerischen Geschichte und Kultur Bd. 26 (Augsburg 2001).

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Besichtigung der römerzeitlichen Straße in Mirskofen 

Wanderung mit Peter Geldner von Mirskofen auf den Schinderbuckel

Am 2. Mai 26 trafen sich 25 TeilnehmerINNEN zur Besichtigung des im letzten Jahr entdeckten Teilstücks einer römerzeitlichen Straße nördlich von Mirskofen. Peter Geldner schilderte anschaulich, wie er, angeregt durch Dr. Biederer vom BLfD in Regensburg und mit Hilfe moderner, digitaler Erkundungsmethoden den Straßenzug entdeckte. Das Straßenstück kann mit Fug und Recht als Teilstück der im Itinerarium Antonini genannten Verbindungsstraße zwischen Pons Aeni und Castra Regina betrachtet werden. Im dichten Wald waren nicht nur der antike Straßendamm, sondern auch Erdentnahmestellen sowie begleitende Hügelgräber zu besichtigen.

Mehr zu Römerstraßen im Isartal finden Sie hier.

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Jahreshauptversammlung mit Neuwahlen
Dienstag, 19. Mai

35 Vereinsmitglieder fanden sich zur turnusgemäßen Jahreshauptversammlung im Gasthaus Schönbrunn ein. In diesem Jahr standen neben dem Bericht des Vorstandes und des Kassenwarts auch wieder Neuwahlen an.
Als neue Kassiererin löste Helga Schiemann Dr. Thomas Richter ab, der seit 2017 die Finanzen des Vereins verantwortete. Darüber hinaus wurden Franz Attenkofer, Dr. Christian Gamel, Andrea Maier und Hannelore Sirtl als neue Beiräte berufen.

Im Anschluss an die formale Jahreshauptversammlung erläuterte Ralph Bergmann in einem kurzen Vortrag die Verwendung des Bayern Atlas auf Mobilgeräten im Feld. Die Folien des Vortrags können hier herunter geladen werden.

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Von steinzeitlichen Bogenschützen und monogamen "Bajuwaren"

Archäologische Radtour mit Dr. Thomas Richter

Am 14. Juni trafen sich 28 radfahrende Archäologiefreunde am neuen Landratsamt in Essenbach. Unter der Führung und anschaulichen Erläuterungen des Landkreisarchäologen Dr. Thomas Richter führte die Wegstrecke von Essenbach nach Altheim, Mirskofen, über Spitzlberg und nach Ergolding. Unterwegs konnten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer von den archäologischen Ergebnissen der letzten Jahre und über die Bedeutung der Befunde erfahren. Unter anderem wurde in Altheim am ehemaligen frühmittelalterlichen Reihengräberfeld Station gemacht, das maßgeblich zu den neuesten, bahnbrechenden Erkenntnissen zur Bevölkerungsentwicklung nach dem Zusammenbruch des weströmischen Reiches (siehe Veröffentlichung des Teams um Dr. Joachim Burger) beigetragen hat. Abschließend wurde in Ergolding Halt gemacht, wo es noch viel über das karolingische Königsgut sowie Glockenbecher- und Schnurkeramik-Kultur zu erfahren gab.

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Linien der Landschaft —
Archäologie der Grenzverläufe im Landkreis Landshut

Vereinsabend mit Dr. Benedikt Biederer am 16. Juni

Der bayerische Raum war im Mittelalter eine komplizierte Gemengelage aus teils kleinteiligen Grund- und Leibherrschaften mit überschneidenden Gerichts- und Nutzungsrechtsräumen. Hoheitsrechte wie Gerichtsbarkeit, Besitz, Lehen, Geleit und das Jagdrecht lagen noch bis Ende des 18. Jh. selten in der Hand eines Herrschaftsträgers. Überlieferte Karten vermitteln meist ein vereinfachtes Bild der Realität. Daher erweitern die erhaltenen Hinterlassenschaften ehemals verlaufener Grenzen die Quellenlage in erheblichem Maße. In seinem Vortrag erläuterte Dr. Benedikt Biederer vom Landesamt für Denkmalpflege in Regensburg archäologisch relevante Kennzeichnungen von Grenzen im Landkreis Landshut. Dazu zählen Erdwälle, Gräben und Gruben, die in Kombination mit schriftlichen Überlieferungen und Flurbezeichnungen, spannende Einblicke in ein vielschichtiges bislang wenig erforschtes Forschungsfeld geben.

Bild: „Wildbanngranitzkarte“, BayHStA, Plansammlung 10699

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Workshop zum ArchaeoSurveyTracker

Am Samstagnachmittag, den 11. Juli trafen sich 10 ehrenamtliche Feldbegeherinnen und Feldbegeher mit Dr. Sabine Mayer vom Landesdenkmalamt Regensburg in Pfettrach zur Schulung des neuen ArchaeoSurveyTracker (ASTRAcker).
Im Stüberl des Kastanienhofs wurden zunächst die Voraussetzungen und Grundlagen zur systematischen Erfassung von Bodenfunden und Befunden erörtert. 
Danach konnten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer eintauchen in die Funktionen der neuen Smartphone App und das Web-Portal zur systematischen Nachbearbeitung von Fundmeldungen.
Ermutigt durch das neue Wissen hatten am Ende des Kurses alle Ziele für baldige Begehungen mit dem ASTRAcker vor Augen.

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7000 Jahre Siedlungsgeschichte in Mauern – Die Ausgrabung im „Wollersdorfer Feld II“

Vereinsabend am 21. Juli mit Lisa Bauer

Bei archäologischen Ausgrabungen auf dem „Wollersdorfer Feld“ in der Gemeinde Mauern, Lkr. Freising, konnten in den Jahren 2022 bis 2024 jungsteinzeitliche Siedlungsspuren dokumentiert werden. Neben einer ausgedehnten linienbandkeramischen Siedlung (ca. 5300 bis 4900 v. Chr.) konnten zahlreiche Siedlungsspuren der Münchshöfener Kultur (ca. 4500 bis 3900 v. Chr.) freigelegt werden. Das Siedlungsareal war bereits durch die Arbeiten des Archäologischen Vereins Freising im südlichen Neubaugebiet bekannt. Als Highlights traten zwei Münchshöfener Bestattungen, eine Hundedeponierung und ein Grabenwerk zu Tage. Die Grabung ergänzt die Kenntnisse über die vorgeschichtliche Besiedlung in Mauern in herausragender Art und Weise.
Mit ihrem lebendigen Vortrag gab Lisa Bauer von der Kreisarchäologie Freising anhand der Grabungsergebnisse einen umfassenden Überblick über die neolithischen Siedlungsareale und die bisherigen Auswertungsergebnisse. Gerade das großflächig ausgegrabene Areal bietet vielfältige Möglichkeiten der Auswertung und Untersuchung der Siedlungen - von der Untersuchung der Häuser bis hin zur Nutzung besonderer Strukturen wie dem Grabenwerk. 

Luftbild: Fa. Büro für Archäologie – Neupert, Kozik & Simm
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Vereinsabend am 18. August:
Der 30-jährige Krieg aus heutiger Sicht

Vortrag von Adelheid Kapfhammer

Bei jedem Krieg stirbt die Wahrheit zuerst. Wie was das vor 400 Jahren?
Wahrscheinlich hat sich jede(r) Geschichtsinteressierte irgendwann mit dem Dreißigjährigen Krieg auseinandergesetzt und die Erinnerung an seine Gräuel scheint noch immer Teil unseres kollektiven Bewusstseins zu sein.
Adelheid Kapfhammer nahm in ihrem Vortrag beim stark besuchten ArLan Vereinsabend eine etwas andere Perspektive ein und ging vielen Fragen nach von "Wer waren die Kriegstreiber und welche Ziele verfolgten sie?" bis "Was geschah nach 1648 und wie wurde der Krieg aufgearbeitet?"

Bild: Belagerung Ao. 1634, Landshut in Bayern, Kupferstich [UBL: 57-4-1120:2,1]

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Die Welt der "Baiuvaren"

Vereinsabend am 15. September mit Dr. Brigitte Haas-Gebhard

Wer waren die "Baiuvaren" wirklich? Woher kamen sie – und wie entstand aus der römischen Provinz Raetia das mittelalterliche Bayern?
Lange stellte man sich vor, dass nach dem Ende des Römischen Reiches die römische Bevölkerung weitgehend verschwand und neue germanische Gruppen einwanderten.
Archäologische Funde und moderne naturwissenschaftliche Untersuchungen zeichnen heute jedoch ein deutlich komplexeres Bild. Der Vortrag von Dr. Haas-Gebhard führte die gespannt zuhörenden Besucher des Vereinsabends in das 5., 6. und 7. Jahrhundert n. Chr. – eine Zeit tiefgreifender politischer, wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Veränderungen. Grabbeigaben wie Waffen, Schmuck und Amulette erzählen vom Alltag der Menschen. DNA-Analysen zeigen zudem, wie vielfältig ihre Herkunft war. Selbst Menschen mit weit entfernten genetischen Wurzeln fanden sich in den frühmittelalterlichen Gräberfeldern Bayerns. Auch Krisen wie Klimaveränderungen, Kriege und die Pest hinterließen ihre Spuren. Zugleich lebten römische Traditionen fort, während sich neue politische Strukturen unter Ostgoten und Franken herausbildeten. So entsteht ein überraschendes Bild der "Baiuvaren": nicht als plötzlich auftauchendes, klar abgegrenztes Volk, sondern als Ergebnis eines langen Transformationsprozesses. Eine spannende Spurensuche zu den frühmittelalterlichen Menschen, die am Beginn des heutigen Bayern stehen. 

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Bild: "Bajuwarenhof" Kirchheim. LepoRello - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=20550939

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Pollenanalysen – Ein Detektiv in der Archäologie
Vegetationsgeschichte und vorgeschichtlicher Zinnbergbau im Erzgebirge

Vereinsabend am 20. Oktober mit MSc. Thilo Kappelmeyer; Vor- und Frühgeschichtliche Archäologie und Provinzialrömische Archäologie: LMU München

In seinem lebendigen Vortrag beschrieb Thilo Kappelmeyer das Projekt ArchaeoTin, bei dem die Entwicklung des Zinnbergbaus und die Veränderungen der Landschaft im Erzgebirge von internationalen, multidisziplinären Teams untersucht wurden. Eine besondere Rolle spielte dabei die Pollenanalyse. Er erläuterte anschaulich, wie das Team der LMU bei den Probebohrungen in hochgelegenen Mooren des Erzgebirges vorgingen und welche Erkenntnisse aus den Pollenanlysen im Labor gewonnen werden konnten. 
Moore speichern über Jahrtausende Pollen und andere pflanzliche Überreste und werden so zu einem natürlichen Archiv der Landschaftsgeschichte.
Die Pollenanalyse kann dabei wie ein „Detektiv der Archäologie“ wirken: Sie macht Veränderungen der Vegetation sichtbar und kann Hinweise auf menschliche Eingriffe geben, selbst wenn archäologische Spuren heute kaum noch erkennbar oder nicht nachweisbar sind. Veränderungen im Pollenspektrum und geochemische Signale aus den untersuchten Mooren bei Schellerhau und am Kleinen Kranichsee liefern Hinweise auf mögliche menschliche Aktivitäten bereits während der Bronzezeit und auf die damaligen Lebensbedingungen.


Bild: Thilo Kappelmeyer
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